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EC Bad Nauheim: Wie sich die taktischen Kniffe auszahlten

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Sechs-Punkte-Wochenende: Dem 4:0-Sieg in Crimmitschau hat der EC Bad Nauheim am Sonntag einen 4:1-Erfolg gegen Erstliga-Absteiger Krefeld folgen lassen. 3000 Zuschauer sahen die Partie im Colonel-Knight-Stadion. © CHUC

Der Kader des EC Bad Nauheim war geschrumpft. Trainer Harry Lange und sein Assistent Adam Mitchell hatten aber die richtigen taktischen Kniffe gewählt. Zwei Siege wurden gefeiert.

(mn). Null Punkte und 4:10 Tore in der vorvergangenen Woche gegen zwei Klubs auf Playdown-Rängen, jetzt sechs Zähler und 8:1 Treffer am vierten Adeventswochenende, unter anderem mit einem Erfolg gegen die Krefeld Pinguine: Der EC Bad Nauheim erlebt eine verrückte Vorweihnachtszeit, ist Tabellen-Dritter der Deutschen Eishockey-Liga 2.

Entscheidend: Die Roten Teufel hatten in den Spielen in Crimmitschau (4:0) und gegen den DEL-Absteiger aus dem Rheinland (4:1) wieder die Balance zwischen offensiv-begeisterndem Tempospiel und defensiver Verantwortung gefunden; dank zweier taktischer Entscheidungen von Harry Lange und seinem Assistenten Adam Mitchell.

In Crimmitschau stand überraschend Niklas Lunemann zwischen den Pfosten. Der Keeper von Kooperationspartner Köln hatte im vergangenen Dezember sein bis dato einziges DEL2-Spiel für Bad Nauheim bestritten (gegen Frankfurt) und in dieser Saison noch bis vergangenen Dienstag bei Oberligist Duisburg Spielpraxis gesammelt. »Mir hatte bei den drei Niederlagen zuvor etwas die Schärfe und Entschlossenheit im Spiel gefehlt«, sagt Lange, der psychologisch seine Mannschaft erreichte. Die Rechnung ging auf, die Teufel spielten (auch) für ihren jungen Torwart; vor allem im ersten Abschnitt: Nur vier Schüsse kamen auf das Tor der Gastmannschaft. Die Nervosität sei kein Problem gewesen, sagt Lunemann. Da habe er in Duisburg schon ausreichend Erfshrungen und Praxis sammeln können. »Wir haben 60 Minuten sehr gut defensiv gespielt und immer Aktionen nach vorne. Die Jungs haben mir sehr geholfen und viele Schüsse geblockt«, meinte der 20-jährige Schlussmann, der gleich mal einen Shutout feiern konnte. »Da werde ich mir für die Jungs noch etwas einfallen lassen müssen«, freut er sich. Bis zur Rückehr von Rihards Babulis von der U20-Weltmeisterschaft im Januar wird Lunemann im Kader der Roten Teufel stehen.

Am Sonntag stand das Comeback von Kevin Schmidt im Fokus. Der »DEL2-Verteidiger der Saison 21/22« hatte sechs Wochen pausieren müssen, war eigentlich als nominell siebter Verteidiger aufgestellt. Zwei, drei Wechsel pro Spieldrittel, dazu Eiszeit in Überzahl; so war das eigentlich vorgesehen. Am Ende hat der Deutsch-Kanadier in der Rotation quasi durchgespielt. »Es hat sich besser angefühlt als erwartet«, sagt Schmidt, der auch gleich mal zwei der vier Tore aufgelegt hat. »Das freut mich natürlich. Entscheidend sind aber die drei Punkte.«

Die zweite (und wie sich zeigte) richtige Entscheidung von Lange/Mitchell: Kapitän Marc El-Sayed, der DEL-erfahrender Mittelstürmer, half in der Defensive aus. Und dies in einer Art und Weise; als habe er nie etwas anders gemacht. »Gerade am Freitag hat er das sehr gut gemacht«, sagt Lange. Nach Huba Sekesi (seit zwei Jahren), Mick Köhler (seit der Endphase der vergangenen Saison) und Tobias Wörle (seit einigen Wochen) war der 30-Jährige nun bereits der vierte gelernte Stürmer in den Abwehrreihen. Wen Lange dahingehend weiter in petto hat? »Da müsste ich erstmal sehen, wer mir offensiv überhaupt noch übrig bleibt«, sagt er schmunzelnd. Am Sonntag wechselte El-Sayed gleich mehrfach die Position, da Schmidt zunächst mehr Eiszeit als erwartet hatte, mit Edwin Tropmann aber ein anderer Verteidiger mit einer Handverletzung ausschied. Ob der U18-Nationalspieler, der vom Deutschen Eishockey-Bund für das Fünf-Nationen-Turnier vom 25. bis 30. Dezember in Zuchwil in der Schweiz nominiert wurde, am Freitag für die Roten Teufel in Ravensburg auffläuft, ist noch offen.

Neben Lunemann, Schmidt und El-Sayed hat das Wochenende noch zwei weitere Namen hervorstechen lassen: Tim Coffman und Jordan Hickmott. US-Boy Coffman hat in den bislang sechs Dezember-Spielen elf (!) Scorerpunkt gesammelt und war damit fast an der Hälfte aller Treffer beteiligt. Kanadier Hickmott, in der Vorsaison im Schatten Taylor Vause/Tristan Keck als Kontingentspieler unauffällig, hat nach der Hälfte der Hauptrunde schon ebenso viele Treffer erzielt wie in 21/22 über die gesamten 52 Spiele, mit aktuell 16 Toren führt er die interne Torjägerliste an, in der DEL2 haben nur Keck (20) und Corey Trivino (18) öfer getroffen.

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