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Hanna Rösner kann nur tatenlos zusehen

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Hanna Rösner fehlt verletzt und kann der HSG Gedern/Nidda nicth im Abstiegskampf helfen. ARCHIVFOTO: SEZ © Red

Gedern/Nidda (flo). Die Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda steuern schnurstracks auf die Abstiegsrunde zu. Und eine, die normal als Abwehrchefin vorangehen würde, kann nur tatenlos zuschauen: Hanna Rösner. »Es ist schon hart, wenn man nicht einmal versuchen kann, zu helfen«, sagt die 24-Jährige, die aufgrund eines Kreuzbandrisses seit Mitte Dezember ausfällt.

Am Samstag (18 Uhr) kann Rösner erneut nur von der Tribüne aus die Daumen drücken, wenn die Wetterauerinnen in der Sporthalle Konradsdorf den Tabellenführer SG Mainz-Bretzenheim zu Gast haben.

Einen Gegner, an den Rösner nicht unbedingt gute Erinnerungen haben dürfte. Beim Auswärtsauftritt im Rheinhessischen nämlich handelte sich die Rückraumspielerin ihre schwere Verletzung ein, neun Tage vor Weihnachten war sie dort auf rutschigem Parkett ausgerutscht. Mit gravierenden Folgen. »Ich habe direkt gemerkt, dass irgendwas ist und hatte wenig Hoffnung«, sagt sie rückblickend. Ein Schock war die Diagnose also nicht mehr. »Eigentlich hatte ich damit gerechnet.«

Leidenszeit könnte Mitte Juni enden

Im Februar wurde Rösner schließlich operiert. Und ist nun schon wieder eifrig dabei, den Reha-Plan abzuarbeiten. Tagtäglich absolviert sie Übungen mit Eigengewicht, radelt auf dem Ergometer oder geht zur Physiotherapie. »Es geht zum Glück gut bergauf«, freut sie sich. Rund ein Drittel der anvisierten Zeit der Rehabilitationsphase ist vorüber.

Nach 22 Wochen, so hat man es ihr mit auf den Weg gegeben, sei ein vorsichtiger Wiedereinstieg ins individualisierte Mannschaftstraining möglich. Das wäre Mitte Juni. Aber: »Darüber mache ich mir ehrlich gesagt gar nicht so sehr Gedanken«, sagt Rösner. »Wenn ich mich an irgendwelchen Zeitpunkten oder Datierungen festklammere, mache ich mir nur Druck oder mache dann vielleicht auch Dinge, die das Knie noch nicht hergibt. Ich habe das Vertrauen, dass mein Knie mir schon sagen wird, was geht und was noch nicht geht.« Eine geduldige Herangehensweise, die gewiss ein guter Ratgeber ist, um nichts zu überstürzen.

Dass Rösner zurückkehren will, dass sie wieder für die HSG Gedern/Nidda auf dem Parkett stehen will, daran lässt sie keinen Zweifel. Mittlerweile nicht mehr zumindest. »Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich das noch mal will, ob ich das noch mal riskieren soll«, gesteht sie. Dies auch vor dem Hintergrund ihrer beruflichen Ambitionen: Rösner studiert Lehramt mit den Fächern Sport und Deutsch, das achte Semester steht bevor. Weil an Sport im erforderlichen Maße noch nicht wieder zu denken ist, kalkuliert sie bereits jetzt mit zwei zusätzlichen Semestern. »Da hängt also ja schon meine berufliche Zukunft dran.« Und dennoch: »Als ich das erste Mal wieder in der Halle war, waren meine Zweifel weg. Dafür gibt es mir einfach viel zu viel. Ich fühle mich noch nicht so, dass ich fertig wäre mit dem Handball.«

Alle Mädels haben viel mehr Potenzial

Klar, dass sie mit der Spielgemeinschaft auch in der nächsten Saison in der 3. Liga spielen will. Selbstverständlich ist das dieser Tage nicht mehr. Die Truppe von Trainer Christian Breiler bräuchte schon ein mittelgroßes Wunder, um noch Platz sechs und damit den vorzeitigen Klassenerhalt zu erreichen. »Meine Wahrnehmung«, sagt Rösner, »ist, dass die Mädels alle viel mehr Potenzial haben, aber es momentan schwierig ist, das auch abzurufen. Wir hatten in dieser Saison natürlich super harte Rückschläge: Viele Verletzte, der Trainingsprozess war immer wieder unterbrochen, jetzt sind wir nicht mehr in unserer Halle.« Wie angeschlagen die Wetterauerinnen derzeit sind, bewiesen zuletzt die Pleiten gegen den 1. FC Köln (24:32) und beim TuS Königsdorf (25:27).

Ausgerechnet in dieser diffizilen Phase gibt am Samstag der schier übermächtige Spitzenreiter SG Mainz-Bretzenheim seine Visitenkarte ab. Ob sie Angst habe um ihr Team? »Nein, überhaupt nicht. Weil ich weiß, was die Mädels können«, betont Rösner. »Bisher war es oft so, dass wir gegen solche Mannschaften besser und befreiter ausgespielt haben - wie gegen Eddersheim. Ich habe die Hoffnung, dass uns das auch gegen Bretzenheim gelingt und traue uns zu, da mitzuhalten.«

Derzeit übrigens ist Rösner im Umzugsstress: Aus ihrer Gießener Studenten-WG geht es in die ländliche Idylle nach Geiß-Nidda. »Ich bin nicht so der Stadtmensch«, lacht sie. »In Geiß-Nidda wohne ich schön in Ortsrandlage am Feld. Darauf freue ich mich.«

Ebenso wie über ihre gesundheitlichen Fortschritte. Verbunden mit der Perspektive, irgendwann wieder aufs Handball-Parkett zurückzukehren.

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