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Ein wahres Herzschlagfinale

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Stark gekämpft: Emely Nau schließt für Gedern/Nidda ab. Die überragende Hannah Niebergall (2. von links) und Klara Engel (rechts) schauen zu. © Red

HSG Gedern/Nidda feiert dank Hannah Niebergall Auswärtssieg. bei der HSG Kleenheim-Langgöns.

Oberkleen/Nidda (flo). Die Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda erhalten die Chance, doch noch den direkten Klassenerhalt zu realisieren, aufrecht. Bei der HSG Kleenheim-Langgöns erarbeitete sich die Mannschaft von Trainer Christian Breiler einen eminent wichtigen Auswärtssieg. Schlussendlich behielten die Wetterauerinnen mit 21:20 (9:11) die Oberhand.

3. Liga: HSG Kleenheim-Langgöns - HSG Gedern/Nidda 20:21 (11:9). Als die Rückraumrechte Kirsten Schindler 50 Sekunden vor Spielende in Überzahl in die Tiefe der gegnerischen Deckung durchbrach und auf 19:21 stellte, war es dann vollbracht. Der Auswärtssieg war eingetütet - mit Ach und Krach. Um wie viele Jahre ihn diese Endphase altern lassen habe?

Da musste auch Christian Breiler grinsen. Und gestehen: »Da wird man schon verrückt.« Kein Wunder, schließlich hatte ihm seine Mannschaft in diesem Nachbarschaftsduell ein wahres Herzschlagfinale zugemutet. Dergestalt, dass sie bis zu Schindlers erlösendem Tor sage und schreibe fast 16 Minuten keinen Treffer zustande gebracht und deshalb beinahe einen Vier-Tore-Vorsprung verspielt hatte. »Es war Abstiegskampf, das hat man bei beiden Mannschaften gesehen. Es waren viele Fehler im Spiel drin«, befand HSG-Trainer Breiler. In der Tat: Die Begegnung war weit mehr Kampf und Krampf als Handball-Kunst. Sie war zerfahren, zumeist geprägt von mühseligem Stückwerk. Die Gäste, bei denen neben Außen Alicia Pfaff (Fingerbruch) krankheitsbedingt auch Innenblockerin Leonie Hutin fehlte, machten sich das Leben dabei selbst schwer. 27 Fehlwürfe bei 48 Versuchen, dazu 18 Ballverluste - das sind wahrlich keine Erfolgsgaranten. »Das ist zu viel«, sagte auch Breiler. Allein 17 Möglichkeiten vergab sein Team im ersten Durchgang - und lag deshalb zur Pause mit 9:11 zurück.

Doch dann starteten die Ballwerferinnen aus Gedern und Nidda wie verwandelt in den zweiten Abschnitt. Es war fürwahr ein Quantensprung. Der eng mit einem Namen verbunden war: Hannah Niebergall. Die Mittelfrau, die kürzlich noch fast zwei Wochen lang krankheitsbedingt aussetzen und deshalb im Laufe der ersten Hälfte erschöpft ausgewechselt werden musste, lief zur Hochform auf. Die ersten drei Treffer ihres Team erzielte die 23-Jährige selbst, an den nächsten fünf war sie als unmittelbare Vorlagengeberin maßgeblich beteiligt.

»Sie ist einfach der Kopf unserer Mannschaft. Ihre Leistung vorne war gut, aber in der Deckung war das genauso gut. Und das war eigentlich entscheidend«, lobte Breiler seine Kapitänin. Die etwa Kreisläuferin Klara Engel mustergültig bediente, die daraufhin zur 17:14-Führung einwarf, ehe Rechtsaußen Emely Nau per Tempogegenstoß sogar auf 18:14 (39.) erhöhte. Fast schon Symbolcharakter hatte derweil, dass ausgerechnet Kristin Amos - die Rückraumspielerin hat in diesem Kalenderjahr aufgrund eines Bänderrisses noch keine Trainingseinheit absolviert, stand aber wegen der personellen Nöte trotzdem auf der Platte - mit zwei Toren dazu beitrug, dass der Vorsprung beim 20:16 (44.) weiter Bestand hatte.

»Da«, sagte Breiler hernach, »hatten wir das Spiel eigentlich im Griff.« Und dann? Dann geriet die offensive Performance der HSG aus den Fugen. Dass Kleenheim-Langgöns auf eine 5+1-Abwehr umstellte und Niebergall an die kurze Leine legte, brachte das Spiel der Gäste aus dem Takt, urplötzlich häuften sich die Ballverluste wieder. Trotzdem: Gedern/Nidda hielt sich über Wasser. Weil Torhüterin Sandra Elisath (18 Paraden) bärenstark hielt, weil die eingewechselte Schlussfrau Yvonne Petek in der Endphase gleich zwei Siebenmeter entschärfte, weil die Deckung Ballgewinne akquirierte. Und so bewahrte die Breiler-Truppe ihre Führung - irgendwie. Bis Schindler alle Zweifel beseitigte.

»Das nötige Quäntchen Glück haben wir uns dieses Mal erkämpft. Der Sieg gibt uns Auftrieb für die nächsten Aufgaben«, konstatierte Breiler. Insbesondere das kommende Auswärtsspiel ist nicht minder bedeutsam: Bei der HSG Rodgau Nieder-Roden wartet am nächsten Samstag (17 Uhr) ein neuerliches Kräftemessen mit einem direkten Konkurrenten.

HSG Kleenheim-Langgöns: Hahn (1. - 60.); Bork, Buhlmann; Eggers, Lotz (1), Bachenheimer (2), Rüspeler (4), Kleinpell, Suchantke, vom Hagen (5), Kiethe (3/1), Klug (1), Schäfer, Weber (4).

HSG Gedern/Nidda: Petek (bei zwei Siebenmetern), Elisath (1. - 60.), Heß (n.e.); Patz, Schüler (1), H. Niebergall (4), Engel (2), Wäscher (1), Amos (3/1), E. Niebergall, Schindler (4), Krauß (n.e.), Nau (6), Schäfer.

Schiedsrichter: Steinebach/Schürhoff (Olpe/Siegen) - Zuschauer: 180 - Zeitstrafen: 14:4 Minuten (Eggers, Bachenheimer (3), Kiethe, Weber (2)/Schüler, Nau) - Rot: Bachenheimer (60., dritte Zeitstrafe) - Siebenmeter: 3/1:4/1 - Spielfilm: 3:4 (11.), 7:7 (20.), 11:9 (30.), 12:14 (36.), 15:19 (42.), 18:20 (50.), 20:21 (60.).

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