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Eine Torjägerin für alle Fälle

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Der Ball ist ihr Freund: Torjägerin Annika Reutzel von der FSG Obere Nidder. © pv

Annika Reutzel führt die Fußball-Torschützenliste der Kreisliga A Frankfurt an und erzielt acht der 13 FSG-Saisontreffer. Zudem geht sie neuerdings auch für ein Männer-Team auf Torejagd..

Annika Reutzel geht seit ihrem sechsten Lebensjahr auf Torejagd. »Im Sturm machte es mir schon als Kind viel Spaß«, berichtet die Weningserin von ihren Anfängen im Heimatort zusammen mit den Jungs des VfR. Über das Oberhessen-Mädchenteam kam sie schließlich zu den Fußball-Frauen der FSG Obere Nidder und des SV Phönix Düdelsheim, wo sie in der Gruppenliga spielte und sogar etwas Hessenliga-Luft schnuppern durfte.

In dieser Saison wollte Reutzel eigentlich wieder das Phönix-Trikot überstreifen. Es kam aber anders. Weil es ihr in Düdelsheim nicht so gut gefiel, »wechselte ich kurzerhand wieder zurück zur FSG«.

Unverzichtbar für FSG Obere Nidder

Ganz zur Freude von Trainer Dennis Werner. »Annika ist alleine durch ihre Tore irgendwo unverzichtbar«, schwärmt er. Auf dem Spielfeld besticht sie dank ihrer Zweikampfstärke, Präsenz und Torgefahr. »Wobei sie mit etwas mehr Coolness noch ein paar Treffer mehr auf ihrem Konto haben könnte«, betont ihr Coach.

Acht sind es nach vier Partien. Und damit 61,5 Prozent der 13 FSG-Saisontreffer. Nicht nur deshalb hofft Werner, »dass Annika uns noch etwas erhalten bleiben wird«. Im Vergleich zur letzten Runde sei sie persönlich gereift, versuche als Führungsspielerin voranzugehen und andere mitzuziehen. Der 26-Jährige spricht von einem insgesamt guten Verhältnis zu seiner Torjägerin, »weil wir uns abstimmen und Annika mir auch Anreize für meine Arbeit gibt«.

Der FSG-Trainer baut aktuell ein junges Team mit Entwicklungspotenzial rund um Reutzel auf. »Deshalb freue ich mich über jede weitere Saison zusammen mit ihr. Auch wenn sie auf jeden Fall zwei Ligen höher spielen könnte.« Reutzel würde es ebenfalls gerne wieder höherklassig probieren. »Es wäre natürlich super, wenn ich das mit meiner Mannschaft schaffen würde. Ich fühle mich bei der FSG Obere Nidder wohl, hier passt alles zusammen.«

Ziel: Noch einmal höherklassig spielen

Aktuell belegt ihr Team mit zwei Siegen und zwei Niederlagen Rang sechs in der Kreisliga A Frankfurt Gruppe 2. Das Tabellenbild ist verzerrt, weil Spitzenreiter 1. FC Hochstadt schon sieben Partien ausgetragen hat. Gut für die FSG: In dieser Liga gibt es keine Übermannschaft, alle Klubs haben mindestens zwei Niederlagen auf ihrem Konto.

Das stimmt Reutzel optimistisch, »dass wir in der Tabelle noch einige Plätze gutmachen können«. Die Voraussetzung: »Wir müssen mit guten Trainingseinheiten bis zum Rückrundenauftakt im März das Zusammenspiel verbessern«, sagt die Einzelhandelskauffrau. Ob es dann noch für den Aufstieg in die Kreisoberliga reichen könnte? Das weiß sie nicht. Dafür weiß Reutzel, »dass ich auf jeden Fall noch einmal in einer anderen Spielklasse angreifen will. Am liebsten in der Hessenliga.«

Auf persönliche Rekorde legt die 23-Jährige übrigens keinen Wert. »Ich schreibe nicht mit, wie oft ich pro Saison treffe. Deshalb kann ich auch nicht genau sagen, was mein Bestwert ist. In der Jugend waren es - glaube ich - einmal 50, bei den Frauen ungefähr 23 Treffer.«

Debüt und ein Tor bei den Männern

Ein Tor hat Reutzel auch schon für die Männer der Spvgg. Hartmannshain/Herchenhain/Burkhards II geschossen. Das war im Oktober, beim 3:5 gegen den BV Rinderbügen II. Weil die zweite Hartmannshainer Mannschaft Personalprobleme hatte, kam Werner auf die Idee, einige seiner Mädels ins Team »einzubauen«. Und das ist erlaubt, weil die Männer nicht in Konkurrenz sondern nur eine Art Freundschaftsspielrunde der B-Liga-B-Teams ohne Auf- und Abstieg spielen. Vanessa Rost, Annika Reutzel Anna Lena Hartmann und Stella Knöß gehörten schließlich zu den Auserwählten.

Als Reutzel gefragt wurde, war sie schon etwas verwundert. »Da wir uns mit den Männern gut verstehen, dachte ich aber: Warum nicht?«

Weil die Frauen der FSG Obere Nidder in Burkhards und Herchenhain heimisch sind, trainieren sie sogar ab und an zusammen mit den Männern. »Wir hielten auch schon ein gemeinsames Trainingslager in Bad Kissingen ab«, verrät Reutzel. Deshalb kann sich die Stürmerin durchaus vorstellen, in der Rückrunde ihren zweiten, dritten oder gar vierten Einsatz für die B-Liga-Reserve der Spvgg. zu absolvieren. »Es macht viel Spaß, auch wenn die Männer technisch überlegen sind und uns Frauen schön laufen lassen.«

Gute körperliche Voraussetzungen

Ihr erster und bislang einziger Einsatz habe trotzdem viel Spaß gemacht. »Wer sich als Frau gegen die stärkeren Männer körperlich einigermaßen behaupten kann, sollte es einmal probieren.« Und das kann die 1,75 Meter große Stürmerin. »Bei Annika hatte ich durch ihre Bulligkeit, Zweikampfstärke und Aggressivität keine Bedenken«, gesteht Werner.

Etwas skeptischer äußert sich Reutzel zu gemischten Teams in Ligen mit Auf- und Abstieg. »In unserem Fall war der BV Rinderbügen informiert. Zudem ist es nur eine Reserverunde. Wenn es um Titel geht, könnte es vielleicht etwas anders aussehen. Es käme trotzdem auf einen Versuch an.«

Weber sieht’s ähnlich: »Wenn Not am Mann ist und wir es im Vorfeld mit dem jeweiligen Gegner abklären, werden wir sicherlich in der Rückrunde wieder auf Annika und Co. zurückgreifen. Es gibt aber auch Duelle mit Teams, bei denen es richtig zur Sache geht. Das wollen wir den Mädels nicht antun. Vergleichbar hitzig und vielleicht auch rücksichtslos könnte es zugehen, wenn Frauen zusammen mit Männern in Ligen mit Auf- und Abstieg spielen würden.«

Deshalb wird Reutzel, auch weil es die Regularien in Deutschland aktuell nicht anders erlauben, vorerst nur für die Frauen der FSG und das Männer-Reserveteam der Spvgg. Hartmannshain/Herchenhain/Burkhards auf Torejagd gehen. Torben Frieborg

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