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Putin auf Auslandsreise in Asien: Jetzt sucht er sogar Nähe der Taliban

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Von: Florian Naumann

Wladimir Putin will Russlands Beziehungen zu den Taliban verbessern.
Wladimir Putin will Russlands Beziehungen zu den Taliban verbessern. © IMAGO/Maksim Blinov

Wladimir Putins erste Reise seit der Invasion in die Ukraine führt ihn nach Tadschikistan. Dort erklärte der Kremlchef, dass er sich den Taliban annähern will.

Update vom 28. Juni, 19.09 Uhr: Wladimir Putin will offenbar Russlands Einfluss in Asien ausweiten. Weil die Beziehungen zum Westen im Ukraine-Krieg auf dem Nullpunkt angelangt sind, will Moskau offenbar das Verhältnis zu den militant-islamistischen Taliban in Afghanistan verbessern.

„Wir tun alles dafür, dass sich die Situation in dem Land normalisiert und versuchen, Beziehungen zu den politischen Kräften aufzubauen, die die Lage kontrollieren“, sagte Putin bei einem Besuch in der an Afghanistan grenzenden Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan laut der Nachrichtenagentur Interfax. Dabei gelten die Taliban in Russland offiziell als islamistische Terrororganisation.

Tadschikistan ist Putins erste Auslandsreise seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Im Gespräch mit dem autoritären tadschikischen Präsidenten Emomali Rachmon sagte der Kremlchef, dass er sich ein Bild von der Lage in Zentralasien machen wolle. Er sprach von einer „gemeinsamen Verantwortung“ für die Stabilität in der Region.

Erstmeldung vom 28. Juni 2022: Moskau/Duschanbe – Wladimir Putin verlässt am Dienstag (28. Juni) zum ersten Mal seit Start des von ihm angezettelten Ukraine-Kriegs Russland. Der Kreml-Chef besucht das zentralasiatische Tadschikistan. Seine bislang letzte Auslandsreise hatte ihn Anfang Februar nach China geführt - damals gab es einen demonstrativen Schulterschluss mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping.

Ob der russische Präsident diesmal ausschließlich mit offenen Armen empfangen wird, bleibt aber abzuwarten: Am Mittwoch steht auch ein Gipfeltreffen mit den Anrainern des Kaspischen Meeres in Turkmenistan auf dem Programm. Dort könnte auch Kritik vorgebracht werden – wenn auch in eher vorsichtigem Tonfall.

Wladimir Putin reist im Ukraine-Krieg nach Zentralasien – Gesprächspartner am Mittwoch könnten Kritik üben

Die Teilnehmer der Runde in Turkmenistan sind neben dem Gastgeberland auch der Iran, Aserbaidschan und Kasachstan. Während etwa der Iran zu den treuen Unterstützern Moskaus zählt, gab es aus Kasachstan zuletzt Kritik. Das Land will die selbsternannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk nicht anerkennen. Zugleich kritisierte die Regierung putintreue Medien für deren Kasachstan-Berichterstattung, wie unter anderem das Portal The Moscow Times berichtete.

Das Land unter dem autoritären Machthaber Kassym-Schomart Tokajew versucht aber einen Balanceakt zwischen Russland und dem Westen. Noch im Januar hatte Russland Militärhilfe für das Ersticken von Massenprotesten in Kasachstan geschickt. Mitte Juni betonte Tokajew dann aber das Recht auf territoriale Unversehrtheit. Deshalb erkenne man Taiwan, das Kosovo, Abchasien oder Süd-Ossetien nicht an. „Und dieses Prinzip gilt offensichtlich auch für solche quasistaatlichen Gebiete, wie Donezk und Luhansk es sind.“

Auch mit Aserbaidschan gibt es Konfliktstoff. Das Land erkannte Donezk und Luhansk ebenfalls nicht an – und hat starke Bindungen zur Ukraine. Grund dafür ist nach Einschätzung des United State Institute for Peace unter anderem, dass die Ukraine Aserbaidschan jedenfalls argumentativ im Bergkarabach-Konflikt unterstützte. Offene Konfrontation ist gleichwohl nicht zu erwarten. Bei einer Resolution der UN-Generalversammlung gegen den Ukraine-Krieg enthielt sich Aserbaidschan, wie die Webseite Geopolitical Monitor in einer Analyse hervorhebt.

Putin blieb zuletzt in Russland – kaum Reisen während Ukraine-Krieg und Corona

Putin hatte sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie auf dem internationalen Parkett generell rar gemacht. Zwischen Februar 2020 und Februar 2022 reiste er nur drei Mal ins Ausland. Im Juni 2021 traf er US-Präsident Joe Biden in Genf und im Dezember 2021 den indischen Premierminister Narendra Modi in Neu Delhi. Auch diese Zurückhaltung befeuerte zuletzt – unbestätigte – Gerüchte über Putins Gesundheitszustand.

Wiederholt getroffen hatte Putin zuletzt den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, allerdings stets in Russland. Ähnlich wie bei diesen Treffen könnte es allerdings auch nun darum gehen, die russische Vormachtstellung im ehemaligen Sowjetraum zu unterstreichen. Von Lukaschenko wird es allerdings kaum kritische Worte gegeben haben. Ob der Zentralasien-Trip das vom Westen diagnostizierte „Informationsvakuum“ im Kreml zerstört bleibt aber abzuwarten. (fn/dpa)

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