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Energiekrise, Stadion, GmbH-Struktur: Die EC-Geschäftsführer beziehen Stellung

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Von: Michael Nickolaus

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Interview im VIP-Raum (von links): WZ-Sportredaktteur Michael Nickolaus mit den Geschäftsführern Andreas Ortwein und Tim Talhoff. © Red

Andreas Ortwein und Tim Talhoff bilden die Doppelspitze des EC Bad Nauheim. Zum Saisonstart sprechen die beiden Geschäftsführer der Roten Teufel über die Themen Energie, Spielstätte und GmbH-Struktur.

Auf die Corona-Pandemie folgt der Krieg in der Ukraine mit Folgen für den Energie-Markt. Inwieweit ist wird dies bei den Roten Teufeln zum Thema?

Talhoff: Das ist gleich in mehrerlei Hinsicht von Bedeutung. Zum einen hat das Einfluss auf den Stadionbetrieb, wo - wie in jedem öffentlichen Gebäude - Maßnahmen ergriffen werden, um den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Natürlich spüren wir die Preiserhöhungen auch beim Thema Wohnungen, Reisekosten und vor allem auch bei den Einkaufspreisen im Catering.

Inwiefern ist die Energiekrise ein Thema in der DEL2? Ist der reguläre Saisonverlauf gefährdet?

Talhoff: Natürlich ist das ein großes Thema. Und nach den Erfahrungen der Pandemie sollte man niemals nie sagen. Der Profi-Sport ist da gewiss privilegiert. Kommt aber von den Ländern eine Anordnung, kann das zu Problemen führen. Deshalb steht DEL2-Geschäftsführer Rene Rudorisch mit allen im engen Austausch.

Als einziger Profiklub konnte Bad Nauheim erst eine Woche vor Saisonstart im eigenen Stadion auf das Eis. Inwiefern können Sie Verständnis aufbringen?

Ortwein: Sportlich ist das natürlich alles andere als optimal. Die Maßnahmen, die jetzt im Stadion getroffen wurden, helfen uns aber perspektivisch und waren infrastrukturell notwendig. Wir hoffen, die Maßnahmen, die für 2023 geplant sind, damit klein halten zu können. Gelingt uns dies nicht, könnten die Arbeiten im kommenden Sommer bis in den Saisonbetrieb hineinreichen. Die Kröte, die wir jetzt schlucken, ist hoffentlich dienlich für die Zukunft.

Hinter den Roten Teufeln liegt die erfolgreichste Saison seit 2004. Erstmals konnte die Marke von 1000 verkauften Dauerkarten geknackt werden. Inwiefern ist es gelungen, diesen Erfolg zu vermarkten?

Talhoff: Wachstum haben wir bislang in jeder Saison verzeichnen können. In diesem Jahr konnte die Marke von einer Million Euro (1,3 Mio Euro) zum ersten Mal übertroffen werden. Der sportliche Erfolg mit der entsprechenden Euphorie ist ein wesentlicher Faktor. Das Netzwerk der neuen Hauptgesellschafter spielt ebenso eine große Rolle wie die intensive Partnerpflege und die hervorragende Arbeit unseres Marketingteams, welches unsere Marke und Werte mit einem geschickten Storytelling schärft. Alle diese Punkte greifen aktuell hervorragend ineinander, sodass wir gemeinsam ein Wachstum verzeichnen können.

Vier Wochen Vorbereitung in auswärtigen Eishallen, höhere Energiekosten - wie ist das alles abzufedern?

Ortwein: Wir haben in unserem Budget ein gewisses Maß an ungeplanten Ausgaben. Dieses Maß - das lässt sich bereits sagen - ist bereits überschritten. Das heißt: Wir müssen zusätzliche Einnahmen generieren. Im Aufsichtsrat wurde das Thema offen kommuniziert. Am Ende der Saison wird man sehen, ob da ein Delta ausgeglichen werden muss..

Die DEL2 feiert ihren zehnten Geburtstag. Der EC ist von Beginn an dabei. Wo sehen Sie die Roten Teufel in ihrer Entwicklung?

Ortwein: In sechs der vergangenen sieben Jahre wurde eine Top-Ten-Position erreicht. Die Roten Teufel stehen stabil da, sind etabliert. Vorne gibt es drei, vier Klubs, die wohl nie mit dem Abstiegskampf zu tun haben werden, alle anderen kann es bei einem schlechten Jahr einmal erwischen. Die Liga ist extrem ausgeglichen, und dessen müssen wir uns bewusst sein. Ich denke, dass wir nach Platz fünf im Vorjahr eine entsprechende sportliche Substanz für eine Viertelfinal-Teilnahme haben und - dank Partner Köln - Tiefe und dort eine gewisse Qualität. Ob’s erneut für die Top Sechs reicht, wird man sehen

Bezüglich einer neuen Arean gab’s im Sommer positive Signale. Wie ist der Status quo einzuordnen?

Ortwein: Die Politik hat den Auftrag erteilt, den nächsten Schritt zu gehen. Das ist sehr positiv, aber noch kein Grund zur Euphorie. Die Pandemie und der Ukraine-Krieg haben uns zeitlich ausgebremst, haben Kurskorrekturen notwendig gemacht. Die Politik hat uns das Vertrauen ausgesprochen und klare Handlungsaufträge erteilt. Unsere Aufgabe ist es nun, mit Investoren zu sprechen und am Businessplan zu arbeiten, um einen Grundsatzbeschluss im Frühjahr 2023 erreichen zu können.

Wann könnte im Optimalfall in einer neuen Arena gespielt werden?

Ortwein: Man kann von einer reinen Bauzeit von 18 bis 20 Monaten ausgehen. Wie viel Zeit das Planungs- und Ausschreibungsverfahren erfordert, lässt sich schwer voraussagen. Klar ist: Wir müssen eine außergewöhnliche Zeitschiene schaffen, weil wir am alten Standort einem Ende entgegensteuern.

Die Spielbetriebs GmbH hatte einst vier Gesellschafter. Inzwischen ist die Zahl der Aufsichtsräte zweistellig. Wie groß soll dieser Kreis werden?

Talhoff: Eigenkapital kann der Klub nie genug haben. Wir hatten einst die Vision von 20 Hauptgesellschaftern, um wirtschaftliche Themen leichter auffangen zu können. Aber nicht nur die Hauptgesellschafter spielen hierbei eine Rolle, sondern auch die vielen Kommanditisten, die mit kleinen Beträgen ebenfalls für eine große Summe des Eigenkapitals beitragen, Dennoch sind wir an einem Punkt, an dem wir unsere internen Strukturen optimieren müssen. Das ist ein normaler Prozess. Ein Instrument hierbei sind unsere Ausschüsse, um entsprechende Sachthemen durch Fachleute zu kanalisieren und weitere Meinungen, sowie Ideen einholen zu können. Aus diesen Gremien sind daher schon viele Ideen entstanden und umgesetzt worden.

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