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Handball-Bezirksvorsitzender Lambmann: »Der Großteil ist froh, dass wir spielen können«

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Wie geht es weiter im Handball-Bezirk Gießen? Im Interview spricht Tobias Lambmann, seit Ende September Bezirksvorsitzender, über die Fortführungsprognosen des heimischen Handballs.

Staffelübergabe des alten Vorsitzenden Kai Gerhardt (links) an Tobias Lambmann (rechts) in »Handballform« mit dem Butzbacher Gastgeber Karl Schuller.
Als neuer Vorsitzender des Handball-Bezirks Gießen steht Tobias Lambmann (rechts) seit September in der Verantwortung und hat das Amt von Kai Gerhardt (links) übernommen. Bei der Staffelübergabe in »Handballform« gehört der Butzbacher Gastgeber Karl Schuller (Mitte) zu den Gratulanten.  © Red

Wie geht es weiter im Handball-Bezirk Gießen? Im Interview spricht Tobias Lambmann, seit Ende September Bezirksvorsitzender, über die Fortführungsprognosen des heimischen Handballs. Der 35-jährige Gießener mit Niddaer Wurzeln erläutert außerdem die auf den Hallensport bezogenen Corona-Regeln und die geplante Aufrechterhaltung des Spielbetriebs.

Herr Lambmann, sieben Verbände haben den Spielbetrieb mittlerweile unterbrochen. In Hessen setzt zudem der Bezirk Odenwald/Spessart nun erst einmal aus. Wie sehen Sie die Chancen, dass der Bezirk Gießen das Kalenderjahr wie geplant zu Ende bringen kann?

Derzeit stehen die Chancen aus meiner Sicht noch gut, ich sehe durchaus noch Luft. Im Vergleich mit anderen Landesverbänden und auch mit dem Bezirk Odenwald/Spessart haben wir aktuell ganz andere Voraussetzungen. Wir reden in diesen Verbänden von Inzidenzen jenseits von 500, im Bezirk Odenwald/Spessart kommt zudem das Problem des bundeslandübergreifenden Spielbetriebs mit Bayern, wo die Regeln deutlich schärfer als in Hessen sind, dazu. Wir haben momentan sowohl die Signale als auch die entsprechenden Zahlen, bei denen es nicht angezeigt ist, den Spielbetrieb einzustellen.

Wie reibungslos geht der Spielbetrieb über die Bühne? Wie hoch sind die Ausfallquoten?

Vom 30. Oktober (Saisonbeginn; d. Red.) bis einschließlich Sonntag hatten wir auf Bezirksebene insgesamt 750 Spiele. Nur 25 davon wurden coronabedingt abgesetzt, die meisten davon im Jugendbereich. Dafür ist eine andere Zahl höher als sonst: Nämlich die Anzahl der Spiele, die aufgrund zu weniger Spieler abgesagt wurde. Das sind insgesamt rund 30 Partien. Das hat verschiedene Gründe: Viele Mannschaften sind mittlerweile grundsätzlich dünner besetzt, dazu kommen in den Wintermonaten grippale Infekte. Das hat mit Corona also erstmal wenig zu tun. Aber natürlich spielt in diese Absagen auch mit rein, dass sich manche Spieler aufgrund der aktuellen Lage bewusst entscheiden, derzeit kein Handball spielen zu wollen, und dass durch die 2G-Regel nichtgeimpfte Spieler wegfallen.

2G für Spieler, dazu für die Zuschauer Regelungen je nach Personenanzahl: Wie gut können die Vereine die Umsetzung dieser Auflagen stemmen?

Die jetzigen Regelungen für Spieler sind einfach zu kontrollieren. Etwas komplizierter ist es bei den Zuschauern. Das ist sicher auch nicht selten mit Diskussionen verbunden, da nimmt der Handball keine Sonderrolle ein. Vielfach stellt sich die die Problematik, welches Konzept nun anzuwenden ist, im Bezirk auch nicht, weil die Marke von 100 Zuschauern (ab 101 Zuschauern gilt 2Gplus statt 2G, d. Red.) gar nicht erreicht oder überschritten wird. Je höherklassiger es wird, desto eher entsteht dieses Thema. Es gibt natürlich Vereine, die Schwierigkeiten haben, diese Regelungen umzusetzen. Denn die Anzahl der Freiwilligen wird immer weniger, in vielen Hallen gestalten nur sehr wenige Helfer den Spieltag, dabei würden gerade jetzt mehr gebraucht. Am Ende ist es aber auch eine Frage der Priorität.

Inwiefern?

Der Spielbetrieb bedeutet in erster Linie die Austragung der Spiele. Wenn ein Verein seine Spieltage wirtschaftlich bestreiten muss, weil er auf die Einnahmen durch Zuschauer aufgrund seiner Planung angewiesen ist, muss er auch in der Lage sein, das Zuschauerkonzept entsprechend umsetzen zu können. Jedem muss vor dieser Saison klar gewesen sein, dass diese Saison nicht unter ganz normalen Voraussetzungen stattfinden können wird. Und es steht jedem Verein zu, keine Zuschauer reinzulassen.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von den Vereinen in Richtung weiterspielen oder unterbrechen?

Der Großteil ist immer noch froh, dass wir spielen können. Es gibt lediglich vereinzelte Stimmen, die ein Handeln des Verbands in Form einer Unterbrechung fordern. Das sind größtenteils Mannschaften, die entweder coronabedingt personell sehr gebeutelt sind, oder Vereine, für die Handball nicht rentabel ist, wenn sie nur wenige Zuschauer reinlassen dürfen.

Wäre ein Sonderweg des Bezirks Gießen, ähnlich wie Odenwald/Spessart, denn grundsätzlich denkbar?

Solange der Hessische Handballverband den Spielbetrieb nicht flächendeckend einstellt, die Werte bei uns in dieser Größenordnung bleiben und sich die Quote der ausgetragenen Spiele so gestaltet wie aktuell, werden wir den Spielbetrieb aufrechterhalten. Sollten wir im Bezirk Inzidenzen bekommen, die ein Weiterspielen unmöglich machen, würden wir uns beim HHV die Genehmigung für eine Unterbrechung des Spielbetriebs einholen müssen. Da hat am Ende der Hessische Handball-Verband die Entscheidungsgewalt, das sollte im Fall der Fälle aber keine Hürde darstellen.

Florian Deis

Zur Person: Tobias Lambmann

Seit September fungiert Tobias Lambmann, der zuvor Schiedsrichterwart war, als Vorsitzender des Handball-Bezirks Gießen. Der 35-jährige Lehrer lebt in Gießen, kommt aber ursprünglich aus Nidda. Lange Jahre warf er seine Tore für die Männer der HSG Gedern/Nidda, ist für den Klub noch immer als Schiedsrichter aktiv. Lambmann trainiert zudem die weibliche A-Jugend des TV Hüttenberg und die weibliche B-Jugend der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen.

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