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EC Bad Nauheim: Wie sich ein Debütant und ein Allrounder in den Fokus spielen

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Turbulent war das Sonntag-Spiel schon nach wenigen Minuten: Hier liegt Mitch Wahl von den Kassel Huskies auf Torwart Felix Bick. Taylor Vause (links) und Kevin Schmidt (rechts) greifen ein. Im Hintergrund rangeln Lukas Laub und Huba Sekesi. © DIEKMANN

Der EC Bad Nauheim hat das Momentum auf seiner Seite. Mit dem Sieg in Kassel haben die Roten Teufel in der Serie gegen die Huskies den Anschluss hergestellt. Am Dienstag soll im Colonel-Knight-Stadion das Viertelfinale ausgeglichen werden.

Allez, Allez - nur unser EC.« Der gesangliche Ohrwurm, am Sonntagmittag im Fanblock immer wieder euphorisch angestimmt, hat die 350 Gäste-Anhänger auf der rund eineinhalbstündigen Rückfahrt aus Kassel begleitet; und so manchen noch viel länger. Bad Nauheim hat in Spiel drei der Playoff-Viertelfinal-Serie gegen die Huskies das Momentum auf seine Seite bekommen, hat den 1:2-Anschluss hergestellt. Am Dienstag (20 Uhr) wollen die Roten Teufel den Ausgleich erzwingen. 2700 Karten wurden bis Montag verkauft.

Man werde sich auf die »bislang beste Huskies-Performance dieser Serie« einstellen müssen, prognositiziert Harry Lange, der Trainer der des EC Bad Nauheim. In der neunten Zweitliga-Saison, in der vierten Playoff-Serie der Roten Teufel, war den Badestädtern erst zum dritten Mal überhaupt ein Sieg gelungen, erstmals auswärts. »Ein solch enge Serie hatten wir noch nicht; auch nicht gegen Kaufbeuren«, sagt der Coach, dessen Team sich nun dreimal binnen fünf Tagen am oberen Limit präsentiert und Kassel damit gewiss überrascht hat. »Bad Nauheim hat uns physisch und läuferisch übertroffen. Diese Intensität hatte ich bei Bad Nauheim noch nicht gesehen. Da müssen wir vom Kopf und vom Körper bereit sein«, räumte Corey Neilson am Sonntag ein. Für den Huskies-Coach war’s im neunten Spiel seit Amtsantritt die erste Niederlage.

Personell ist bei den Roten Teufel das gleiche Lineup wie am Sonntag zu erwarten; mit Joel Messner in der Verteidigung und Tristan Keck auf der Tribüne. »Joel bringt uns ein Element ins Spiel, das uns bis dato gefehlt hatte«, sagt Lange.

Erstes Playoff-Spiel, erstes Tor

Für den 28-jährigen Messner war’s am Sonntag das erste Playoff-Spiel seiner Profi-Laufbahn, nach sieben Minuten traf er zur Führung. »Ich bin glücklich, dass ich in Bad Nauheim die Chance auf Playoff-Eiszeiten bekomme. Es sind die Spiele, die sich jeder Profi wünscht«, sagt der 28-Jährige, der mit dem HC Innsbruck diese Möglichkeit verpasst hatte. »Es ist schon ein bisschen bizzar«, beschreibt Messner seinen Last-minute-Wechsel und die vergangenen drei Wochen bis zum Debüt. »Ich weiß um meine Rolle. Und ich habe mich vorbereitet, um da zu sein, wenn ich meine Chance bekomme.« Teamkollegen und Trainer hätten ihm von Beginn an das Gefühl vermittelt, »schon immer Teil der Gruppe« zu sein. Die fehlende Spielpraxis habe er in der einen oder anderen Situation gespürt, das sei aber mit jedem Wechsel besser geworden.

Sein Comeback, schon sein zweites in dieser Saison, feierte Andreas Pauli. Der »Wühlbüffel«, wie er genannt wird, kam zurück, wie man in kennt, warf sich unerschrocken jedem Puck entgegen, ist unangenehm vor dem Tor.

Noch kein Thema ist die Rückkehr von Robin van Calster, der sich vor rund einer Woche verletztet hatte und in Bad Nauheim noch nicht mittrainiert; ebenso wenig wie Leo Hafenrichter im übrigen.

Erstaunlich: Selbst in Spiel drei ist es den Huskies nicht gelungen, die Offensive der Rote Teufel zu stoppen. Durchschnittlich 39 Schüsse brachten die Wetterauer auf das Tor von Jerry Kuhn; das sind sage und schreibe zehn Schüsse mehr als im Hauptrunden-Durchschnitt und spricht für den Speed mit dem Bad Nauheim agiert, was schwer zu verteidigen ist. Dem gegenüber stehen nur 33 Schüsse im Schnitt der Huskies, die aber effizienter abschließen.

EC gewinnt nur jedes dritte Bully

Aufallend außerdem: die Bully-Quote in dieser Serie. Taylor Vause, Jordan Hickmott und Mark El-Sayed haben gegen Corey Trivino, Mitch Wahl und Jake Weidner nur rund ein Drittel aller Anspiele gewonnen, so dass die Kurstädter der Scheibe zunächst immer wieder hinterherlaufen müssen.

Weidner, bei den Huskies Center in der dritten Reihe, und Mick Köhler bei den Roten Teufel sind diejenigen, die hinter den Kontingentspielern (und den Torhütern) derzeit die auffällgisten Rollen spielen. Ex-Iserlohner Weidner hat vier der zehn Huskies-Tore erzielt, bei Bad Nauheim strahlt Köhler - egal, ob in der Defensiv oder der Offensiv eigesetzt - Präsenz und Gefahr aus.

»Ich denke, in der Defensive habe ich mehr Potenzial«, sagt der 24-Jährige, der nach zwei Förderlizenzspielzeiten fest in die Wetterau gewechselt war und überzeugen kann. »Ich kam aus der DEL, hatte wenig Eiszeit, wenig Selbstvertrauen. Ob ich vorne oder hinten wertvoller bin, da gibt’s verschiedene Meinungen. Ich will einfach nur gewinnen. Da ist’s zweirangig, auf welcher Position«, sagt der gebürtiger Bonner (31 Hauptrunden und drei Playoff-Punkte). Ebenso wenig, wie man nach zwei Niederlagen den Kopf nicht hängen lassen dürfe, gelte es nun, diesen nicht zu hoch zu tragen. »Für uns geht’s darum, uns auf das nächste Spiel zu konzentieren und die Kleinigkeiten richtig zu machen. Das war uns im ersten Heimspiel nicht immer gelungen.«

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