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DEL2-Geschäftsführer Rudorisch: »Einen riesigen Schritt gemacht«

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René Rudorisch ist der Geschäftsführerr der Deutschen Eishockey-Liga 2. Unser Bild zeigt ihn bei einem Besuch in Bad Nauheim. © Red

René Rudorisch ist der DEL 2-Geschäftsführer. Vor der Saison 2022/23 blickt der 44-Jährige auf die Höhepunkte einer Dekade zurück und zeigt die nächsten wichtigen Schritte der Liga auf - mit Blick auf Verzahnung und weitere Werbepartner.

René Rudorisch, die Liga steht vor ihrer zehnjährigen Jubiläumssaison. Können die Fans etwas Besonderes erwarten?

Wir wollen die zehnte Saison nutzen, um kommunikativ immer mal wieder auf die letzten Jahre zurückzublicken. Das angepasste Saison-Logo ist ja bereits bekannt. Das werden wir vor allem auf den Liga-Kanälen, den offiziellen Spieltrikots, den Eisflächen und auf den Topscorer-Helmen im Einsatz haben.

Blicken wir gleich etwas zurück: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der DEL2 seit ihrer Gründung? Sind Sie zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg der zweiten Liga?

Die Klubs und die Liga können meiner Meinung nach ausgesprochen zufrieden sein. Die Liga hat in den letzten Jahren einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Die DEL2 kann sich sehen lassen, bietet hochkarätigen Sport, und auch die Klubs sind deutlich professioneller aufgestellt. Es macht Spaß, die Spiele live zu verfolgen. Auch der Außenauftritt der Liga wurde wesentlich in den letzten Jahren neu aufgebaut.

Was waren Ihre persönlichen Highlights der DEL2-Historie?

Es gab für mich jedes Jahr Highlights. Alle gehören zu einer tollen Historie der DEL2 und den Entwicklungen in der Liga. Vor allem, weil wir es immer wieder geschafft haben, Besonderheiten einzuführen und dabei auch einmal andere Wege zu gehen. Besonders fallen mir unsere bereits absolvierten Event Games ein. Wir sind die erste zweite Liga im Mannschaftssport, neben dem Fußball, die es gewagt und geschafft hat, Fußball-Stadien zu Ligaspielen zu füllen. Unser Summer Game in Frankfurt war meines Wissens das erste in Europa ausgetragene Open-Air-Spiel einer Liga im Sommer. Und das vor 30 000 Zuschauern. Doch auch die teilweise langwierigen, am Ende erfolgreichen Verhandlungen mit der DEL zur Einführung eines durchgängigen Auf- und Abstiegs im deutschen Eishockeysport waren etwas Besonderes und machen uns vor allem im erreichten Ergebnis stolz. Dazukommt die diesjährige erstmalige Auslosung unseres Spielplans. Auch das war für den Mannschaftssport in Bezug auf den Ligaspielplan eine erstmalige Durchführung in Deutschland.

Wo sehen Sie anlässlich des Jubiläums noch die größten Baustellen, was den Weg der Liga angeht?

Als Liga willst du immer weiter wachsen und die Klubs entwickeln und auch finanziell dabei unterstützen. Zwar haben wir in den letzten Jahren bereits erfolgreich nachgewiesen, dass die aufstrebende DEL2 Potenzial für die Vermarktung bietet und attraktiv für Partner ist, doch wir wollen in diesen Bereichen weiter wachsen. Auch der mit der DEL eingeführte Auf- und Abstieg muss in den kommenden Jahren weiter besprochen werden und im Sinne des Sports und der Entwicklung unserer Liga die Chance zur Nachjustierung erhalten.

Der erste Sommer mit kompletter Verzahnung nach oben und unten liegt hinter Ihnen. Wie glücklich sind Sie über diese Entwicklung, die Jahre des Vorlaufs bedurfte?

Darüber bin ich extrem glücklich, denn vor allem die Klubs haben in den letzten Jahren viel geleistet, um diese Verzahnung nach oben wieder zu öffnen.

Mit den Krefeld Pinguinen kommt ein hochinteressanter und traditionsreicher Standort in die DEL2. Wie fällt Ihre erste Bewertung zum Absteiger aus der DEL aus?

Wir freuen uns auf die Krefeld Pinguine und ihre Fans. Krefeld ist ein Eishockeystandort mit tollen Voraussetzungen und wird unsere Liga bereichern. Zudem freuen wir uns natürlich auch darüber, einen Klub in Nordrhein-Westfalen auf unserer Ligalandkarte zu präsentieren. Der Klub selbst ist professionell geführt und hat im Rahmen der Lizenzprüfung der DEL2 nachgewiesen, dass ein Abstieg aus der DEL auch eine gewisse Chance bietet, sich als Klub zu erholen und neu anzugreifen.

Mit Krefeld, Kassel und Dresden gibt es nun wieder drei Wettstreiter um den sportlichen Aufstieg und nicht nur einen Kandidaten wie 2021/22 mit den Löwen Frankfurt. Wie wichtig ist das für die sportliche Brisanz in der Liga?

Es ist für den Sport eine klare Bereicherung, wenn drei Standorte um einen möglichen Aufstieg in die DEL kämpfen. Aus meiner Sicht gilt es in den nächsten Jahren ohnehin daran zu arbeiten, dass weitere Klubs die Voraussetzungen für einen Aufstieg erfüllen können. Gegebenenfalls auch durch weitere Anpassungen der Anforderungen. Wir werden weiter erleben, dass die Chance zu Auf- und Abstieg die Liga weiter nach vorne bringen wird.

Gut möglich, dass man neben den drei genannten Teams weitere Titelkandidaten ausmachen kann: Wie beurteilen Sie den Kampf um die Meisterschaft und die generellen Kräfteverhältnisse in der Liga?

Das ist im Vorfeld der Saison nicht wirklich realistisch vorherzusagen. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie eng die Liga leistungsmäßig zusammengerückt ist. Bad Nauheim hat letzte Saison einen weiteren Schritt nach vorn gemacht. Mit Ravensburg, Landshut, Freiburg und Kaufbeuren muss man immer rechnen, und jedes Jahr ist zudem mit weiteren Überraschungen zu rechnen. Das macht uns als Liga vielleicht besonders und wird man auch 2022/23 wieder erleben.

Mit den Eisbären Regensburg kommt erneut ein neuer Klub aus der Oberliga Süd in die DEL2. Wie schätzen Sie den Standort ein? Denken Sie, es wird für die Oberpfälzer leichter werden als für die Selber Wölfe in der vergangenen Saison, sich in der Liga zurechtzufinden?

Ein Aufstieg aus der Oberliga in die DEL2 ist nie leicht. Das haben die letzten Jahre auch deutlich gezeigt. Die Eisbären Regensburg haben sich in der Lizenzprüfung als solider Club präsentiert. Zudem hat der Aufstieg auch am Standort für große Euphorie gesorgt. Sie haben tolle Fans und mit der Donau-Arena eine wirklich schöne Spielstätte. Dennoch bedarf es Geduld bei den Fans und Sponsoren und natürlich Vertrauen in den Klub, um dann auch sportlich in der Liga anzukommen.

Für Aufsehen sorgte im Sommer die Erhöhung der Importstellen in der Oberliga von zwei auf drei. Warum steht in der DEL2 eine Erhöhung der Kontingentstellen nicht zur Debatte?

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir sehr gute deutsche Eishockeyspieler haben, die Vertrauen brauchen, um sich weiterzuentwickeln. Wenn man sich die aktuelle Nationalmannschaft anschaut, und dazu die DEL2 vor etwa vier bis sechs Jahren, wird man feststellen, dass einige der heutigen Leistungsträger unserer Nationalmannschaft damals bereits in der zweiten Liga im Einsatz waren und die Chance zur eigenen Entwicklung erhalten haben. Wir müssen uns weiter mit unseren eigenen Talenten beschäftigen und ihnen das Vertrauen geben. Die vom DEB geführte Oberliga sendet mit ihrer Entscheidung das falsche Zeichen für unsere Sportart, was einen Rückschritt in den Entwicklungen der letzten Jahre zur Folge haben kann. Auch mit Blick auf das eigens vom DEB ausgegebene Konzept Powerplay 26 verstehe ich diese Maßnahme nicht.

Kommen wir zum leidigen Thema Pandemie: Wie groß ist der Einfluss von Corona noch auf die Planungen der Klubs?

Die Pandemie ist nicht vorbei und natürlich müssen und werden die Klubs alles unternehmen, um die Spieler vor coronabedingten Ausfällen zu schützen. Allerdings werden wir uns darauf einstellen müssen, dass auch in der kommende Saison die Pandemie wieder eine gewisse Rolle spielen wird. Allerdings hoffe ich auch, dass wir nach zweieinhalb Jahren Pandemie alle miteinander deutlich besser mit dieser umgehen können und am Ende auch die Politik erkennt, dass erneute Zuschauerausschlüsse im Sport keine Lösung bieten.

Befürchten Sie erneut coronabedingte Spielverlegungen in der kommenden Saison? Kann man dieser drohenden Gefahr irgendwie vorbeugen?

Ausgeschlossen ist dies nicht. Allerdings haben wir aus den Erfahrungen der letzten Jahre gelernt, und die Klubs sowie die Spieler werden bestrebt sein, sich optimal zu schützen und auch sensibel im Falle von Symptomen reagieren. Einen hundertprozentigen Schutz, sich nicht zu infizieren, gibt es jedoch erfahrungsgemäß nicht. Wichtig sind milde Verläufe und eine schnelle und vor allem gesunde Rückkehr auf das Eis, ähnlich wie bei schweren Grippeverläufen auch vorzugehen ist.

Gibt es in Sachen Spielordnung und Regeln im Vergleich zum Vorjahr nennenswerte Veränderungen?

Es wird keine größeren Änderungen oder Anpassungen geben. Nachdem vor der letzten Saison das IIHF-Regelbuch komplett überarbeitet wurde, ist es meiner Meinung nach auch wichtig, mal über eine Spielzeit hinaus Kontinuität zu haben. Insofern konzentrieren wir uns auf die bekannten Themen im Spielbetrieb und freuen uns auf spannenden Sport.

Wie fällt Ihr Fazit nach einem Jahr Spielgeschehen unter dem neuen IIHF-Regelbuch aus?

Grundlegend waren viele Änderungen und Anpassungen sinnvoll und von Anfang an unstrittig. Lediglich der Zeitpunkt der Einführung, unmittelbar vor Saisonstart, war unglücklich gewählt und bot wenig Zeit für die Umsetzung. Allerdings haben dies unsere Schiedsrichter in Unterstützung durch Stefan Vogl, dem DEL2-Schiedsrichterbeauftragten, sehr gut gemeistert.

Kommen wir zur wirtschaftlichen Seite der DEL2: Wie entwickelt sich der vor über einem Jahr gegründete Powerplay-Business-Club?

Unter den bisher gegeben Umständen recht gut. Wir haben im Sommer weitere Mitglieder dazugewinnen können und zudem im Verlaufe der letzten Saison trotz Corona-Einschränkungen ein erstes gemeinsames Treffen in Präsenz realisieren können. Auch gelang es uns, Mitglieder des Business-Clubs im Tagesgeschäft an die Liga zu binden. So war der Business-Club und da vor allem die Pflegenetzwerke der Anlass dafür, dass wir in Kassel den ersten Standort in Deutschland hatten, der digitale Banden im Spielbetrieb eingeführt hat. Noch vor dem ersten ›Aufschlag‹ an DEL-Standorten. Auch unser neuer Partner für das Liga-Merchandising kommt aus dem Business-Club, und die Liga-Logos auf den Eisflächen werden ebenfalls von einem Partner produziert.

Erschwert auch der Krieg in der Ukraine (Stichwort Energiekrise) die Suche von Liga und Clubs nach Sponsoren?

Die Unsicherheiten in der Wirtschaft, vor allem auch resultierend aus dem russischen Angriffskrieg, sind spürbar. Wie stark hier die Einflüsse werden, vor allem auch resultierend aus der Energiediskussion, werden wir aufmerksam beobachten müssen. Neben der Pandemie stellt dies in der kommenden Saison sicher die größte Herausforderung dar, obwohl wir uns eigentlich nach zweieinhalb Jahren Pandemie-Problemen eine wieder deutlich normalere Saison wünschen würden.

Wie fällt Ihr Fazit zur letzten Saison in Sachen SpradeTV aus? Wie wurde die neu eingeführte Konferenzmöglichkeit angenommen?

Insgesamt ziehen wir ein weiterhin sehr positives Fazit zu unseren Übertragungen der Spiele via SpradeTV. Die Übertragungsqualitäten der Standorte gehen weiter nach oben. So haben viele Standorte sehr umfangreiche Analysen vor dem Spiel und in den Drittelpausen eingeführt, was das Live-Erlebnis der Spiele in den Wohnzimmern der Fans deutlich erhöht hat.

Die Live-Zusammenstellung des DEL2-Spielplans für 2022/23 kam bei Klubs und Fans sehr positiv an. Ein Event, das für die Transparenz der Liga steht und eine Fortführung findet?

Wie schon öfter beschrieben, sind wir immer bereit, auch mal neue oder andere Wege zu bestreiten. Vor allem solche Themen haben die Liga in den letzten Jahren neben dem hochklassigen Sport nach außen gestärkt. Die Live-Auslosung war definitiv ein weiterer Schritt in diese Richtung und ein Erfolg. Wir stehen für eine fannahe Liga und hatten durchaus auch immer mal wieder Kritik am Spielplan. Diese konnten wir in einer äußerst transparenten Erstellung ausräumen und haben die Spielplanerstellung zudem zu einem spannenden Event gemacht. Ich kann mir definitiv vorstellen, dies in den nächsten Jahren fortzusetzen.

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