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Kurioses, Ärgerliches, Peinliches: Der gemeinsame Weg von Bad Nauheim und Krefeld

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Es war einmal! Die Wege der Eishockey-Standorte Bad Nauheim und Krefeld kreuzen sich seit mehr als sieben Jahrzehnten. Unser Bild entstand 1947 und zeigt den VfL in dunklen und die Rheinländer in hellen Trikots. © Red

Bad Nauheim vs. Krefeld - Tradition pur. Im Kurpark jagen die Roten Teufel seit 1946 dem Puck nach, die Rheinländer sind von Beginn an Begleiter. Vor dem Freitag-Duell blicken wir ins Archiv.

Bereits in der ersten Punktspiel-Saison des VfL Bad Nauheim war Krefeld zu Gast im Hundert-Tage-Stadion, und das gleich mit zwei Mannschaften. Der Krefelder EV und auch Preußen Krefeld waren in der damaligen Oberliga Nord am Start und bildeten mit dem Nord-Meister VfL Bad Nauheim das Spitzentrio vor so renommierten Klubs aus Köln, Hamburg und Berlin. 1951 (Preußen Krefeld) und 1952 (Krefelder EV) stellten die Nordrhein-Westfalen sogar den Deutschen Meister und konnten im Jahr 2003 als Krefelder Pinguine das Kunststück noch einmal wiederholen.

Die gemeinsame Historie der beiden Eishockey-Städte zeigt Kurioses, Ärgerliches, Peinliches, aber auch Mitreißendes - und sehr viel Verbindendes. Kein Wunder, denn bisher wurden genau 200 Spiele zwischen den beiden Städten ausgetragen.

Außergewöhnliche Absprache

In der Saison 1955/56 war es zu einem wohl einmaligen Agreement gekommen, als Bad Nauheim in seinem vorletzten Punktspiel in der Oberliga bei dem abstiegsgefährdeten Klub Preußen Krefeld anzutreten hatte. Da dieses Spiel parallel zu einem Länderspiel gegen die USA ausgetragen wurde, zu dem die Preußen einen Spieler abstellten, verständigte man sich darauf, dass diese Partie nur dann gewertet werden würde, falls die Preußen nicht verlieren würden. Andernfalls sollte das Spiel - dann mit dem Nationalspieler - wiederholt werden. Bad Nauheim gewann mit 6:0. Es blieb bei diesem Resultat, da Preußen Krefeld auch ohne Nachholspiel den Abstieg vermeiden konnte. Erst 1971 ereilte die Preußen der finanzielle Kollaps. Seitdem repräsentiert der KEV alleine die Krefelder Farben im Eishockey.

Am Grünen Tisch

Im Sommer 1995 kam es zwischen dem EC Bad Nauheim und diesem Verein zum Kräftemessen am Grünen Tisch beim Kampf um die DEL-Teilnahme für die Saison 1995/96. Im ersten Jahr unter neuer Liga-Bezeichnung herrschte in der DEL ein regelrechtes Chaos. Meister Mad Dogs München stieg aus, Gründungsmitglied Krefelder EV war hoch verschuldet. Der EC Bad Nauheim, nach einem Konkurs nun unter Raymond Schüttke ein aufstrebender Zweitligist, bewarb sich um einen Platz in der DEL, gab Lizenz-Unterlagen ab. Die Fachzeitung »Eishockey-News« hatte den EC schon als Erstliga-Teilnehmer in ihrem Sonderheft berücksichtigt. Doch Krefeld schüttelte noch ein Sanierungskonzept aus dem Ärmel und erhielt die Zulassung.

Schützenfeste

Sportlich gab es Duelle zwischen den beiden Städten in der ersten, der zweiten und der dritten Liga. Oft waren die Spiele eng, mitunter gab es aber auch zweistellige Ergebnisse. Das torreichste Match fand in der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga in der Saison 1986/87 statt. Schon in der Punktrunde der zweiten Liga war man auf Augenhöhe und belegte die Plätze drei (KEV) und vier (EC). Im Heimspiel der Aufstiegsrunde erzielten die Roten Teufel zehn Treffer, doch das reichte nicht angesichts der 14 Tore des KEV.

Der deutlichste Sieg für Bad Nauheim datiert vom 4. November 2011. Damals, in der Oberliga, konnte ein 11:0-Schützenfest gefeiert werden, gegen die »zweite Mannschaft« allerdings.

Die heftigste Klatsche gab es in der Oberligarunde der Saison 1954/55. Dem KEV gelang das Kunststück, den VfL mit 11:1 regelrecht an die Wand zu fahren; zu allem Unglück auch noch in dessen Hundert-Tage-Stadion.

Bemerkenswert sind auch die Verbindungen beider Vereine. Nicht wenige Spieler trugen sowohl das Trikot von Krefeld wie auch von Bad Nauheim. Ein Beispiel ist Herbert Schibukat, Publikumsliebling der allerersten Stunde. Er wechselte von Bad Nauheim nach Krefeld und fand dort sein Glück. Den umgekehrten Weg ging Willi Winkes. 1960 kam »Gemüse-Willi« in die Kurstadt, heiratete eine Ober-Mörlerin und blieb in der Wetterau. Miroslav Slezak, begnadeter Techniker aus den 1970er Jahren, spielte in Bad Nauheim, wechselte nach Krefeld und kam wieder in die Wetterau zurück.

Es gibt noch zahlreiche bekannte Namen aus früherer und aus jüngerer Zeit, die Fans in beiden Städten immer wieder gerne in den Mund nehmen. Kurt Schmollinga, Georg Kowarik, Toni Barczikowski, Wolfgang Hellwig, Paul Langner, Frank Gentges, Jason Meyer, Ken Karpuk, Phil Huber, Sinan Akdag, Diego Hofland, Alex Trivellato sind nur einige Beispiele.

Wie das Kräfteverhältnis in dieser Saison aussehen wird, muss sich zeigen. Krefeld geht mit dem Ziel des direkten Wiederaufstiegs in die Runde. Die Pinguine hatten sich lange gesträubt, den Abstieg zu akzeptieren. Angesichts der zweiten Corona-Saison hätten sie sehr viel lieber eine DEL-Saison ohne Absteiger gesehen. Doch letztlich erklärte Geschäftsführer Sergey Saveljev: »Wir können uns jetzt mit vollem Herzblut auf die Saison in der DEL2 vorbereiten und haben einen Kader zusammengestellt, der es uns ermöglicht, schnell wieder dorthin zu kommen, wo wir hingehören.«

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Dieser Beitrag von Thomas W. König ist auch im aktuellen Stadionmagazin »EC-News« nachzulesen.

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