Ein Schlitzohr und mehrere Pokalhelden

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KEFENROD - Markus Sinner ist seit 26 Jahren (fast) pausenlos im Trainergeschäft tätig. Die meiste Zeit davon als spielender Fußball-Coach. "Dementsprechend habe ich viel erlebt und hätte ohne Probleme drei oder vier Traumelf-Formationen zusammenstellen können" , betont der 51-Jährige, der sich "hiermit bei allen entschuldigt, die ich hier vergessen habe".

In Sinners Startelf stehen ausnahmslos Akteure, mit denen er eine gemeinsame Vergangenheit hat. "Diese Jungs könnte ich so zusammen aufs Spielfeld schicken, weil es menschlich und fußballerisch passen würde", sagt der aktuelle Trainer des Büdinger Kreisoberligisten SG Hettersroth/Burgbracht. Als Joker nominierte der in Kefenrod lebende Bankkaufmann - mit Ausnahme von Steffen Pretsch - Akteure der älteren Generation, "gegen die ich als junger Kerl spielen musste". Alle seien ihm als super Fußballer und schwere Gegner in Erinnerung geblieben.

Sinner feierte in den vergangenen Jahren etliche Erfolge. Unter anderem stieg er mit dem SV Rohrbach, seinem Heimatverein TV Kefenrod, der SG Aulendiebach/Wolf und der SG Hettersroth/Burgbracht auf. Höher als Kreisoberliga trainierte und spielte er allerdings nie.

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm drei Partien. Zwei davon führten zu Pokaltriumphen. "1999 gewannen wir das Kreispokalfinale mit der SG Bindsachsen, schlugen damals den SV Phönix Düdelsheim mit 13:12 nach Elfmeterschießen. Und 2004 besiegten wir mit dem TV Kefenrod den klassenhöheren SC Viktoria Nidda 1:0 im Finale." In Spiel Nummer drei ging es mit der SG Aulendiebachh/Wolf um den Klassenerhalt in der Kreisoberliga. "Wir trafen am letzten Spieltag der Saison 2008/09 auf den bislang ungeschlagenen Club Gencler Birligi Nidda und mussten punkten. Irgendwie lief an diesem Tag alles für uns. Nidda vergab die besten Chancen - und wir machten durch ein Tor von Michi Adomeit zum 1:0-Sieg den Klassenerhalt perfekt."

Wegen solcher Momente hat sich Sinner bislang kaum eine Trainer-Auszeit gegönnt. "Ich spiele gerne Fußball und bin gerne mit jungen Leuten zusammen. Das treibt mich an." Er sagt aber auch: "Wenn es irgendwann vorbei ist, ist es vorbei." Zumal ihm die Corona-Zeit überhaupt nicht schmeckte, "weil ich kein Online-Trainer bin". Deshalb war er im Sommer auch vereinslos - bis die trainerlose SG Hettersroth/Burgbracht einen Hilferuf sendete. Sinner erklärte seine Bereitschaft, interimsweise einzuspringen. Seine Zusage gilt bis zur Winterpause. "Dann sehen wir weiter."

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So charakterisiert Markus Sinner die nominierten Spieler seiner Traumelf (damalige Vereine in Klammern):

Tor

Markus Lohrey (TV Kefenrod): Ob Markus Lohrey, Markus Paczarkowski oder Markus Roscher, diese Keeper sind alles gute Freunde von mir. Jeder von ihnen weiß, wer der beste Markus im Tor aus Kefenrod war. Ich entscheide mich an dieser Stelle für Markus Lohrey, weil wir uns schon seit der Schulzeit kennen und bei einigen Vereinen zusammen in einem Team standen.

Abwehr

Achim Jäger (TV Kefenrod): Vom Stürmer zum Verteidiger "umfunktioniert". Er weigerte sich erst, wollte solch eine Position nicht spielen. Aber mit Achim in der Abwehr fing es mit dem Spielaufbau in Kefenrod an. Seine Liebe zur Eintracht sollte er heute zur Schonung der Nerven etwas reduzieren - auch wenn es nach dem Sieg gegen Bayern München wieder etwas besser aussieht.

Michael Dietrich (TV Kefenrod): Legendär für mich bleibt sein Tor im Pokalendspiel gegen den haushohen Favoriten SC Viktoria Nidda. Besonders brisant: Bei der Viktoria stand sein Kumpel André Böhm zwischen den Pfosten. Heute ist Michael ein guter und angenehmer Trainerkollege, nur unsere unterschiedlichen Erinnerungen an früher spielen uns bei Gesprächen immer mal einen Streich.

Arnold Schuchart (SG Hettersroth/ Burgbracht): Toller Fußballer, der in seiner besten Zeit sicher die eine oder andere Klasse höher hätte spielen können. Im Spiel sah alles so leicht aus, er hat sich nie zu sehr verausgabt. Das war bei gemeinsamen Ausflügen manchmal anders.

Jan Albus (TV Kefenrod): Ein Glück für jede Mannschaft, wenn man solch einen ehrgeizigen und disziplinierten Spieler in seiner Reihen hat. Als Steuerberater in vielen Dingen sehr genau und penibel. Bei manchen Ausflügen mit der Mannschaft zeigte er aber eine ganz andre Seite.

Mittelfeld

Jens Pascher (SG Bindsachsen): Einer aus der jungen Garde in der gemeinsamen SG-Zeit. Sehr ehrgeizig - das habe ich auch schon erfahren müssen - und vorbildlich. Solche Spieler gibt es heute nur noch sehr selten. Es war eine Freude, mit ihm zu spielen - und früher laufen zu gehen.

Klaus Peuker (TV Kefenrod): Brillanter Techniker und (Hallen)-Fußballer. Wenn man mit ihm beim 3 gegen 3 in der Kefenröder Halle oder beim Hallenmasters in einer Mannschaft spielte, konnte man fast nicht verlieren. Prägend als TV-Kapitän in meiner Spielertrainerzeit in Kefenrod.

Sascha Maul (SG Bindsachsen): Kompletter und auch sehr torgefährlicher Fußballer. Unvergessen bleibt der 13:12-Pokalendspielsieg gegen Düdelsheim mit ihm und Jens Pascher vor 22 Jahren. Seine Verbandsligazeit in Bad Orb und seine Einsätze noch heute im Seniorenbereich sprechen für sich.

Steffen Schäfer (SV Rohrbach): Starker und kräftiger "Linksfuß". Was er machte, hatte Hand und Fuß. Es besteht auch heute noch ein gutes und freundschaftliches Verhältnis zwischen uns und unseren Familien.

Sturm

Paul Wismer (SG Hettersroth/Burgbracht): Ein Kollege hat ihn zurecht "Maschine" genannt. 20 Tore waren in seiner besten Zeit pro Saison Minimum, die "einfachen Dinger" hat er dabei sogar manchmal noch liegen lassen. Im Eigeninteresse hoffe ich, dass er wieder an diese Zeit anknüpfen kann.

Carlo Reich (SV Rohrbach): Mit solch einem Torjäger konnte mein Trainerdebüt 1995 nur glücken. Carlo machte mir den Start um vieles leichter. Ein absolutes Schlitzohr. Er war manchmal nicht zu sehen, entschied dann aber Spiele im Alleingang. Auch in der dritten Halbzeit zum Lied "Butterfly" oft Alleinunterhalter.

Joker

Hansi Kaufmann (SG Büdingen), Jürgen Mulfinger (TV Kefenrod und Viktoria Nidda), Bernd Spitzhorn (SV Orleshausen): Alles Spielerpersönlichkeiten, auf die ich mit Respekt aufschaute, als ich die ersten Jahre im Seniorenbereich spielte. Auf und neben dem Platz ohne Allüren. Besten Dank.

Steffen Pretsch (SG Aulendiebach/Wolf): Steffen steht stellvertretend für die schöne und lange Zeit bei der SG Aulendiebach/Wolf. Mit Geduld meist die Ziele gemeinsam irgendwie erreicht. Diese Ruhe hatte Steffen auch im Spiel. Einmal hat er gegen Gencler Birligi Nidda gefühlt 50 Bälle an und um den Pfosten geguckt.

Trainer

Gerhard Sinner (TV Kefenrod): So viele Trainer hatte ich ja nicht. Mein Vater war in puncto Ehrgeiz, Disziplin und Leidenschaft zum Fußball aber immer ein Vorbild für mich.

Zur Serie

In unserer Lokalsportserie "Meine Traumelf" stellen Fußballer eine Mannschaft aus Spielern zusammen, auf die sie in der Regel während ihrer aktiven Zeit getroffen sind. Dabei muss es sich nicht nur um Mitspieler handeln - es können auch Gegner sein, die in Erinnerung geblieben sind. Heute: Teil 23 mit Markus Sinner. (tf)

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