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Entschärfung der Abstiegssituation

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Verbandsfußballwart Thorsten Bastian erwartet am Montag die erstinstanzliche Spielausschuss-Entscheidung in Sachen Dreieicher Hessenliga-Rückzug. © pv

Fußball-Hessenliga: Positives Echo auf geplanten Einstieg von Eintracht Frankfurts U23

Region (fsr). Die Zukunftspläne von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt und der im direkten Zusammenhang stehende angekündigte Rückzug von Hessenligist SC Hessen Dreieich haben Auswirkungen auf die Abstiegssituation in der laufenden Hessenliga-Saison. Steigen die Dreieicher wie am Dienstagabend verkündet am Saisonende aus dem Hessenliga-Spielbetrieb aus, wären sie formal der erste Absteiger.

Der Verein verkündete den Rückzug für den Fall, dass der Hessische Fußball-Verband dem Antrag von Eintracht Frankfurt zustimmt und die neu zu gründete U23 des Bundesligisten für Spielzeit 2022/23 in der Hessenliga eingliedert. Satzungstechnisch ist dies möglich.

Montag Klarheit

»Die erstinstanzliche Entscheidung fällt am Montag im Verbandsspielausschuss«, erklärt Hessenliga-Klassenleiter und Verbandsfußballwart Thorsten Bastian (Rockenberg). Am Dienstagabend informierte Bastian die Hessenligisten virtuell über den vorliegenden Antrag. Zugeschaltet war auch Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche, der den Vereinsvertretern die Pläne und Beweggründe seines Vereins erläuterte.

Es ist angedacht, dass die Eintracht die Heimspiele ihrer U23 im Stadion in Dreieich austrägt. Die Spielstätte am Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald genügt den logistischen Herausforderungen dafür nicht.

Meinungsbild

Tom Balser, der Sportchef des SV Zeilsheim, wird in seiner Funktion als Hessenliga-Sprecher kurzfristig ein Meinungsbild der Vereine einholen. Als gewählter Vereinsvertreter hält Balser eine Stimme im Verbandsspielausschuss. Ungeachtet dessen gilt eine Befürwortung des Frankfurter Antrags als wahrscheinlich. Die beiden Hanauer Kreisvertreter in Hessens höchster Spielklasse würden den Einstieg der Eintracht begrüßen. Auch aus wirtschaftlicher Sicht.

Heimspiele gegen die Zweitvertretung des in der Region sehr zugkräftigen Bundesligisten versprechen stattliche Zuschauerkulissen - zumindest im Vergleich zu Partien gegen unbekanntere Gegner aus anderen Regionen Hessens. Kreso Ljubicic, der Spielertrainer des FC Hanau 93, findet die Pläne seines Ex-Vereins auch aus sportlicher Sicht klasse. Der 33-Jährige fühlt sich an seine Zeit als Eintracht-Jungprofi erinnert. »Für junge Spieler wäre das sehr gut, weil es Spielpraxis sichert. Ich habe damals immer gerne im Regionalliga-Team gespielt, wenn ich nicht im Profikader war. Spiele wie vor 15000 Zuschauern bei Darmstadt 98 haben mich damals weitergebracht«, so Ljubicic.

Aufstieg angepeilt

Dass die Hessenliga im Frankfurter Ansinnen nur die erste Station sein kann und kurzfristig der Aufstieg in die Regionalliga Südwest angestrebt wird, daran bestehen indes keine Zweifel. Wohl nur in diesem Kontext könnten andere aufstiegsambitionierte Hessenligisten Nachteile für sich selbst sehen. »Es stellt sich natürlich in solchen Fällen immer die Frage nach einer Verzerrung des Wettbewerbs. Eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten kämpft nun mal mit anderen Waffen als ein normaler Hessenligist«, sagt Frank Feuerriegel, der Vorsitzende des FC Hanau 93.

Image-Gewinn

Dennoch befürwortet auch er den Antrag. »Ich habe damals sowieso nicht verstanden, weshalb die Eintracht überhaupt ihre U23 vom Spielbetrieb abgemeldet hat«, ergänzt Feuerriegel. Generell sehen die Verantwortlichen aus Hanau und Erlensee für den Fall des Einstiegs einen Image-Gewinn für die gesamte Liga. »Wir sehen das positiv, für uns wäre es eine tolle Erfahrung, gegen die zweite Mannschaft der Eintracht zu spielen«, verkündet Chris Sickmann. Die Meinung des Sportchefs des 1. FC Erlensee überrascht nicht, schließlich kooperiert sein Verein im Jugendbereich mit dem sportlichen Aushängeschild der Rhein-Main-Region.

Geht der Antrag der Eintracht durch, so käme die Eintracht nach den Statuten des HFV als 19. Team der kommenden Hessenliga-Saison dazu. Weiterer »Zuwachs« könnte freilich auch durch Absteiger aus der Regionalliga Südwest drohen. Hier sind Vereine wie der FC Gießen oder der FSV Frankfurt abstiegsbedroht und damit potentielle künftige Hessenligisten.

Erneute Teilung?

Sollten wieder 20 oder mehr Teams in der neuen Hessenliga-Saison am Start sein, könnten erneut eine Ligateilung und eine verschärfte Abstiegssituation zum Tragen kommen. »In welchem Modus wir kommende Saison spielen, werden wir mit den Vereinen besprechen, sobald die genaue Zahl an Mannschaften feststehen wird. Für den Moment sehe ich das entspannt«, sagt Thorsten Bastian.

Wetterauer-Duo

Die weitere Entwicklung in den Fällen Eintracht Frankfurt und Hessen Dreieich bleibt für die zwölf an der aktuellen Abstiegsrunde teilnehmenden Mannschaften, zu denen auch die Wetterauer Klubs TG Friedberg und FV Bad Vilbel gehören, von größtem Interesse.

Was vor Wochen nicht absehbar war, ist nun die Tatsache, dass auch Platz sieben in der Abstiegsrunde den Klassenerhalt versprechen könnte. Angefangen von Tabellenführer Bayern Alzenau (20 Punkte) dürfte das vor allem bei den weiter hinten platzierten Teams für Erleichterung sorgen. Obwohl Hanau 93 in der Gruppe A beispielsweise einen Punkt mehr als Alzenau einsammelte, nimmt der HFC aus den direkten Duellen gegen die Mit-Qualifizierten nur zehn Punkte mit.

»Klar verbessert es unsere Lage, wenn nur fünf Vereine absteigen, doch den Klassenerhalt haben wir dadurch noch lange nicht erreicht. Wir müssen weiterhin vier Punkte aufholen, was bei nur zwölf Spieltagen schon ein Brett ist«, rechnet HFC-Spielertrainer Ljubicic vor. Immerhin: Bei der geplanten Aufholjagd müssten die von Rang zehn startenden Hanauer aber nur noch zwei statt drei Mitkonkurrenten überholen.

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