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Euphorie ist Enttäuschung gewichen

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Region (cd). Wenige Spiele haben genügt, um bei den Offenbacher Kickers die Stimmung in den Keller sacken zu lassen. In der Winterpause hatte im Umfeld des Fußball-Regionalligisten noch Euphorie geherrscht - trotz der 0:1-Pleite in der letzten Partie des vergangenen Jahres bei Mitfavorit SSV Ulm 1846. Schließlich hatte das Team von Trainer Sreto Ristic von den zwölf Pflichtspielen zuvor elf gewonnen und dabei im TSV Steinbach Haiger (4:

0), dem FC Homburg (1:0) sowie der SV Elversberg (3:1) ein Trio aus dem oberen Tabellendrittel teils klar in die Schranken gewiesen. Leistung und Tendenz stimmten, alles war für den OFC noch drin im Kampf um den Aufstieg in die 3. Liga. Bei einer Partie und zwei Punkten Rückstand hatten es die Kickers als Dritter selbst in der Hand.

Seit dem Start der Restsaison am 11. Februar hat sich die Situation jedoch Stück für Stück geändert. Vom harten Kern der Fans hatte die OFC-Mannschaft zwar nach dem 0:1 (0:0) daheim gegen Rot-Weiß Koblenz noch aufmunternde Worte gehört, schon damals war aber im Stadion vereinzelt Kritik zu vernehmen. Die vorzeitigen Verlängerungen der Verträge des Trainerteams und des Geschäftsführers wurden ebenso hinterfragt wie die Zusammenstellung des Kaders (»Bring doch noch einen Ex-Chemnitzer!«). Bei einigen Chaoten entlud sich der Frust in einer feigen und brutalen Attacke auf den Teambus der Gäste.

Wechselbad der Gefühle gegen TSG

Das Spiel bei der TSG Hoffenheim II war dann ein echtes Wechselbad der Gefühle: Zweimal Torjubel, zweimal Enttäuschung nach dem Ausgleich. Die mitgereisten Anhänger reagierten nach dem Schlusspfiff dennoch moderat, vielleicht auch, weil sich in Rafael Garcia erneut eine wichtige Stütze schwer verletzt hatte. Mit etwas Abstand wurden aber die Spuren, die der erneute Rückschlag hinterlassen hatte, sichtbar.

Dass vor dem letzten Kickers-Spiel gleich drei Konkurrenten gepatzt hatten und sich für den OFC die große Chance ergab, sich im Titelrennen zurückzumelden, sorgte nicht für Euphorie, sondern brachte den typischen Offenbacher Pessimismus zum Vorschein: Man werde es - wie so oft - verbocken, war vielerorts zu hören und zu lesen. So kam es dann auch - und das ausgerechnet im hessischen Nord-Süd-Duell mit Kassel. Das 0:1 im heimischen Stadion hatte eine Standpauke der Anhänger zur Folge. Die schwere Verletzung, die sich Torwart und Kapitän Stephan Flauder in der Nachspielzeit zugezogen hatte, federte das nicht ab. Wort- und gestenreich gaben die Fans dem vor der Waldemar-Klein-Tribüne stehenden Team zu verstehen, dass es seine gute Ausgangslage vollends verspielt hatte. »Ich kann die Fans verstehen«, sagte Verteidiger Jayson Breitenbach, der früher selbst im Fanblock stand.

Vom einstigen OFC-Motto »Zusamme schaffe mers« ist aktuell nichts zu spüren. Auch nicht von dem von den Fans propagierten »Ihr auf dem Rasen, wir auf den Rängen.« Ein Anhänger sagte dazu nur kurz und knapp: »Keine Leistung, kein Support«.

Gegen Kassel hielt sich die Unterstützung von den Rängen allerdings auch in Grenzen, als der OFC in den ersten 20 Minuten der Partie seine beste Phase hatte.

Spieler wirken verkrampft

Es ist derzeit ein destruktiver Mix - mit verkrampft wirkenden Spielern, die ihr Potenzial nicht abrufen können, auf der einen und abermals enttäuschten Fans, die ihr Team früh aufgegeben haben, auf der anderen Seite. Beide müssen sich vorwerfen lassen, aktuell nicht das zu zeigen, was sie können.

Auswärtsspiel beim FC Astoria Walldorf

Vielleicht trifft es sich angesichts dieser Konstellation gut, dass das nächste OFC-Spiel auswärts und vor geringer Kulisse stattfindet. Beim FC Astoria Walldorf können die Kickers am Sonntag (14 Uhr) eigentlich befreit aufspielen. Vom Aufstieg redet sowohl im Club als auch im Umfeld niemand mehr.

Die Erwartungen an die Mannschaft sind angesichts der jüngsten Auftritte sowie der großen Personalsorgen ohnehin gering. Vielleicht liegt darin die große Chance, den Bock umzustoßen, wie Ristic es formulierte. Es würde Spielern und Fans guttun und eventuell Kräfte freisetzen.

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