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»Dem Klub tut das gut«

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Von: Michael Nickolaus

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Gute Laune bei den Roten Teufel: Kevin Schmidt, Taylor Vause und Tristan Keck (von links) haben mit dem EC Bad Nauheim die erfolgreichste DEL 2-Hauptrunde nach dem Wiederaufstieg 2013 bestritten. © Red

Bad Nauheim (mn). Taylor Vause reckte zum Rhythmus der Fan-Gesänge die Fäuste immer wieder nach oben. Kevin Schmidt und Jerry Pollastrone holten - wie zu jeder Ehrenrunde - ihren Nachwuchs aufs Eis, später rutschten die Profis des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim als Raupe auf Knien über das Eis. Die Stimmung unter den Anhängern am Samstagabend im Colonel-Knight-Stadion war ausgelassen.

Mit zuletzt vier Siegen in Serie hatten die Roten Teufel ihre zwischenzeitliche Form- und Ergebniskrise vergessen lassen, Playoff-Vorfreude geweckt und einen internen Rekord aufgestellt - 93 Hauptrunden-Punkte. »Ich denke, gerade dem Klub tut gut zu sehen, was machbar ist«, sagt Harry Lange, im ersten Jahr Kaderplaner und Cheftrainer in der Wetterau. Für seine Mannschaft geht’s nun ab Mittwoch kommender Woche gegen die Kassel Huskies, den Vorjahres-Finalisten.

Wie wurde die Viertelfinal-Konstellation aufgenommen? Kurze Wege, große Emotionen und die Erinnerungen an den Oberliga-Titelgewinn 2013 - ausgerechnet in Kassel - sind im Hinterkopf. Nach Playoff- und Playdown-Serien gegen Ravensburg, Kaufbeuren und Crimmitschau freut man sich auf einen »neuen« Kontrahenten. Namen und Statistik machen Bad Nauheim - wie schon in der Drittliga-Final-Serie - zum Außenseiter. Drei Punkte und 7:12 Tore weist die Bilanz aus den vier Hauptrunden-Duellen dieser Saison auf - gegen kein anderes Team haben die Teufel schlechter ausgesehen. »Kassel kommt mit Wucht und Physis. Da werden wir viel laufen müssen, um uns in eine gute Position zu bringen«, weiß Lange.

Joel Keussen von den Kassel Huskies sagt: »Ein Derby im Viertelfinale - das wird der Hammer. Ich spüre die totale Vorfreude«. Der 30-Jährige spielte in der Saison 2015/16 für Bad Nauheim. Er ist neben Denis Shevyrin (2018/19) und Lukas Laub (2012/13 drei Einsätze als Förderlizenzler) einer von drei Huskies, die schon das Trikot der Roten Teufel getragen haben.

Wie sehen die kommenden Tage aus? Bis zum heutigen Dienstag hat die Mannschaft frei. Einem Team-Event am Mittwoch folgen Trainingseinheiten am Donnerstag und Freitag. Samstags wird pausiert, ehe am Sonntag die routinemäßige Drei-Tage-Vorbereitung beginnt.

Wer kommt zurück? Für Philipp Wachter (Schulter-OP) und Christoph Körner (muss sich einer Operation unterziehen) ist die Saison beendet. Andreas Pauli arbeitet derweil an seinem bereits zweiten Comeback in dieser Saison. Zwölf Wochen nach seinem Oberarmbruch hofft der Stürmer, der erst drei Saisonspiele absolvieren konnte, auf das ärztliche Okay. Zum Playoff-Start dürften auch die zuletzt erkrankten Patrick Seifert und Mick Köhler den Kader wieder ergänzen.

Wie viele Zuschauer sind zugelassen? Wo gibt’s Tickets? Im Colonel-Knight-Stadion sind ab sofort 3460 Zuschauer zugelassen. Zu den Playoffs ist - wie auch in der Vergangenheit - eine leichte Erhöhung des Eintrittspreises zu erwarten. Der Vorverkauf wird voraussichtlich am Mittwoch beginnen. Playoff-Trikots, wie man diese aus der Vergangenheit kennt, sind nicht geplant.

In Kassel dürfen aktuell 3860 Zuschauer in die Eissporthalle am Augepark. Es gilt die 2G+ Regelung in Verbindung mit einer Maskenpflicht. Tickets gibt’s über die Homepage www.kassel-huskies.de.

Was bedeutet eine Playoff-Teilnahme wirtschaftlich für die Roten Teufel? In den Playoffs können Klubs Geld verdienen; je nach Zahl der Heimspiele. Das gilt allerdings nicht für die Saison 21/22. Die Klubs - seit mehr als einem Jahr staatlich auf Grund der Pandemie mit sechs-, teils siebenstelligen Summen unterstützt - dürfen keine Gewinne erzielen. »In diesem Fall muss ein Teil der staatlichen Förderung zurückgezahlt werden«, erklärt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer des EC Bad Nauheim. Erfolgreiche Playoff-Serien dürften eher als gute Basis für Gespräche mit Werbepartnern und den Dauerkartenverkauf dienen.

Wie ist die Formkurve? Die Roten Teufel hatten im Herbst 2021 einen Rekord aufgestellt. Die ersten neun Auswärtsspiele wurden allesamt gewonnen. Im Dezember führten Bad Nauheim die Tabelle an. Es folgten Corona-Erkrankungen, verletzungsbedingte Rückschläge. Die Mannschaft konnte sich nahezu ununterbrochen unter den top vier halten, fiel im Februar aber in ein Loch. Mit zuletzt vier Siegen in Serie haben die Kurstädter die (Form-)Kurve aber rechtzeitig gekriegt.

Den Kassel Huskies hing zum Saison-Auftakt offenbar die Final-Niederlage aus dem Mai 2021 nach. Hinzu kam die Vorbereitungs(tor)tour nach Lauterbach, da die eigene Eishalle saniert wurde und noch genutzt werden konnte. Erst nach der November-Pause kletterten die Nordhessen in die Top Ten. Nach drei Niederlagen Mitte Februar wurde Tim Kehler als Trainer von seinen Aufgaben entbunden. Mit Corey Neilson (einst Lausitzer Füchse) kamen Bewegung in die Kabine und der Erfolg zurück an den Auepark. Ein Derby-Erfolg im Viertelfinale könnte eine sportliche lange Zeit enttäuschende Saison der Nordhessen »retten«. Auf den Kontingentpositionen hatte Neilson bislang rotiert.

Wer sind die Lieblings- und die Angstgegner? Was auffällt: Die Roten Teufel haben die vermeintlichen Pflichtaufgaben gegen die Klubs auf den Playdown-Positionen sehr gut gelöst. Gegen Bayreuth und Selb wurde die Maximalpunktzahl erzielt Tölz, Crimmitschau, Freiburg (10 Punkte), Lausitz (9) und Kaufbeuren (8) wurden dreimal geschlagen. Nur jeweils drei Punkte gewann Bad Nauheim gegen Kassel und Ravensburg.

Was waren der höchste Sieg und die deutlichste Niederlage? Nur zwei Spiele haben die Roten Teufel mit mehr als drei Toren Unterschied gewonnen; jeweils gegen Bad Tölz (7:3/6:2). Nicht ein Spiel hat Bad Nauheim in dieser Deutlichkeit verloren. In einem Spiel allerdings, beim 0:3 in der Lausitz, blieben die Kurstädter ohne eigenen Treffer.

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