Der Kaiser nominiert einen "King"

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NIDDA/BINDSACHSEN - Sebastian Kaiser vom SC Viktoria Nidda stand für Torgefahr. Versetzte die gegnerischen Abwehrreihen in Angst und Schrecken. "Er war extrem antrittsschnell, konnte super antizipieren, hatte einen starken Abschluss und einen eingebauten Torinstinkt", lobt Torben Weingärtner seinen früheren Gegenspieler. "Sebastian war einfach unheimlich schwer zu bespielen", erinnert sich Weingärtner, damals für den FC Germania Wächtersbach aktiv, ungern an die Duelle mit Kaiser zurück.

Ferdi Özcan, aktueller Trainer des SC Viktoria Nidda, lobt seinen ehemaligen Mannschaftskollegen ebenfalls in den höchsten Tönen: "Er war der beste Stürmer, mit dem ich früher zusammen in einer Mannschaft gespielt habe. Sebastian machte aus fast jeder Chance ein Tor."

1984 trat Kaiser das erste Mal für Nidda gegen den Ball. 16 Jahre später feierte er mit dem Aufstieg in die damalige Bezirksoberliga Frankfurt Ost einen seiner größten Erfolge. "An diese Saison unter Trainer Hans-Otto Schäfer erinnere ich mich noch heute gerne zurück. Mir gelangen damals 45 Tore in der Bezirksliga."

Fünf Operationen

Richtig gut lief es für den IT-Berater (zunächst) auch in der Saison 2008/2009. Kaiser spielte mit der Viktoria lange um den Aufstieg in die Verbandsliga mit und führte die Gruppenliga-Torschützenliste mit 26 Treffern an. Doch am vorletzten Spieltag, beim 6:1-Auswärtssieg gegen den VfR Meerholz, beendete eine schwere Verletzung abrupt seine Karriere. Der Torjäger wusste sofort, "dass es mich schlimmer erwischt hatte". Noch auf dem Platz drückte er seine herausgesprungene Kniescheibe zurück in die richtige Position. "Sonst hätte ich bis zum Eintreffen des Notarztes höllische Schmerzen aushalten müssen." Es folgten fünf Operationen und eine lange Reha-Zeit.

2012 kehrte Kaiser zum Jubiläumsspiel seiner Viktoria gegen die Traditionsmannschaft der Frankfurter Eintracht auf den Platz zurück. Auch wenn der Vater einer Tochter seine Karriere nicht wirklich fortsetzen konnte, ist er mit seinem aktuellen Gesundheitszustand zufrieden. "Ein Arzt aus München sagte mir damals, dass ich aufgrund meines Knorpelschadens maximal noch Radfahren könne. Dafür läuft es in der Niddaer Altherren-Mannschaft ganz gut", scherzt Kaiser, der schmerzfrei gegen den Ball treten kann. "Nur wenn ich zu schnell über Beton laufe, spüre ich etwas im Knie."

2014 spielte der heute 43-Jährige sogar noch einmal im B-Team der SG Wolferborn/Michelau/Bindsachsen in der B-Liga um Punkte. "Mein Schwiegervater war damals im Spielausschuss aktiv. Und ich half aus, wenn Not am Mann war."

Ansonsten trug und trägt der mittlerweile in Bindsachsen lebende Kaiser nur das Trikot der Viktoria. Angebote hatte er reichlich, entschied sich aber immer gegen einen Wechsel. "Ich war nie der Trainingsweltmeister. Keine Ahnung, ob ich mich bei einem anderen Club überhaupt durchgebissen hätte. Zudem hatte ich in Nidda viel Spaß, eine tolle Kameradschaft und spielte Fußball auf einem guten Niveau. Was hätte mir der Wechsel in die Oberliga Hessen gebracht? Vielleicht ein paar Groschen. Arbeiten hätte ich trotzdem müssen."

Kaiser legte Wert auf andere Dinge: Deshalb schafften es auch langjährige Niddaer Weggefährten, mit denen er viel Spaß auf sowie neben dem Platz hatte, in seine Traumelf. Und einige harte Gegenspieler, "mit denen ich mir auf dem Sportplatz harte Duelle lieferte und nach dem Match ein Bier in Freundschaft trank".

So charakterisiert Sebastian Kaiser die Spieler seiner Traumelf (in Klammern der gemeinsame Verein oder der damalige Club des jeweiligen Gegenspielers):

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Tor

Sascha Renner (SKG Eintracht Fauerbach): Einer der besten Torhüter seiner Zeit. Wir hatten immer schöne Duelle. Nach den Spielen musste der Verlierer unserer persönlichen Wette Getränke holen. Wenn ich mal kein Tor gegen ihn schoss, übernahm ich den Bier-Service.

Abwehr

Olaf Henning (Viktoria Nidda): Mit Olaf spielte ich schon in der Jugend zusammen. Nach seiner Rückkehr zur Viktoria fester Bestandteil der Defensive und des Stammtisches nach dem Training.

Michael Wolf (Viktoria Nidda): Einer der besten Verteidiger, die es in der Gruppenliga gab. Als Mensch ungemein wichtig für die Mannschaft. Die anderen hatten den Vorteil, dass sie nur zweimal im Jahr gegen ihn spielen mussten. Ich muss das noch heute beim Altherren-Training.

Torben Weingärtner (Germania Wächtersbach): Harter aber fairer Gegenspieler. Die Duelle mit ihm haben immer Spaß gemacht. Wir sind heute wieder in Kontakt - und ich freue mich schon auf den nächsten Kaffee auf seiner Terrasse.

Dennis Coleman (FC Germania 09 Niederrodenbach): Dennis, der früher sogar in der Oberliga spielte, war der mit Abstand schnellste Gegenspieler, den ich je hatte. War man einmal vorbei an ihm, stand er schon wieder da - und das immer und immer wieder.

Mittelfeld

Ronny Steinbeck (Viktoria Nidda): Der am besten ausgebildete Fußballer, mit dem ich jemals zusammengespielt habe. In Erinnerung bleibt immer noch sein überragendes Kopfballspiel, wenn es drauf ankam.

Dennis Ketzer (Viktoria Nidda): Auch mit ihm spielte ich schon in der Jugend zusammen. Heute wie damals gilt bei Dennis: Er kann überall spielen, egal ob im Tor oder sonst wo auf dem Platz. Unsere beste gemeinsame Runde war die Saison 1999/2000, in der wir zusammen im Sturm spielten.

Mirco Geyer (Viktoria Nidda): Überragender Techniker mit einem begnadeten linken Fuß. Von ihm als Vorlagengeber habe ich jahrelang profitiert.

Markus Könighaus (Viktoria Nidda): Stimmungskanone auf und neben dem Platz. Einen "King" braucht jede Mannschaft.

Sturm

Jannik Jung (Viktoria Nidda / jetzt FCA Gedern): Nicht nur ein überragender Spieler, sondern auch als Mensch für jede Mannschaft ein absoluter Gewinn. Geht jetzt seinen erfolgreichen Weg als Spielertrainer des FC Alemannia Gedern weiter.

Noah Michel (Viktoria Nidda / jetzt Türk Gücü Friedberg): Noah hat seinen Weg gemacht. Ich denke, dass es ihm guttat, damals nach Nidda zu gehen. Seine Qualitäten stellt er jedes Wochenende unter Beweis. Aktuell im Trikot des Hessenligisten Türk Gücü Friedberg.

Trainer

Gerhard Thiele (Viktoria Nidda): Gerhard war jahrelang die Konstante im Trainerteam des SC Viktoria Nidda. Ein wichtiges Puzzleteil des Erfolges. Er war immer als Ansprechpartner und Ratgeber da und lenkte nicht nur mich, wenn es mal wieder sein musste, in die richtigen Bahnen.

Joker

Christian Vaubel (Viktoria Nidda): Ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Hat auf und neben dem Platz alles zusammengehalten. Ich glaube, keiner trainierte so viel wie er. Bin ihm heute noch dankbar, dass er sich nach meiner Verletzung die Zeit genommen hat und mit mir laufen ging. Wobei es für ihn wohl mehr im Bereich "Spaziergang" war.

Steffen Kempel (TV 08 Kefenrod): Früher ein unangenehmer Gegenspieler, heute ein guter Freund. Die 3. Halbzeit haben wir öfter etwas länger gestaltet.

Thorsten Braun (SV Blau Weiß Schotten): Thorsten lernte ich schon als Jugendlicher bei Frankfurter Bundesligaspielen auf der Tribüne der Eintracht kennen. Als Spieler jemand, der nicht nur durch sein Können, sondern auch durch seinen Willen aufgefallen ist.

Andre Böhm (Viktoria Nidda): Glücklicherweise damals nach Nidda gewechselt. Als Gegner haben wir uns nicht so gut verstanden. Es war dann doch schöner, mit ihm in einem Team zu spielen und zu feiern.

Zur Serie

In unserer Lokalsportserie "Meine Traumelf" stellen Fußballer eine Mannschaft aus Spielern zusammen, auf die sie in der Regel während ihrer aktiven Zeit getroffen sind. Dabei muss es sich nicht nur um Mitspieler handeln - es können auch Gegner sein, die in Erinnerung geblieben sind. Heute: Teil 16 mit Sebastian Kaiser. (tf)

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