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Alemannia Gedern in Favoritenrolle

Die Fußball-Kreisoberliga Büdingen ist so stark besetzt wie lange nicht. Aus der Gruppenliga Frankfurt Ost stiegen nach der Saison 2021/22 alle drei Kreisvertreter ab. Anders als die Mitabsteiger Sportfreunde Oberau und Viktoria Nidda verfehlte der FC Alemannia Gedern den Klassenerhalt nur knapp und geht daher auch als Titelanwärter Nummer eins in die neue Saison.

Der Kader des FC Alemannia Gedern in der Kreisoberliga Büdingen um Spielertrainer Jannik Jung blieb weitgehend zusammen, fast alle Leistungsträger der abgelaufenen Saison haben den Gelb-Schwarzen die Treue gehalten. Der Wiederaufstieg ist daher ein realistisches Ziel. »Ich glaube, dass die Kreisoberliga durch die drei Absteiger und die SG Wallernhausen/Fauerbach als starken Aufsteiger in diesem Jahr deutlich besser besetzt ist als in der vergangenen Saison. Ich rechne daher auch mit einem engen und langen Kampf um den Aufstieg in die Gruppenliga. Wir hoffen natürlich, dass wir möglichst lange bei diesem Kampf mitmischen können«, meint Jung. Interessant: In der jährlichen Umfrage des Kreis-Anzeigers im Vorfeld der neuen Saison gibt es heuer keinen einzigen Verein, der den FC Alemannia Gedern nicht als Favoriten auf dem Zettel stehen hat. Lediglich der FCA selbst nennt sich ganz bescheiden selbst nicht, sondern schiebt Mitaufsteiger Sportfreunde Oberau die Favoritenrolle zu. Der Meister steigt am Ende direkt in die Gruppenliga Frankfurt Ost auf, der Tabellenzweite darf in dieser Saison sich wieder in der Aufstiegsrunde versuchen. Die Auslosung bescherte dem Fußballkreis Büdingen aber das wohl schwerstmögliche Duell: Der Vizemeister der Kreisoberliga Büdingen muss sich auf neutralem Platz gegen den Vizemeister der Kreisoberliga Offenbach behaupten, um im Erfolgsfall in der Dreierrunde um einen Gruppenligaplatz mitmischen zu dürfen.

Die Sportfreunde Oberau wollen nach einem personellen Umbruch unter die besten drei Teams. Mit Daniel Böhmer steht nun ein Trainer in der Verantwortung, der weiß, wie man in die Gruppenliga aufsteigt. In der vergangenen Runde gelang Böhmer mit dem 1. FC Erlensee II die Meisterschaft in der Kreisoberliga Hanau. Seine Entscheidung, in Oberau eine neue Herausforderung zu suchen, traf der Übungsleiter frühzeitig. Trotz des Abstiegs seines neuen Vereins sieht Böhmer den Wechsel für sich persönlich als wegweisenden Schritt an. »Mich reizt es, eine erste Mannschaft trainieren zu können«, sagte er nach Bekanntgabe des Wechsels. Obwohl es im Kader der Sportfreunde einige Veränderungen gab - unter anderem verließen die Toptorjäger Paul Kipper (SG Rechtenbach) und Stefano Amore (SG Bruchköbel) den Verein - dürften die Oberauer aufgrund des immer noch stark besetzten Kaders in der Kreisoberliga um die vorderen Plätze mitmischen. Böhmer will ein neues Spielsystem einführen und nennt das Erarbeiten von Spielprinzipien neben der Entwicklung der jungen Spieler als wichtigste Ziele für eine feste Kaderstruktur.

Beim Gruppenliga-Absteiger SC Viktoria Nidda ist der zuletzt als Interimstrainer fungierende Christoph Pilch in die Rolle des Sportlichen Leiters geschlüpft. Auch als Spieler unterstützt er den sportlichen Neuaufbau unter dem neuen Spielertrainer-Gespann Johannes Herzen und Maurice Ludwig. Keine Frage: Auch die Viktoria will um die Vergabe der ersten Plätze ein gehöriges Wörtchen mitreden. Für Johannes Herzen kommen die beiden Topfavoriten allerdings aus Gedern und Oberau. »Die Punktausbeute der Viktoria in der vergangenen Runde spricht ja Bände. Trotzdem wollen wir unter die Top Fünf.« Das neue Trainerduo hat auf der Gänsweid so etwas wie Aufbruchstimmung vernommen. »Die Mannschaft zieht gut mit, die Jungs haben Bock auf die neue Saison«, frohlockt Herzen.

Ambitioniert ist weiterhin der KSV Eschenrod . In der vergangenen Saison platzten die Meisterträume der Vogelsberger in der Rückrunde. Der KSV war von vielen Ausfällen gebeutelt. Der SV Ranstadt nutzte die Gunst der Stunde, schnappte sich die Meisterschaft und wird den Fußballkreis Büdingen in der neuen Saison als einziger Verein in der Gruppenliga Frankfurt Ost vertreten. Mit einigen Neuverpflichtungen, darunter Rückkehrer Justin Lohrey vom FC Alemannia Gedern, will die Truppe von Trainer Frederick Ußner neu angreifen. Aufgrund der kurzen Pause spricht der Trainer von einer nicht einfachen Vorbereitung. »Wir haben auch ein schweres Startprogramm mit englischen Wochen und den Duellen gegen die Favoriten Gedern und Nidda gleich zu Beginn«, erläutert Ußner.

Bei der FSG Ober-Schmitten/Eichelsdorf , in der Vorsaison starker Dritter, freut sich der frischgebackene B-Lizenztrainer Ferdijan Idic vor allem auf die reizvollen Derbys gegen Viktoria Nidda. Hinsichtlich der Zielsetzung nimmt der höherklassig erfahrene Offensivspieler den Mund nicht zu voll. »Wir haben drei Stammspieler verloren und unser Kader war schon in der vergangenen Saison nicht allzu groß. Wir müssen in dieser Saison in einer qualitativ guten Liga wohl kleinere Brötchen backen.« In der vergangenen Saison stand die FSG einige Zeit auf Rang eins und träumte zur Winterpause vom Gruppenliga-Aufstieg. Im Rennen um die Spitzenplätze scheinen nun andere Teams die besseren Karten zu haben. Für eine positive Überraschung ist die Niddaer Spielgemeinschaft aber allemal gut.

Der SV Phönix Düdelsheim landete in der vergangenen Runde auf dem vierten Platz, hatte aber zu keiner Phase der Saison etwas mit dem Aufstieg zu tun. Eine Wiederholung der Platzierung aus der Vorsaison wäre für das Team von Andreas Sommer ein guter Erfolg. Die Gelb-Schwarzen müssen nämlich erst einmal ohne Toptorjäger Marvin Schneider auskommen, der wegen Knieproblemen eine Pause einlegen muss. Ersatz kam vom Kreisoberliga-Absteiger FSG Altenstadt. Der auch schon für die Sportfreunde Oberau am Ball gewesene Christian May soll das Offensivspiel des SVP beleben.

Ein Kandidat für das vordere Drittel ist traditionell auch der SV Blau-Weiß Schotten . Trainer Christoph Barschtipan stapelt in seinem vierten und gleichzeitig letzten Vertragsjahr aber tief. »Ich erwarte eine schwierige Runde und wäre mit einem Platz im vorderen Mittelfeld zufrieden«, sagt er. Lediglich sieben Trainingseinheiten auf dem Rasenfeld konnte Barschtipan mit seinem Team absolvieren. »Es war wohl die kürzeste Vorbereitung aller Zeiten, doch ich bin zufrieden. Die Jungs haben mitgezogen und die Ergebnisse in den Testspielen und im Pokal waren gut«, erzählt der Trainerroutinier. Da in den ersten Augustwochen einige Stammspieler im Urlaub sind, müssen die Blau-Weißen personell improvisieren.

Gerne vorne mitmischen möchte auch der VfR Wenings . Matthias Haas hat Spielertrainer Adrian Ionescu auf der sportlichen Kommandobrücke abgelöst - die Grün-Weißen setzen mit ihm auf eine interne Lösung. Nach einer von intensiven Einheiten geprägten Vorbereitungsphase ist der VfR in der ersten Pokalrunde krachend gescheitert. »Klar waren einige Ausfälle zu beklagen, aber das darf keine Ausrede sein. Ich habe eine Mannschaft, welche jederzeit in der Lage ist, jeden Gegner zu schlagen, wenn die Einstellung stimmt«, kommentierte Haas die 1:5-Niederlage beim A-Liga-Neuling 1. FC Lorbach. Mit durchschnittlichen 18 Spielern im Training ist der neue Coach zufrieden gewesen. »Wir müssen spielerisch noch einige Punkte verbessern, aber wenn alle Spieler zurückkehren, sehe ich uns auf einem guten Weg, in der Liga ein ordentliches Wort mitzusprechen«, so Haas.

Eine gute Rolle spielte zuletzt der VfB Höchst . »Meine Ansprüche sind hoch, vielleicht können wir ja noch den einen oder anderen Platz nach oben klettern«, hofft Trainer Christopher Knoblauch. Zuletzt wurde sein Team Siebter. Die vor der Saison definierten Ziele wurden somit erreicht, doch lange Zeit sah es so aus, als könnte der Verein aus dem Altenstädter Gemeindeteil sogar ans Tor zur Gruppenliga Frankfurt Ost anklopfen. Nach der Hinrunde waren die Höchster auf Schlagdistanz mit den Spitzenteams. Während im Jahr 2022 das Überraschungsteam vom SV Ranstadt auf und davon zog und die Meisterschaft klarmachte, zwangen personelle Probleme den VfB Höchst in die Knie. Richtig heiß sind die Höchster Fußballer auf die bevorstehenden Nachbarschaftsduelle mit den Sportfreunden Oberau. »Generell will ich jedes einzelne Derby gewinnen«, schickt Christopher Knoblauch schon mal eine kleine Kampfansage nach Oberau. Personell hat sich in der zurückliegenden Sommerpause in Höchst einiges getan. Der Gesamtkader wurde mit mehr als zehn Neuzugängen verbreitert. Von der SG Marköbel wechselte Ersatztorwart Marius Weitzel zum VfB. Der Ex-Lindheimer will in Höchst die neue Nummer eins werden. Aus der zweiten Mannschaft der SGM verabschieden sich zudem Patrick Gärtner, Niklas Störkel, Scott Eckhardt in Richtung Höchst, vom Nachbarn Langen-Bergheim stößt Max Eberle zum VfB. Viel erhofft sich Christopher Knoblauch von der Rückkehr von Sebastian Repp, der zuletzt für den Kreisoberliga-Absteiger SG Nieder-Mockstadt/Stammheim spielte.

Auf seine nachhaltige Jugendarbeit setzt der SV Seemental . Spielertrainer Dominic Höhl möchte in seiner ersten kompletten Saison als verantwortlicher Trainer mehrere Talente einbauen. Gerne fernab des Abstiegskampfs in sicheren Tabellengefilden. Qualität für einen soliden Rang ist im Kader des SVS vorhanden, auch wenn im Mittelfeld mit Tobias Silberling (Hochland Fischborn) und Lucas Schmidt (SG Marköbel) zwei einstige Stammspieler ersetzt werden müssen. Eine Wiederholung des achten Tabellenplatzes wäre aus Sicht der Seementaler ein ordentliches Saisonergebnis (Teil zwei der Saisonvorschau siehe Seite 13).

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Der VfB Höchst präsentiert sich mit den Neuzugängen (links von oben) Akim Göckel, Luca Vindigni und Steve Ronneberger; (rechts von oben) Sebastian Repp, Sascha Finkernagel und Scott Eckhardt; eingerahmt von den beiden Trainern (hintere Reihe, von links) Emil Schlicht, Niklas Störkel, Maximilian Eberle und Marius Weitzel; (vordere Reihe, von links) Yannick Halm, Elias Leonhardt, Robin Kinzer-Valencia und Patrick Gärtner.