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Alte Pläne neu aufgerollt

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Soll Handball künftig im Rahmen der Olympischen Winterspiele ausgetragen werden? Die Debatte darüber hat neuen Schwung aufgenommen. © Imago Sportfotodienst GmbH

Der Kreis-Anzeiger hört sich in der heimischen Handball-Szene um und fängt ein Stimmungsbild ein.

Region (flo/sid). Die Idee an sich ist nicht neu. Hassan Moustafa, Präsident der Internationalen Handballföderation (IHF), brachte das Gedankenspiel bereits vor zehn Jahren erstmals ein. Nun aber hat die Überlegung wieder Fahrt aufgenommen: Soll Handball von den Olympischen Sommer- zu den Winterspielen übersiedeln? Soll Handball also neben Biathlon, Curling und Eiskunstlaufen über die Bühne gehen?

Der Hintergrund der Planspiele liegt auf der Hand: Der Terminkalender der Profis ist übervoll. Die Debatte über eine viel zu hohe Belastung kocht in aller Regelmäßigkeit hoch. »Ich bin ein Spieler, der gerne alle Turniere spielen will und ich genieße jeden Auftritt mit der Nationalmannschaft, aber drei Turniere in 13 Monaten waren extrem«, sagt etwa Nationalspieler Johannes Golla. Der Kreisläufer des Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt hat im zurückliegenden Jahr mit seinem Verein in Meisterschaft, Pokal und Champions League gespielt, war dazu mit dem DHB-Team bei der WM, der EM sowie den Olympischen Spielen. Sollte Handball von den Sommer- zu den Winterspielen wechseln, »so könnte«, befindet DHB-Präsident Andreas Michelmann, »der internationale Kalender entzerrt, die Belastung der Spieler minimiert werden.« Denn: Im Jahr der Winterspiele sollen sodann EM oder WM wegfallen. Was in der Theorie einfach klingt, dürfte in der praktischen Umsetzung weitaus komplizierter werden. Der europäische Verband EHF sowie der Weltverband IHF müssten alle vier Jahre im Wechsel auf ein Turnier verzichten. »Das«, weiß Michelmann, »wird sportpolitisch nicht so einfach durchzusetzen sein.«

Wie aber nimmt die sportliche Basis die Gedankenspiele wahr? »Die physische und emotionale Belastung der Profis ist natürlich hoch, gerade für die, die dann bei Olympia tatsächlich dabei sind«, sagt Christian Breiler, der die Drittligafrauen der HSG Gedern/Nidda trainiert. Aber: »Ich bin nicht der Meinung, dass man alles ändern muss. Handball war immer bei den Sommerspielen und ich finde, dass es da auch eher hingehört.«

Seine Spielerin Kirsten Schindler sieht indes durchaus Argumente, Handball bei der Winterolympiade zu platzieren. »Europa- und Weltmeisterschaften sind ohnehin im Winter. Außerdem würde eine Verlegung in den saisonalen Zyklus unserer Sportart passen. Bei den Olympischen Sommerspielen ist im Handball eher Vorbereitungszeit, im Winter hingegen ist man auf dem besten Niveau, physisch voll auf der Höhe«, gibt die 24-Jährige zu bedenken. Aber: »Auf der anderen Seite ist Handball eben bedeutend näher am Basketball oder Fußball als an den klassischen Wintersportarten, auch aus der Olympia-Historie heraus gehört es für mich eher zu den Sommerspielen.«

Erik Holz, Vorsitzender der HSG Oberhessen, sagt: »Ich finde diese Überlegung nicht gut und könnte mich damit auch nicht anfreunden.« Natürlich gäbe es Diskussionspunkte und hätten die Profis eine hohe Belastung. »Aber für mich ist Handball kein Sport für eine Winterolympiade. Es passt da nicht wirklich ins Bild.«

Nicht zu unterschlagen: Bei Olympia sind sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen lediglich zwölf Teams dabei. Neben dem Gastgeber sind der Weltmeister sowie die vier Sieger der Kontinentalwettbewerbe gesetzt. Es stehen also weitaus weniger Plätze als bei Europa- und Weltmeisterschaften zur Verfügung. »Großereignisse im Free-TV sind enorm wichtig für unsere Sportart, weil sie sonst im Dunkeln bleibt. Ein Kind, das nicht aus einer Handballer-Familie kommt, sieht außerhalb der Nationalmannschaft keinen Handball. Für unsere Nachwuchsarbeit ist die Präsenz des Nationalteams also ganz entscheidend«, betont Gedern/Niddas Trainer Breiler. Auch Holz meint: »Wenn man sich dann mal nicht qualifiziert, ist der Handball gar nicht präsent. Dabei kämpfen wir ja ohnehin um Beachtung. Das wäre blöd für die Sportart.«

Umgesetzt werden könnte die Idee frühestens zu den Winterspielen 2030, da WM und EM bis 2028 - dem Jahr der übernächsten Sommerspiele - vergeben sind.

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