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Auf zwei Brettern zum Erfolg

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Am Taufstein läuft Milla Kömpf zum Hessenmeistertitel in der Altersklasse U16. © Stefan Weil

Die 15-jährige Skilangläuferin Milla Kömpf ist das größte Talent in den Reihen des TGV Schotten.

Milla Kömpf hat für die Skiabteilung des TGV Schotten in diesem Winter schon beachtliche Erfolge erzielt. Herausragend waren dabei die beiden Top-Ten-Ränge bei den Rennen zum Deutschlandpokal und zur Deutschen Meisterschaft, bei denen die Nachwuchselite sich jeweils ein Stelldichein gibt. Im Biathlon-Stadion von Oberhof, bei den Titelwettbewerben der Jugendlichen Mitte Februar, lautete die Platz-Bilanz 18, 11 und 10 für die 15-Jährige, die in der Klasse U16 antritt. Sprint, Einzelstart und Massenstart war die Reihenfolge der Rennen, die in drei Tagen bei teils schwierigen Bedingungen mit viel Gegenwind ausgetragen wurden. »Milla hat es drauf«, ist sich ihr Trainer Axel Preiß sicher. Der an der Schottener Vogelsbergschule angestellte Pädagoge und Trainer des TGV-Nachwuchses sowie der Schulmannschaft hatte Milla Kömpf vor rund fünf Jahren entdeckt. Damals - sie wohnt mit ihrer Familie in Ober-Seibertenrod - ging sie noch in die Grundschule von Ulrichstein. Axel Preiß war hier als Sportlehrer eingesetzt. »Dass sie Talent hat, war schnell zu erkennen. Und bei den Skitagen mit Uli Afflerbach hat sie sich gut angestellt.«

Nach dem Wechsel an die Schottener Schule wurde sie in die Talentfördergruppe aufgenommen. Allerdings war der Anfang holprig. »Milla hat etwas Zeit gebraucht. Bei den ersten Rennen war sie ganz weit hinten, doch das hat sie nicht entmutigt«, erinnert sich ihr Trainer. »Milla ist ehrgeizig und hat viel Spaß beim Langlauf.«

Bevor die junge Leistungssportlerin mit dem Skilaufen in Berührung kam, hatte sie bis zum zehnten Lebensjahr Fußball gespielt. Dass sie nun mit Leib und Seele Wintersportlerin ist, hat auch viel mit dem TGV zu tun, wie sie betont. »Der ganze TGV ist wie eine Familie. Ich habe viele Freunde hier und verdanke dem Verein alles, was ich im Sport bisher erreicht habe.« Stellvertretend nennt sie ihren Trainer, dazu Maxemilian Böhler, der im Besitz des A-Trainerscheins ist und sogar Nationalmannschaftsmitglieder trainieren könnte, Rico Schneider und Abteilungsleiter Sebastian Stein. Auch Erwin Mengel, den Ehrenvorsitzenden und Urgestein der Ski-Abteilung, erwähnt sie ausdrücklich.

Zu ihren vielen schönen Erlebnissen gehört ihre Teilnahme an dem Schulwettbewerb »Jugend trainiert für Olympia« im Jahr 2019. Danach fiel die Veranstaltung dreimal aus, wegen Schneemangel und danach zweimal in Folge wegen Corona. Milla Kömpf hat inzwischen das Maximalalter für eine Teilnahme überschritten. Was bleibt ist die schöne Erinnerung an ein für sie einmaliges Ereignis.

Im vergangenen Sommer schien sich etwas Neues im Sportlerleben von Milla Kömpf anzubahnen. Im Sommertrainingslager in Oberhof machte die Ulrichsteinerin Bekanntschaft mit einer Sprungschanze. Das wurde anschließend in Winterberg intensiver getestet. Der dortige Landestrainer Jens Gneckow nahm sich der Jugendlichen besonders an, und nach einigen Trainingsstunden auf kleineren Anlagen ging es sogar über die 40-Meter-Schanze. Zielrichtung war die Nordische Kombination. Hier hätte Milla Kömpf als starke Läuferin durchaus gute Chancen gehabt. Aber es hätte den Umzug nach Westdeutschland nötig gemacht mit dem Einzug ins Skiinternat in Willingen. »Das war mir dann doch zu weit weg von zu Hause. Meine Freunde und meine Familie sind mir sehr wichtig. Ich bin sehr heimatverbunden«, sagt Milla Kömpf. So wurde das Projekt abgebrochen, die junge Sportlerin konnte sich wieder ganz auf das Laufen konzentrieren.

Da sie sehr trainingsfleißig ist, wie Axel Preiß betont, verfügt sie über eine gute Ausdauer, was ihr Vorteile auf den langen Strecken bringt. Aber auch auf den kurzen Sprintdistanzen will Milla Kömpf besser werden.

Hinter den starken Konkurrentinnen aus den Hochburgen Bayerns, Thüringens, Sachsens und dem Schwarzwald braucht sich Milla Kömpf nicht zu verstecken. Schon beim Cup-Lauf des Deutschen Skiverbandes Ende Januar im Schwarzwald wurde sie Zehnte. Im Massenstart des DM-Rennens in Oberhof folgte das gleiche Ergebnis. »Auf der langen Zielgeraden war die Spitze noch in Sichtweite«, rekapituliert sie ihre bisher beste Leistung. In Hessen ist die 15-Jährige in ihrer Altersklasse ohnehin die Stärkste. Auch bei den beiden zusammen mit dem Westdeutschen Skiverband ausgetragenen Titelkämpfen des Landesverbandes, wie zuletzt am Taufstein, lief sie sowohl in der klassischen Diagonaltechnik als auch im Skaten zur Goldmedaille.

Wechsel ins Internat möglich

Eine gute Basis dafür war der schneesichere »Taufstein-Gletscher«, der in diesem Winter ein kontinuierliches Training von Ende November bis heute ermöglicht - mit nur sieben Tagen Unterbrechung über den Jahreswechsel. »Das ist unser Faustpfand«, weiß Axel Preiß.

Allerdings muss Milla Kömpf öfters alleine trainieren. Ihre frühere Trainingspartnerin Sophia von Schlichtkrull, ebenfalls mit viel Talent ausgestattet, hat inzwischen mit dem leistungsmäßigen Skilanglauf aufgehört.

»Milla hat viel Ehrgeiz und trainiert sehr zielgerichtet und verantwortungsvoll«, wirft ihr Trainer Axel Preiß in die Waagschale. Er betont auch die wichtige Rolle der Eltern, die »absolut dahinter stehen« müssten. Er traut seinem Schützling zu, sich für höhere Weihen zu qualifizieren, vielleicht in naher Zukunft die Aufnahme in den Nationalkader zu schaffen. »Das wäre cool, auch um neue Leute kennenzulernen und mit denen zusammen zu trainieren«, sagt Milla Kömpf dazu mit einem erwartungsvollen Blick in die Zukunft.

Für die Neuntklässlerin steht im Sommer 2023 eine wichtige Entscheidung an. Ein Unterricht in der Oberstufe bis zum Abitur ist nur sehr schwer mit dem zeitaufwendigen Training einer Skilangläuferin zu verbinden. Zudem stehen im Herbst eines Trainingsjahres und im frühen Winter viele Lehrgänge an, die einem normalen Schulalltag entgegenstehen. Milla Kömpf liebäugelt daher, vielleicht zu einem Ski-Internat zu wechseln, um ihren Sport auf hohen Niveau weiter betreiben zu können. Oberhof und Oberstdorf nennt sie dabei - Orte mit klingendem Namen im Wintersport.

Ein Schritt, zu dem ihr Axel Preiß rät. Er hat vor rund zehn Jahren in Oberhof auch Viktoria Carl trainiert, die frisch gebackene Olympiasiegerin im Teamsprint.

Gefragt nach ihren Hobbys neben dem Sport, sagt Milla Kömpf: »Ich feiere gerne. Aber das ist vielleicht nicht unbedingt typisch für eine Leistungssportlerin.«

Die Skisaison ist für die Ulrichsteinerin noch nicht zu Ende. An diesem Wochenende steht am Arbersee im Bayerischen Wald der letzte Wettbewerb des Deutschlandpokals auf dem Programm. Und am ersten Aprilwochenende finden in Oberwiesenthal die deutschen Meisterschaften über die langen Strecken und im Staffellauf statt. Noch einmal zehn Kilometer heißt es dann für die junge Skilangläuferin alles zu geben. Sie wird dabei unterstützt werden von mehreren Skikameraden des TGV, die ebenfalls bei der DM im Einzel und als Team an den Start gehen werden. Stefan Weil

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