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Das Profigeschäft vor Augen

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Der Ranstädter Maximilian Schmid unterschreibt Anfang Januar seinen neuen Vertrag beim 1. FC Köln. © Red

Maximilian Schmid hat die nächste Hürde auf seinem Weg ins Fußball-Profigeschäft genommen und vor wenigen Tagen einen Vertragsspielervertrag für die U21 des 1. FC Köln unterschrieben.

Rund um die Weihnachtsfeiertage spannte Maximilian Schmid aus. Verbrachte etwas Zeit bei seinen Eltern in Ranstadt. »Das letzte Jahr war hart. Wir hatten nach der Corona-Pause viele Spiele«, betont der U19-Bundesliga-Spieler des 1. FC Köln.

Sein Tagesablauf ist normalerweise streng getaktet. Mit vielen Terminen und wenig Freizeit. Schule, Fußballtraining, Schule, zweite Trainingseinheit. Seit Sommer 2018 klingelt sein Wecker in der Geißbock-Akademie jeden Morgen um 7 Uhr. »Erst gegen 20.30 Uhr habe ich etwas Zeit für mich. Zocke dann mit Kumpels an der PlayStation. Oder unterhalte mich einfach.«

Schmid, den alle Maxi nennen, ist bewusst, dass er viel verpasst. Dafür bekommt er auf der anderen Seite »auch so viel geschenkt«. Beispielsweise die U17-Meisterschaft gleich in seiner ersten Saison 2018/19 bei den Nordrhein-Westfalen. Im zweiten Jahr durfte er sogar doppelt jubeln, wurde mit der U17 und U19 Staffelmeister der Bundesliga West. Endspiele um die Deutsche Meisterschaft fielen wegen Corona aus. In dieser Runde erlebte der Stürmer mit der Rückennummer neun einen weiteren Höhepunkt: Er erzielte das allererste Tor für Köln in der UEFA Youth League - der Champions League für Nachwuchsteams. Schmid spricht von einer »geilen Erfahrung«, obwohl sein Team nach zwei Niederlagen gegen den KRC Genk (2:4; 1:3) bereits in der Vorrunde ausschied »und sich somit mein Traum von einem Spiel gegen Real Madrid nicht erfüllt hat«.

Im Liga-Alltag läuft es für den 18-Jährigen und sein Team ebenfalls nicht komplett nach Plan. Nach einer erfolgreichen vergangenen Saison belegt der 1. FC Köln aktuell den sechsten Rang in der West-Staffel der U19-Bundesliga. «Wir sind katastrophal in die Runde gekommen, verloren zum Auftakt gleich 1:4 gegen Schalke 04«, so Schmid, der seine Mannschaft nicht mehr ganz so stark wie in den vergangenen beiden Spielzeiten einschätzt. »Trotzdem haben wir uns im Laufe der Saison gesteigert. Aber leider nicht immer das Glück des Tüchtigen gehabt.«

Das fehlte unter anderem beim 0:1 gegen Borussia Dortmund, als Köln viel investierte und am Ende durch ein Elfmetertor verlor. So stehen unter dem Strich nur 14 Punkte nach acht Spielen. Verloren ist aber noch nichts: Köln muss Zweiter werden, um an den entscheidenden Partien um die Meisterschaft teilnehmen zu können, der Rückstand beträgt aktuell vier Zähler.

Schmid weiß: »Wir müssen ab dem 6. Februar jede unserer acht ausstehenden Begegnungen dieser ohne Rückserie ausgetragenen Runde gewinnen, um den Druck auf die vor uns liegenden Mannschaften zu erhöhen. Mal schauen, was am Ende dabei herausspringt?«

Viel wichtiger sei in den kommenden Monaten allerdings sein Fachabitur, das er im Mai in Köln macht. »Und natürlich meine sportliche Zukunft nach der laufenden Saison«, betonte Schmid noch kurz vor Weihnachten.

Die ist - im Gegensatz zum Fach-Abi - mittlerweile geklärt. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler hat Anfang Januar, trotz Angeboten aus der 2. Liga, in Köln einen bis 2024 laufenden Vertragsspielervertrag für die U21 unterschrieben. »Der ›Effzeh‹ war immer mein erster Ansprechpartner. Köln ist mein Herzensverein. Hier stimmen die Perspektiven«, so Schmid.

Den Plan mit dem ambitionierten U19-Akteur skizziert Thomas Kessler, Sportlicher Leiter Lizenzspielerabteilung, wie folgt: »Wir möchten Maxi so weiterentwickeln, dass er über die U21 den Schritt in unsere Lizenzmannschaft nehmen kann. Er ist ein sehr talentierter und lernwilliger Spieler, der im Offensivbereich flexibel einsetzbar ist und seine ersten Erfahrungen im Seniorenfußball sammeln soll. Wir werden ihn auf diesem Weg bestmöglich begleiten.«

Schmid hofft, »dass ich im Sommer mit der Bundesliga-Mannschaft ins Trainingslager fahren und auch einige Trainingseinheiten oben absolvieren darf«.

Pflichtspiele absolviert er dann in der Regel für die U21. »Wenn es gut läuft und ich mich verbessere, kann es aber auch sein, dass ich hier und da mal in den Profikader berufen werde.«

Sollte Schmids nächster Kontrakt ein Profivertrag werden, wäre es für Wilhelm Rott, seinen ersten Trainer bei der JSG Ranstadt, keine Überraschung. Bereits vor einen Jahr sagte er im Gespräch mit dem Kreis-Anzeiger: »Maxi war schon als Bambini fußballverrückt, wollte von morgens bis abends nur kicken. Bereits nach einem Jahr habe ich zu meinem Schwager gesagt, dass wir Maxi irgendwann in der Bundesliga sehen werden. Seine starke Technik und ausgeprägte Verbissenheit waren schon damals zu erkennen.«

Schmid geht seinen Weg bei den Geißböcken seit 2018. »Wir kannten Maxi schon von Sichtungen aus der U13 beim FSV Frankfurt. Sein Stern ging vor allem beim DFB-Länderpokal 2017 in Bad Blankenburg auf, als er für die Südwestauswahl groß aufspielte und sich dort auch für den Deutschen Fußball-Bund empfehlen konnte. Spätestens da war uns klar: Wir müssen Maxi nach Köln lotsen - zumal seine Familie absolut FC-verrückt ist«, berichtet Martin Bülles, Nachwuchschefscout des 1. FC Köln. Bereut hat der 40-Jährige diese Verpflichtung keine Sekunde: »Maxi geht dahin, wo es wehtut. Er ist aber nicht nur der Stürmer, der in der Box seine Qualitäten hat. Er kann sich auch mal zurückfallen lassen, auf die Flügel ausweichen und sich die Bälle im Mittelfeld abholen.«

Schmids Trainer Stefan Ruthenbeck setzt sogar noch einen oben drauf: »Maxi hat die Gabe, als Stürmer unheimlich viel gegen den Ball zu arbeiten und ein gutes Pressingverhalten an den Tag zu legen. Das ist sein Faustpfand, sogar wenn er manchmal im Lizenzbereich mittrainieren darf.« Zudem sei der 18-Jährige sehr flexibel. Könne Tore schießen und vorbereiten sowie auf mehreren Positionen spielen. Das mache ihn kompletter als den typischen Jugendfußballer. »Wobei«, berichtet Schmid, »ich mich jeden Tag in allen Bereichen weiter verbessern möchte.« Vor allem körperlich, im Abschluss und im Kopfballspiel.

Die Position schlechthin gibt es für Schmid aktuell nicht. »Früher fühlte er sich in der Sturmmitte wohl. Jetzt vielleicht eher rechts. Er kann aber auch Teil einer Doppelspitze sein«, betont Ruthenbeck. Dem Ranstädter ist es ebenfalls egal, wo er aufläuft. Hauptsache irgendwo im Offensivbereich. »Bei der U19 bin ich eigentlich Mittelstürmer oder auf dem rechten Flügel. Bei den Profis kam ich schon in einer Doppelspitze und im rechten Mittelfeld als Achter zum Einsatz.«

Während den jüngsten Länderspielpausen sammelte der 18-Jährige erste Erfahrungen im Kölner Profibereich. Er füllte den Bundesliga-Kader auf, trainierte und absolvierte Testspiele zusammen mit Timo Horn, Jonas Hector, Anthony Modeste, Mark Uth, Salih Özcan, Sebastian Andersson, Rafael Czichos und Benno Schmitz. »Das ist schon ein anderes Niveau. Körperlicher und intensiver«, sagt der Ranstädter. Die Ehrfurcht habe er mittlerweile »abgelegt« und kicke munter bei den Profis mit. »Trainer Steffen Baumgart findet mich gut und hat schon gesagt, dass ich öfter oben mittrainieren soll«, verrät Schmid, dem im Testspiel gegen den SC Paderborn sogar ein Assist gelang.

Seine aktuelle Torquote ist ausbaufähig. In acht U19-Ligaspielen brachte er es lediglich auf zwei Treffer. »Ich hatte zwischendurch eine Durststrecke. Die Dinger wollten einfach nicht rein, obwohl meine Leistung okay war.« Ruthenbeck ergänzt: »Viel wichtiger ist, dass er überhaupt die Torchancen bekommt. Maxi hat unheimlich gute Laufwege und gute Abschlüsse.« In der Vorrunde habe er viele Treffer vorbereitet. In der Rückrunde werde er wieder mehr Tore schießen. Laut Schmid gerne »im zweistelligen Bereich«.

Für Ruthenbeck, der schon die Profis des 1. FC Köln in der Bundesliga trainierte, ist ein anderer Aspekt ohnehin entscheidender: »Maxis wichtigster Schritt in den vergangenen Monaten war, dass wir über einen langen Zeitraum eine hohe Intensität in Training und Spiel fahren konnten. Davor hatte er immer mit Verletzungen zu kämpfen. In dieser Saison nicht.« Auch weil Schmid körperlich zugelegt hat - 74 Kilogramm auf 1,80 Meter verteilt.

Dementsprechend sieht er seinen Schützling auf dem richtigen Weg. Jetzt gehe es noch um Details im Pressingverhalten und um die Optimierung bei Abschlüssen aus der Distanz oder aus einem spitzen Winkel. »Zudem darf Maxi nicht ungeduldig werden. Ihm fehlt wie vielen anderen ein Jahr aufgrund der Corona-Pause.« Deshalb ist Ruthenbeck auch froh, dass Schmid sich für einen Verbleib entschieden hat: »Köln bietet mit der U21 eine super Plattform. Er kann mit dem Bundesliga-Team trainieren, bei der U21 ausreichend Spielpraxis sammeln und so dauerhaft bei den Profis Fuß fassen. Hätte er sich im Sommer einem Zweit- oder Drittligisten angeschlossen, hätte er dort unter Umständen oft auf der Ersatzbank sitzen müssen.» Nun könne Schmid den nächsten Schritt gehen, Und Ruthenbeck prophezeit: »Mit etwas Geduld wird Maxi seinen Weg im Profifußball gehen.« Torben Frieborg

Zur Person

Maximilian Schmid startete seine Karriere bei der JSG Ranstadt (2008 bis 2013). Danach wechselte er zu den Sportfreunden Oberau (13/14), zum JFC Frankfurt (14/15), FSV Frankfurt (15/16) und FSV Mainz 05 (2016 bis 2018).

Seit 2018 trägt der 18-Jährige das Trikot des 1. FC Köln. Der 1,80 Meter große und 74 Kilogramm schwere Stürmer schoss in der U17-Bundesliga elf Tore in 26 Spielen, in der U19-Bundesliga sind es bislang drei Tore in zwölf Partien. Hinzu kommt ein Treffer auf internationaler Ebene in der Youth League. 2019 feierte der Ranstädter mit der U17 die Deutsche Meisterschaft.

Ein Jahr später wurde er mit der U17 und 19 jeweils Staffelmeister der Bundesliga West. Endspiele um die Deutsche Meisterschaft fielen wegen Corona aus. Schmid absolvierte drei U-Länderspiele und erzielte ein Tor für die U15 des Deutschen Fußball-Bundes.

Der Zwölftklässler geht in Köln zur Schule (Lieblingsfächer: Sport und Mathe). Cristiano Ronaldo ist sein fußballerisches Vorbild, seine Lieblingsvereine sind der 1. FC Köln und FC Liverpool. Schmid hat zudem ein Faible für Eishockey. Er drückt den Kölner Haien und dem heimischen Zweitligisten EC Bad Nauheim die Daumen. TFR

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