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Familiäres Gespann im doppelten Sinne

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Ein sehr erfolgreiches Duo steuert beim Schottenring Historic Grand Prix das ebenso schnelle wie schmucke BMW-Gespann in schöner Regelmäßigekeit auf Spitzenplätze: Reinhold Kaiser und sein Enkel Patrick Schupp. © Oliver Potengowski

Gedern/Schotten (ten). Reinhold Kaiser ist Motorsportler und Motorradfahrer mit Leib und Seele. Schon als Jugendlicher fuhr er Grasbahn- und Moto-Cross-Rennen. Der Schottening Historic Grand Prix bot ihm 1992 die Gelegenheit wieder sportlich aktiv zu werden. In diesen drei Jahrzehnten ist mit seinem Enkel Patrick Schupp ein ebenso motorsportbegeisterter Beifahrer herangewachsen.

Und das erfolgreiche Duo ist natürlich diesem Wochenende (20./21. August) bei der nunmehr 32. Auflage des Spektakels unter der Regie des Motorsportclubs (MSC) Rund um Schotten wieder am Start.

Dass Kaiser mit und für den Motorsport lebt, kann und will er gar nicht verbergen. Seine Garage in Nieder-Seemen ist bis nahezu in den letzten Winkel mit Pokalen, Trophäen, Erinnerungsfotos und -stücken gefüllt. Der Platz reicht gerade so aus, darin noch mehrere Straßenmaschinen, Mopeds und natürlich das BMW-Kneeler-Gespann, mit dem er vor drei Jahren Klassensieger am Schottenring wurde, unterzubringen.

»Früher als Jugendlicher habe ich Grasbahn und Moto-Cross gefahren«, berichtet der 72-Jährige. Doch wie viele Amateurfahrer musste auch Kaiser das Hobby aufgeben, als er heiratete. Familiengründung und Hausbau hatten Vorrang. Ganz lassen mochte er von den üppig motorisierten Zweirädern dennoch nicht. »Ich hatte ein Honda-Goldwing-Gespann und kein Auto«, verdeutlicht er, wie eng er dem Motorradfahren verbunden war.

Als der MSC Rund um Schotten 1989 den Grand-Prix als Gleichmäßigkeitsrennen auf dem Stadtkurs wieder belebte, habe ein Freund ihn darauf aufmerksam gemacht. Man kann sich vorstellen, wie es Kaiser reizte, als er die Maschinen seiner Jugend gleichmäßig schnell dicht am Publikum vorbeifahren sah, selbst mit zu fahren.

»Das alte Grasbahn-Gespann hatte ich noch«, erinnert er sich. Das haben wir dann umgebaut.« Nur den Seitenwagen musste er neu aufbauen, um 1992 schließlich ein rennfertiges Gespann mit Motorsporthistorie in Schotten an den Start zu bringen.

Als Beifahrer war zunächst sein Sohn im Boot. «Der Beifahrer ist das A und O«, doziert Kaiser. Nur durch dessen Gewichtsverlagerung sind die hohen Kurvengeschwindigkeiten möglich. Diese Akrobatik lässt sich am Schottenring Grand-Prix gut beobachten. Macht der Beifahrer einen Fehler, kommt das Gespann aus dem Gleichgewicht und kann im schlimmsten Fall abfliegen.

Auch deshalb ist selbst der historische Motorsport mit den Gespannen nicht ungefährlich. »Ich hatte 2003 einen schlimmen Unfall in Schotten«, erinnert sich Kaiser. »Zwei Gespanne haben sich berührt und dann ist meins abgeflogen.« Ein paarmal sei er durch die Luft geflogen. Er habe sich damals das Handgelenk und mehrere Rippen gebrochen. Schwerer war sein damaliger Beifahrer verletzt. Bei ihm war eine Rippe in die Lunge eingedrungen.

Wegen dieser Gefahren hatte sich sein Sohn schon 1998 als Beifahrer von der Rennteilnahme zurückgezogen. Doch inzwischen war in der Familie ein Nachfolger herangewachsen. Denn Kaisers Enkel Patrick Schupp war schon als Kleinkind bei den Rennen im Fahrerlager dabei. Natürlich nahm ihn der Großvater auch mal auf dem Renngespann auf Spaßfahrten auf Feldwegen mit. »Meine Mutter wollte das nicht«, gesteht Schupp, dass sie von diesen Fahrten nichts wusste. Sie habe das zu gefährlich gefunden.

»In Hockenheim gab es sogenannte Gespann-Taxifahrten«, erinnert sich Kaiser an den nächsten Schritt seines Enkels zum Beifahrer. »Da war mein Enkel zwölf oder 13, da habe ich gedacht, das probieren wir mal.« Schnell merkte der Großvater, dass Schupp Talent hat. »Ich war zwar vorher schon bei meinigen Läufen dabei, aber Stammbeifahrer bei meinem Opa bin ich seit 2012«, stellt der Enkel fest.

In diesem Jahr setzte Kaiser auch erstmals ein sportlicheres Gespann ein. Durch Vermittlung seines damaligen Beifahrers Volker Ries konnte er das Kneeler-Gespann des verstorbenen Heinz Kunz kaufen.

Diese deutlich niedrigeren Konstruktionen bekamen ihren Namen, weil der Fahrer gewissermaßen flach auf dem Motorrad liegt und die Knie in zwei Mulden neben dem Hinterrad ruhen. Der tiefe Schwerpunkt erlaubt deutlich höhere Geschwindigkeiten. »Es hat eine Steuerung wie ein Kart, auf jede kleine Lenkbewegung reagiert es sofort«, beschreibt Kaiser das Verhalten des Kneeler-Gespanns.

Nicht nur wegen des Vertrauens in seinen Großvater hat Schupp trotz dessen schwerem Unfall bei den Gespannrennen keine Angst. »Man achtet schon aufeinander«, betont er die Fairness im historischen Motorsport. Dabei sei auch die kleine Szene gerade im Gespannsport ein Vorteil. »Im großen Ganzen kennt man sich untereinander und jeder passt auf den anderen auf.«

Auch wenn die Garage von Reinhold Kaiser mit Trophäen und Siegerkränzen geschmückt ist, spricht er wenig über seine motorsportlichen Erfolge. Dabei können sich die durchaus sehen lassen. 2011 und 2019 war er Klassensieger bei den Gespannen am Schottenring, 2017 am Sachsenring. »Wir haben meist nicht die gesamte Saison fahren können, deshalb waren wir in der Gesamtwertung oft auf dem zweiten oder dritten Platz«, erwähnt er eher beiläufig, dass er mit seinen Beifahrern regelmäßig vorne mitfährt. Dabei geht es ihm weniger um die Erfolge. »Wir haben Spaß am Fahren, so schnell wie’s geht, mehr nicht.«

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Nicht nur ein toller Gespann-Pilot, sondern auch ein sehr guter »Motorrad-Schrauber« ist Reinhold Kaiser. © Oliver Potengowski

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