Aufbruchstimmung beim BV Rinderbügen

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RINDERBÜGEN - Rinderbügen. Kein Corona-Frust, keine Durchhalteparolen - beim Fußball-B-Ligisten BV Rinderbügen herrscht stattdessen Aufbruchstimmung. "In einem Verein muss sich immer etwas bewegen. Sobald Stillstand einkehrt, hat man ein Problem. Das wollen wir verhindern", betont Spielausschussvorsitzender Jürgen Kühnl, der sich gleich mehrere Projekte auf die Fahnen geschrieben hat.

Kalkan unterstützt Sarlai

Sportlich scheint der Club für die kommende Saison ebenfalls gut aufgestellt. Unter anderem wechselt Ersin Kalkan (31) vom Gelnhäuser A-Ligisten FSV Hailer in den Fußballkreis Büdingen. "Ersin wird zusammen mit Janos Sarlai unser gleichberechtigtes Spielertrainer-Duo bilden", erklärt der BVR-Vorsitzende Markus Drotleff. Ebenfalls neu sind Sebastian Denhardt (SG Steinberg/Glashütten), Marcel Uhrig (SG Altenhaßlau/Eidengesäß) und Luke Glanz, der aus Norddeutschland nach Rinderbügen zurückkehrt. "Außerdem spielen in der kommenden Saison die aus Moldawien stammenden und in Orleshausen lebenden Viorel Stratulat und Vasile Stratulat für uns. Beide sind riesige Talente", so Drotleff, der die Personalplanungen noch nicht abgeschlossen hat und die Mannschaft weiter verjüngen will.

Auf Kühnls Zettel stehen aktuell insgesamt 50 Namen. Für die erste Mannschaft, die Reserve und das seit zwei Jahren bestehende Altherren-Team. "Das sah vor drei Jahren, als ich zum BVR kam, noch ganz anders aus. Damals hätte der Verein beinahe seine zweite Mannschaft abmelden müssen. Deshalb warben wir kurzerhand mehr als zehn Flüchtlinge an, halfen ihnen bei Behördengängen und der Jobsuche. Und sie spielten für Rinderbügen Fußball. Zwei von ihnen sind heute noch bei uns", berichtet der 68-Jährige, der auch mal einen Flüchtling kurz vor Spielbeginn "bei Deichmann das passende Schuhwerk besorgen musste" und mit dem zusammengewürfelten Haufen am Ende der Runde sogar die Aufstiegsrelegation spielen durfte. Im Jahr darauf verpflichtete und reaktivierte der Club 24 weitere Akteure. "Und jetzt könne wir sagen, dass wir die Corona-Krise überstehen werden und für die Zukunft gut aufgestellt sind", fügt Drotleff hinzu.

Was den Vorstand besonders stolz macht, ist die Tatsache, "dass ein Ort wie Rinderbügen mit lediglich 1000 Einwohnern noch einen eigenständigen Fußballverein stellt". Dafür tue das Führungsteam allerdings viel. "Um die Spieler bei Laune zu halten und eventuell neue Akteure zu gewinnen, muss das Umfeld stimmen", weiß Kühnl. "Zumal wir unseren Jungs, abgesehen von Kilometergeld, nichts zahlen. Wegen einer Bratwurst und Bier bleibt in der Regel kaum einer hier", betont Drotleff. Der BVR stattet seine Spieler stattdessen mit Kleidung aus. Gibt auch Zuschüsse für Fußballschuhe oder Torwarthandschuhe. "Und wir bieten eine tolle Gemeinschaft, organisieren Veranstaltungen", fährt der Vorsitzende des Clubs fort.

Kühnl und seine Vorstandskollegen entwickelten in der Corona-Zwangspause zudem Ideen, wie sie das Vereinsgelände attraktiver gestalten können. "Die Zusammenarbeit mit der Stadt Büdingen klappt sehr gut, weshalb unser Platz in einem hervorragenden Zustand ist. Zudem konnten wir, auch dank der Hilfe unserer Mitglieder, den Parkplatz vor dem Sportheim mit Schotter befestigen", so Kühnl, dessen Tochter Jennifer Kühnl-Nardi als Rechnerin im BVR-Vorstand tätig ist.

Neue Trainingstore sind ebenfalls schon geliefert, nun sollen neue Trainerbänke her. Im Herbst steht die Installation der neuen LED-Flutlichtanlage an. Projektleiter Kühnl hat bereits alle Anträge auf Zuschüsse eingereicht. "Zudem läuft gerade ein Crowdfunding-Projekt mit der VR Bank Main-Kinzig-Büdingen", betont Kühnl. Der BVR wirbt auch in einer Sonderausgabe seiner Vereinszeitschrift, die es seit zwei Jahren gibt, für das Projekt. "Natürlich sind wir bei der Umsetzung immer auf Spendengelder unserer Mitglieder angewiesen. Wir dürfen es aber nicht ausreizen", weiß Drotleff.

Apropos Mitglieder: Aktuell zählt der BVR 172. "In diesem Jahr würde ich gerne die 200 vollmachen", nennt der Spielausschussvorsitzende ein weiteres kleines Projekt.

Eine Mammutaufgabe wird der An- und Umbau des Sportheims. Kühnls Vision: "Wir bauen zwei große Kabinen, in der jeweils 30 Spieler, also erste und zweite Mannschaft zusammen, problemlos Platz haben. Die jetzigen Kabinen würden wir zum Schankraum umfunktionieren. Das alles müssen wir planen und dann schauen, ob wir es finanziell stemmen können."

Jetzt soll aber erst einmal der Ball rollen. Seit ein paar Tagen trainieren die Spieler des 1966 gegründeten Clubs wieder "normal". Und in der kommenden Saison wollen sie vorne mitspielen. "Zum Zeitpunkt der Saison-Annullierung standen wir auf dem dritten Tabellenplatz der Kreisliga B I. Mit Thomas Wilke, Marcel Longerich, Leon Glanz und Co. haben wir eine starke Mannschaft, mit der wir an die jüngsten Leistungen anknüpfen wollen", sagt der 39-jährige Drotleff. "Unser Ziel ist es, in den kommenden zwei, drei Jahren aufzusteigen", stellt Kühnl klar.

Intaktes Vereinsleben

Abseits des Sportplatzes will der Club - wenn es Corona zulässt - mit Veranstaltungen das ohnehin schon gute Zusammengehörigkeitsgefühl weiter fördern. "Bei uns gibt es keine Cliquenbildung. Wir sind eine Gemeinschaft mit einem gut funktionierenden Vereinsleben. Das zeigt sich auch bei Aktionen wie unserer Hütten-Gaudi", erklären Kühnl und Drotleff unisono. Die nächste große Veranstaltung könnte im Herbst mit der Einweihung der Flutlichtanlage auf dem Programm stehen. "Vielleicht können wir ein Flutlichtturnier inklusive Auswahlspiel auf die Beine stellen", hofft der Spielausschussvorsitzende, der jetzt schon für die Stadtmeisterschaft 2024 auf dem Rinderbügener Sportplatz wirbt.

Was die Vorstandscrew des BVR besonders stolz macht: Der B-Ligist hat vier Schiedsrichter und erfüllt somit Jahr für Jahr die Quote. Und wie es aussieht, tut sich auch etwas in Sachen Nachwuchsarbeit. Für Samstag, 12. Juni, ist ein Schnuppertraining für Kinder zwischen 4 und 14 Jahren in Rinderbügen geplant. "Es wäre natürlich toll, wenn wir in absehbarer Zeit wieder eine eigene Jugendmannschaft stellen könnten", sagt Kühnl, dem angesichts der vielen Aufgaben rund um den BVR in naher Zukunft kaum Zeit für ein ruhiges Rentnerleben bleiben wird.

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