1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Benzin-Sorgen und neues Pflicht-Soll

Erstellt:

kaspor_1004_poth_110422_4c_1
Immer im Einsatz: Sebastian Poth steht vor der Leitung eines D-Juniorenspiels in Oberau Rede und Antwort. © Torben Frieborg

Kreisschiedsrichterobmann Sebastian Poth fehlen Unparteiische. Gestiegene Spritpreise machen die Sache nicht einfacher. Es gibt aber auch gute Nachrichten: mehr Geld und ein neues Pflicht-Soll.

Bereits im November des vergangenen Jahres berichtete Sebastian Poth über 44 nicht besetzte Fußballspiele in seinem Zuständigkeitsgebiet. »Danach sind nicht mehr viele dazugekommen, da wir durch Corona immer wieder Spielausfälle hatten und somit die Engpässe umschiffen konnten«, sagt der Büdinger Kreisschiedsrichterobmann. Die Kosten-Explosion an den Zapfsäulen macht die Sache nicht einfacher. »Ich persönlich habe noch keine Absage wegen hoher Benzinpreise erhalten. Ich habe allerdings schon aus anderen Regionen gehört, dass Unparteiische nicht mehr in Austauschkreisen, sondern nur noch im eigenen Kreis pfeifen möchten.«

Tankgutscheine von März bis Juni

Im Seniorenbereich reist die Büdinger Delegation in die Kreise Gießen, Lauterbach-Hünfeld, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau, Offenbach, Dieburg, Frankfurt, Hochtaunus und Friedberg. »Wenn du dann 100 Kilometer oder mehr zurücklegen musst, federn die 30 Cent pro Kilometer die momentanen Kosten eher nicht ab«, weiß der 44-jährige Familienvater aus Rommelhausen.

Deshalb beschloss der Hessische Fußball-Verband (HFV), dass es ab sofort Tankgutscheine gibt. Wer pro Monat 300 Kilometer fährt, erhält zusätzlich einen Gutschein von 25 Euro. Ab 500 Kilometer sind es 40 Euro. Das gilt für die Monate März (rückwirkend) bis Juni. Eine Erhöhung der Kilometerpauschale sei noch kein Thema, der HFV wolle zunächst die weitere Preisentwicklung abwarten. Immerhin werden zur kommenden Saison die Spesen angepasst. Auf Kreisebene gibt es beispielsweise 8 Euro mehr pro gepfiffenem Spiel, in der Hessenliga 15 (siehe Infokasten).

Ebenfalls neu zur kommenden Saison: Das Pflicht-Soll wird anders berechnet. Für Poth ein »Schritt in die richtige Richtung«. Alles sei dann leistungsgerechter. Die Vereine müssen dann nicht mehr für genügend Schiedsrichter sorgen, sondern ausreichend Spielleitungen garantieren.

Poth macht den Vergleich an seinem Heimatklub VfR Hainchen fest. Aktuell muss der VfR einen Schiedsrichter pro Seniorenmannschaft (A- und B-Team) und einen weiteren für die komplette Jugend stellen. Das sind drei, die jeweils zwölf Partien pfeifen müssen. »Kommen alle jeweils nur auf zehn Partien, müsste der VfR aktuell dreimal bestraft werden«, erklärt er. Im Vergleich: Zur neuen Saison werden 15 Partien für das A-Team und 15 für das B-Team fällig. Dazu kommen noch acht Spiele aus dem Jugendbereich (zehn pro Team oberhalb der E-Jugend, geteilt durch die jeweiligen JSG-Partner). Das sind für Hainchen in der Summe 38 Begegnungen, die angesichts des akuten Schiedsrichtermangels auch von einer Person geleitet werden können. »Auf diese Zahl komme ich locker alleine. Und ab der kommenden Saison wird in meinem Fall nicht bei zwölf Partien aufgehört zu zählen. Wenn ich 38 Begegnungen in einer Spielzeit pfeifen würde, hätte der VfR Hainchen sein Soll erfüllt«, bestätigt Poth. Theoretisch könnten für den VfR aber auch 38 Unparteiische jeweils eine Partie leiten. Es ist egal, wie das Soll erfüllt wird. Einzige Einschränkung: pro Person werden maximal 50 Partien angerechnet.

Gruppenligist FC Alemannia Gedern käme laut Poths Rechnung in der kommenden Saison auf 65 zu leitende Begegnungen. »Ab Sommer gilt unter anderem: Hast du mehr Mannschaften im Juniorenbereich, musst du mehr Spiele leiten. Zudem werden einem Gruppenligisten 30 Spiele angerechnet, weil Gruppenliga-Partien im Gespann gepfiffen und somit für Gederner Partien mehr Unparteiische benötigt werden.« Laut Poth »eine gerechte Lösung«.

Ganz wichtig für den Kreisschiedsrichterobmann: »Vereine können dann wieder Mitglieder berücksichtigen, die pro Saison weniger als zwölf Spiele pfeifen wollen.« Andererseits mache das die Sache für die Schiedsrichteransetzer nicht einfacher, »da manche dann unter Umständen nur einmal pro Monat im Einsatz sind und somit der regelmäßige Kontakt fehlt«.

Sei es drum: So werde das Pflicht-Soll gerechter unter den Vereinen aufgeteilt. Wobei Poth fest davon ausgeht, »dass wir den Nachwuchsmangel im Schiedsrichter-Wesen damit nicht beheben werden«. Die wichtigste Nachricht für die Vereine: Im ersten Jahr wird es keine Punktabzüge bei Verstößen geben. Es geht den Klubs (lediglich) an den Geldbeutel. Von Torben Frieborg

Neue Spesensätze

Hessens Unparteiische erhalten ab der kommenden Saison mehr Geld für die Leitung eines Fußballspiels. Zu den hier aufgeführten Pauschalen gibt es zusätzlich 30 Cent pro gefahrenen Kilometer.

Hessenliga: 75 statt 60 Euro.

Verbandsliga: 60 statt 50 Euro.

Gruppenliga: 40 statt 30 Euro.

Kreisoberliga: 35 statt 25 Euro.

Kreisligen, Freundschaftsspiele, Pokalspiele auf Kreisebene, Reserven, Frauenspiele: 30 statt 22 Euro.

A- und B-Junioren-Gruppenliga: 25 statt 15 Euro.

A- und B-Junioren-Kreisliga: 20 statt 14 Euro.

Alle übrigen Junioren- oder Juniorinnenspiele: 15 statt 12 Euro.

AH-Spiele bleiben unverändert bei 20 Euro.

Bei Sportfesten und Turnieren für Senioren, Frauen und AH-Mannschaften gibt es bei fünf Stunden Anwesenheit 30 Euro (früher 25). Für jede weitere Stunde 10 Euro extra (früher 7). Bei Jugendturnieren gibt es auf jeden Fall 20 Euro (früher 18) und 5 Euro für jede weitere Stunde (früher 4).

Auch interessant