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Eine Bogenlampe ins Glück

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Mit einem Geniestreich beschert Kirsten Schindler (am Ball) der HSG Gedern/Nidda per direktem Freiwurf nach der Schlusssirene noch den glücklichen 25:24-Sieg bei der HSG Wittlich. © Achim Senzel

Wittlich/Nidda (flo). Eigentlich hatten die Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda diesen einen Zähler schon verbucht. Dann aber wurden aus einem doch noch zwei Punkte. Auf den wahrlich allerletzten Drücker setzten sich die Wetterauerinnen bei der HSG Wittlich mit 25:24 (9:13) durch. Durch nun zwei Siege am Stück nistet sich die Breiler-Truppe in der oberen Tabellenhälfte ein.

Die Uhr war schon abgelaufen, die Schlusssirene bereits ertönt. »Ich hatte auf der Bank schon abgeklatscht und gesagt, dass wir diesen Punkt so mitnehmen«, grinste Trainer Christian Breiler. Dass der ausstehende direkte Freiwurf noch etwas einbringen würde, damit hatte der 45-Jährige nicht gerechnet. Doch Kirsten Schindler hatte eine Idee. Notgedrungen. »Ich habe mich umgeschaut, und weil Rica (Wäscher) und Bine (Sabine Kaiser) nicht mehr auf dem Feld waren, war mir klar, dass jetzt ich werfen muss«, lachte die Allrounderin, die in Wittlich auf gleich drei verschiedenen Positionen eingesetzt wurde.

Ein strammer Wurf durch eine sich möglicherweise ergebende Lücke im Abwehrblock war keine Option, »das hatte mir letzte Saison in Ibbenbüren eine Rote Karte wegen eines Gesichtstreffers eingebracht«, so Schindler. »Ich habe mir kurz gedacht: Genie oder Wahnsinn. Dann habe ich es mit Gefühl versucht und einen Heber geworfen.« Das Harzleder also flog aus halblinker Position weit über den Block hinweg, wurde in den Sinkflug übergehend lang und länger - und landete hinter der zuvor so guten, nun aber völlig verdutzten Torhüterin Barbora Zigraoiva tatsächlich zum 25:24-Auswärtssieg im Netz. Eine Bogenlampe ins Glück

»So ein Ball«, konnte es auch Breiler kaum fassen, »geht wahrscheinlich einmal im Leben rein.«

Ein Sieg, der half, einen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt weiter zu distanzieren. Ein Sieg, der aber - trotz der diffizilen Lage des Gegners - in Anbetracht der eigenen personellen Missstände nicht selbstverständlich war. Gerade einmal neun Feldspielerinnen waren in Rheinland-Pfalz noch an Bord, Spielmacherin Eva Schneider musste krankheitsbedingt passen.

Und dann lief die HSG Gedern/Nidda im ersten Abschnitt auch noch der Musik hinterher. Vorne warfen die Hessinnen von beiden Außenpositionen reihenweise Fahrkarten, »da haben wir acht freie Bälle verworfen«, haderte Breiler. Hinten bekamen sie den umtriebigen Wittlicher Rückraum nicht in den Griff. Was in Summe dazu führte, dass der Rückstand bis zur Pause von 8:9 (18.) auf 9:13 anwuchs.

Breilers Risiko zahlt sich aus

Obwohl die HSG Gedern/Nidda in Hälfte zwei insgesamt fünf Zeitstrafen kassierte und immer wieder in Unterzahl agieren musste, brachte sie nun eine bessere Performance aufs Parkett. Defensiv avancierte die schon vor der Pause eingewechselte Torhüterin Yvonne Petek zum Rückhalt, vor ihr packte auch die 6:0-Abwehr beherzter zu. Und: Das Risiko, in Unterzahl mit einer sechsten Feldspielerin anzugreifen, zahlte sich in der Endabrechnung trotz zweier Gegentreffer ins leere Tor aus.

Auf diese Weise läutete die Breiler-Truppe den Endspurt ein. Nach der dritten Zeitstrafe und der damit verbundenen Disqualifikation gegen Rica Wäscher verkürzte die HSG in zweifacher Unterzahl auf 19:20 (49.), ehe Flügelflitzerin Alicia Pfaff zum 20:20 (51.) ausglich. Gedern/Nidda drehte die Partie, Rechtsaußen Yeruti Krauß besorgte die 24:22-Führung (56.). Weil aber dann der Offensivmotor stotterte, konterte Wittlich. 38 Sekunden vor Ende traf Annika Bach per Siebenmeter zum 24:24. Die Halle tobte. Und wurde kurz darauf von Schindlers Geniestreich zum Verstummen gebracht.

»Ein Unentschieden wäre das gerechte Ergebnis gewesen. Aber so ist der Sport manchmal«, resümierte Breiler. »Trotz des Rückstands und trotz der ersten Halbzeit ist uns das Spiel nicht weggegangen. Das zeichnet uns in dieser Saison aus«, lobte der HSG-Trainer, dessen Mannschaft am nächsten Sonntag beim TSV Bönnigheim das Hinrundenfinale bestreitet.

HSG Wittlich: Marx, Zigraiova; Rogowski, Eiden, Keil, Ambros (4), Müller, Meier (6/1), S. Teusch (1), Souza (2), Bach (4/3), Packmohr (4), Kappes, Frank (3), L. Teusch, Lerche.

HSG Gedern/Nidda: Petek (ab 18.), Heß; Schüler (2), Pfaff (2), Hutin (2), Kaiser (3), Wäscher (6), Niebergall, Schindler (7/1), Krauß (2), Droll (1).

Schiedsrichter: Ernst/Henkel (Idstein/Frankfurt) - Zuschauer: 250 - Zeitstrafen: 0:12 Minuten (keine - Pfaff, Kaiser/2, Wäscher/3). - Rote Karte: Wäscher (48., dritte Zeitstrafe) - Siebenmeter: 4/4: 1/1 - Spielfilm: 6:5 (10.), 10:8 (18.), 13:9 (30.), 19:16 (40.), 20:20 (51.), 22:24 (56.), 24:25 (60.).

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