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Eindrucksvoller Auftritt

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Setzt sich kraftvoll durch: Yeruti Krauß. © Ralph Lehmberg

HSG Gedern/Nidda bezwingt den Tabellenzweiten aus Eddersheim.

Nidda Das war eindrucksvoll - auf allen Ebenen. Die Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda haben im Abstiegskampf ein gewaltiges Lebenszeichen gesendet. Gegen den Tabellenzweiten TSG Eddersheim setzten sich die Wetterauerinnen in einem packenden Hessenduell mit 28:26 (14:14) durch.

3. Liga Frauen: HSG Gedern/Nidda - TSG Eddersheim 28:26 (14:14) . Die Schlusssirene war gerade ertönt, die Mannschaft feierte bereits im Jubelkreis, da humpelte auch die erst vor wenigen Wochen am lädierten Kreuzband operierte Hanna Rösner auf Krücken aufs Parkett. Die so schmerzlich vermisste Abwehrchefin schüttelte ungläubig den Kopf, ihre Rührung über das Gesehene konnte sie nicht verbergen. Kein Wunder: Das, was die Spielgemeinschaft ablieferte, glich angesichts der vorherigen Vorstellungen einer Auferstehung. Es war eine Metamorphose vom Allerfeinsten, eine 180-Grad-Wende.

HSG-Mädels haben Spaß am Spiel

Woher die Mannschaft diese Leistung genommen habe? Eine Frage, die auch Christian Breiler nicht so recht zu beantworten vermochte. »Ich habe den Mädels gesagt, sie sollen rausgehen und Spaß am Handball haben. Das hat dieses Mal funktioniert«, freute sich der HSG-Trainer. Selbstsicherheit statt Angsthasen-Handball, Wurfgewalt aus dem Rückraum statt mutloses Umherschieben von Verantwortung, Energie statt Lethargie - die HSG Gedern/Nidda war gegenüber ihrer Februar-Version schlichtweg nicht wiederzuerkennen. »Das war durch die Bank weg ein toller, leidenschaftlicher und enthusiastischer Auftritt«, lobte Breiler.

Sehr wahrscheinlich ist, dass diese Darbietung auch mit der Stimmung in der erstmals in diesem Kalenderjahr wieder gut gefüllten Gymnasiumhalle zusammenhing. »Gedern/Nidda ist ja nicht schlecht, aber ich glaube, sie brauchen einfach das Publikum. Das gibt ihnen den nötigen Punch. Und dieses Mal war eben die Hütte voll und die Zuschauer waren voll da«, sagte Eddersheim Trainer Tobias Fischer. Keine Frage: Die Symbiose zwischen Halle und Mannschaft passte. Wenn man so will, war es die Rückkehr des zwischenzeitlich verschüttgegangen und sehnsüchtig vermissten Hexenkessels. »Kirsten Schindler hat nach dem Spiel in der Kabine zu unseren Neuen gesagt, dass so normal unsere Heimspiele sind. Das war endlich mal wieder ein richtiges Heimspiel, die Zuschauer sind für uns ein ganz wichtiger Faktor«, bestätigte Breiler.

Dessen Mannschaft von Sekunde eins an brannte: Schon die erste Verteidigungssequenz - die HSG wehrte zwei Kreisanspiele ab, brachte den Gegner ins Zeitspiel und die starke Torhüterin Sandra Elisath (14 Paraden) entschärfte einen Freiwurf - gab die Marschroute für dieses Duell vor. Gedern/Nidda spielte sich förmlich in einen Rausch, Mittelfrau Hannah Niebergall wackelte sich via schnelle Mitte zum 8:4 (11.) durch. Dass das Top-Team aus Eddersheim zurückschlug, ließ die Breiler-Truppe nicht aus dem Tritt geraten. Zur Pause leuchtete so ein 14:14-Zwischenstand auf der Anzeigetafel. An diesem offenen Schlagabtausch auf Augenhöhe änderte sich bis in die Schlussphase hinein nichts. In dieser gab es gleich mehrere Momente, in denen die HSG einbrechen hätte können: Eine unnötige Zeitstrafe, ein Einwurf in die Hände des Gegners, ein weggespielter Gegenstoßpass. Aber die Widerstandskraft des Gastgebers war zumindest an diesem Tag nicht zu brechen. »Wir haben uns trotz Fehlern weiterhin Dinge getraut«, formulierte Breiler. Symptomatisch für den unbändigen Willen seiner Truppe: Nach einem geblockten Eddersheimer Rückraumwurf behauptete die im Angriff mit acht Toren wiedererstarkte Rückraumspielerin Kirsten Schindler das Harzleder im Bodenkampf mit aller Macht. Den Lohn dafür fuhr auf der Gegenseite Kristin Amos mit dem Rückraum-27:26 (59.) ein. Als Gedern/Nidda die Gäste dann ins Zeitspiel brachte, die eingewechselte Torfrau Anne Heß (sechs Paraden) den Freiwurf abwehrte und sich Amos mit der Schlusssirene zum 28:26-Endstand durchtankte, war die große Überraschung perfekt.

Weiterhin auf Tabellenplatz sechs

Die Wetterauerinnen sind damit weiterhin Tabellensechster mit jeweils drei Punkten Vorsprung auf Mainz 05 II sowie den 1. FC Köln, die aber beide zwei Partien weniger absolviert haben. Am nächsten Samstag muss die HSG nach Mainz, eine Woche später empfängt sie Köln. »Erfolgserlebnisse wie das gegen Eddersheim helfen, daran zu glauben, dass wir es schaffen können«, befand Breiler. Und hofft, dass seine Mannschaft diesen Aufwind auch in die nächsten richtungsweisenden Duelle mitnehmen kann.

HSG Gedern/Nidda: Petek (bei zwei Siebenmetern), Elisath, Heß (ab 38.); Patz (n.e.), H. Niebergall (6), Engel (2), Pfaff (1), Hutin (1), Wäscher (2), Amos (2), E. Niebergall, Schindler (8/1), Krauß (1), Nau (2), Schäfer (3). TSG Eddersheim: Priester, Kirchner (ab 31.); Hilbig (3), Özer (3/2), Brocke (2), Flebbe, Gempp (1), Müller (6/5), Rhein, König (2), Krämer (1), Feick, Wimmer (5), Schweikart (3). Schiedsrichter: Siebert/Welke (Bergneustadt/Radevormwald) - Zuschauer: 230 - Zeitstrafen: 6:2 Minuten (Engel (2), Pfaff/Müller) - Siebenmeter: 1/1:8/7 - Spielfilm: 8:5 (10.), 11:12 (20.), 14:14 (30.), 19:20 (40.), 23:24 (49.), 26:26 (57.), 28:26 (60.). Florian Deis

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Grenzenloser Jubel nach dem Schlusspfiff bei Anne Heß, Hannah Niebergall, Yvonne Petek (vorne von links), ihren Mitspielerinnen und den HSG-Fans in der Halle. © Ralph Lehmberg

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