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»Ein Tag zum Vergessen«

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Emely Nau setzt sich in dieser Szene durch, die HSG Gedern/Nidda verliert trotzdem. © Ralph Lehmberg

HSG Gedern/Nidda verliert Vier-Punkte-Duell gegen 1. FC Köln.

Konradsdorf. Klara Engel vergrub das Gesicht im Trikot, Kirsten Schindler saß in der Mitte des Spielfelds und blickte ins Nichts: Der Schock über diesen Auftritt saß tief. Das Vier-Punkte-Duell im Abstiegskampf setzten die Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda beim ersten Spiel in der Sporthalle Konradsdorf vollends in den Sand. Gegen den 1. FC Köln kassierten die Wetterauerinnen eine 24:32 (11:16)-Pleite.

HSG Gedern/Nidda - 1. FC Köln 24:32 (11:16). Es war eine Szene, die als Sinnbild für die ganze Performance der Spielgemeinschaft an diesem Abend taugte. Jene nämlich, als Rückraumspielerin Rica Wäscher beim Wurfversuch aus der zweiten Reihe nicht etwa am Kölner Abwehrblock scheiterte, sondern das Harzleder am Gesicht der sich wegduckenden Kreisläuferin Nadin Patz abprallte. »Das war einfach ein Tag zum Vergessen«, wusste Trainer Christian Breiler, dessen Truppe zwar mit einem Punkt Vorsprung Rangsechster bleibt, aber auch mehr Partien als die Verfolger absolviert hat. »Ich muss die Mannschaft ein Stück weit in Schutz nehmen. Auf die Mädels ist in den letzten Wochen viel eingeprasselt, wir hatten keinen Rhythmus und weniger Training. Das hat die Mannschaft mental nicht verkraftet. Es ist uns nicht gelungen, die Umstände auszublenden.«

Zwischen Genie und Wahnsinn

Keine Frage: Unberechenbarkeit kann ein Qualitätsmerkmal sein. Muss es aber nicht. Die HSG-Handballerinnen schwanken in dieser Saison jedenfalls zwischen Genie und Wahnsinn. Gegen Köln dominierte mal wieder der letztere Superlativ. Und zwar an allen Ecken und Enden. Die Deckung war über weite Strecken dieser Begegnung völlig indisponiert, so dass etwa Kölns Kreisläuferin Lara Bönners (sechs Tore) alle Freiheiten hatte und Abpraller in aller Regelmäßigkeit bei den Domstädterinnen landeten.

Die Angriffsreihe hatte indes weder gegen die 5:1- noch gegen die 6:0-Abwehr des FC erfolgsversprechende Lösungsansätze. All das, was vor zwei Wochen beim Heimsieg gegen die TSG Eddersheim noch funktioniert hatte, war verschüttgegangen: Kein Tempo, keine Ideen, keine Spielfreude. Was dazu führte, dass die HSG ihr Heil mangels Durchschlagskraft in die Tiefe gezwungenermaßen vielfach aus dem Rückraum suchte. Doch die Halben trafen dieses Mal nur niedrigprozentig: Schindler und Wäscher je zwei von sechs Versuchen, Charlotte Schäfer einen von fünf, Emma Niebergall null von drei, Kristin Amos null von einem. Insgesamt häuften sich 27 Fehlwürfe an, die Trefferquote lag also bei gerade einmal 47 Prozent. Dazu kamen 14 technische Fehler. So lässt sich freilich kein Drittligaspiel gewinnen.

Weil auch Köln einige Anlaufzeit benötigte und erst durch die Treffer der wurfstarken Rückraumhalben Marie Weismantel (acht Tore) in Tritt kam, blieb die Partie bis zum 10:11 (24.) ausgeglichen. Die Kumulierung sämtlicher Problembereiche führte danach aber zu einem gut zwölfminütigen Totalausfall. Der Betriebsmotor stotterte nicht, nein, er war vielmehr vollauf stillgelegt. Bis zur Pause geriet die Breiler-Sieben mit 11:16 ins Hintertreffen, in der 36. Minute leuchtete bereits ein 12:21-Rückstand auf der notdürftig auf der Tribüne aufgestellten Anzeigetafel. Dieser 2:10-Lauf war selbstredend nicht mehr zu kompensieren. Mit offensiven Deckungsvarianten stifteten die Ballwerferinnen aus Gedern und Nidda zwar nochmal etwas Unruhe, arbeiteten sich dank einiger Ballgewinne und mit dem Mut der Verzweiflung nochmal auf 21:25 (54.) heran. Für eine Aufholjagd war es bereits zu spät.

Diese 24:32-Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten legt eine Frage nahe: Wird der Verlust der Heimspielstätte die HSG den direkten Klassenerhalt kosten? »Das war eine Leistung wie bei einem Auswärtsspiel«, fand Breiler. Das verheißt bei sieben Pleiten in neun Auswärtspartien nichts Gutes. »Wir müssen uns einfach daran gewöhnen, auf unbestimmte Zeit in Konradsdorf zu spielen. Wir haben gegen Köln ein Brett kassiert. Jetzt müssen wir uns wieder aufraffen.« Abschreiben sollte man die HSG Gedern/Nidda jedenfalls nicht. Sie ist und bleibt in dieser Saison eine Wundertüte - ins positive wie ins negative Extrem.

HSG Gedern/Nidda: Petek (ab 31.), Elisath (n.e.), Heß; Patz, H. Niebergall (4), Engel (3), Pfaff, Hutin (1), Wäscher (2), Amos, E. Niebergall, Schindler (8/4), Krauß (1), Nau (4), Schäfer (1). 1. FC Köln: Aurich, Kochs; Kottmann (3), Engel (1), Weismantel (8), Killmer (3), Flohr, Lammers, Juhnke (3/3), Lüdge, Funken (3), Bönners (6), Slomka, Malich, Demmerath (3), Schut (2). Schiedsrichter: Ekk/Walter (Trebur/Gießen) - Zuschauer: 120 - Zeitstrafen: 8:8 Minuten (Patz, Engel, Schindler, Schäfer - Demmerath/2, Schut/2) - Siebenmeter: 4/4:4/3 - Spielfilm: 2:3 (10.), 7:9 (20.), 10:11 (24.), 11:16 (30.), 12:21 (36.), 14:23 (40.), 18:25 (50.), 24:32 (60.).

Florian Deis

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HSG-Torfrau Yvonne Petek im Duell mit Sina Juhnke vom 1. FC Köln. © Ralph Lehmberg

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