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Einigung in Streit um Entschädigung für Münchner Olympia-Attentat von 1972

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IOC Präsident Thomas Bach hält am Rande der Veranstaltung zur Enthüllung eines Denkmals für die Opfer vom Olympia-Attentat 1972 in München Ilana Romano, Witwe des israelischen Gewichthebers Josef Romano (links), und Anke Spitzer, Witwe des ermordeten israelischen Fechtmeisters André Spitzer, in den Armen. © picture alliance / Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein jahrzehntelanger Streit geht zu Ende. Die Hinterbliebenen der Opfer des Olympia-Attentats von 1972 erhalten kurz vor dem 50. Jahrestag offenbar eine Entschädigung in Höhe von 28 Millionen Euro.

Berlin - Im Streit mit den Hinterbliebenen der Opfer des Münchner Olympia-Attentats von 1972 gibt es kurz vor der Gedenkfeier am 5. September offenbar eine Einigung auf Entschädigungszahlungen. Das erfuhren die Nachrichtenagenturen AFP und dpa am Mittwoch zunächst aus Kreisen der Bundesregierung in Berlin. Kurz darauf bestätigte auch Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Mittwoch die Einigung.

Bundesregierung einigt sich mit Angehörigen der israelischen Opfer auf Entschädigungszahlung

Ein bewaffneter Polizeibeamter im Trainingsanzug sichert im Jahr 1972 im Olympischen Dorf in München den Block, in dem Terroristen die israelischen Geiseln festhalten.
Ein bewaffneter Polizeibeamter im Trainingsanzug sichert im Jahr 1972 im Olympischen Dorf in München den Block, in dem Terroristen die israelischen Geiseln festhalten. © Horst Ossinger/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nach einem jahrzehntelangen Streit haben die Bundesregierung und die Angehörigen der israelischen Opfer kurz vor dem 50. Jahrestag des Olympia-Attentats 1972 eine Einigung über Entschädigungszahlungen erzielt. Das bestätigte auch der Anwalt und frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Der Jurist hatte zusammen mit Kollegen einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei die Hinterbliebenen in den Verhandlungen vertreten. Die finanzielle Entschädigung für das Leid der Hinterbliebenen liegt demnach bei einer Höhe von 28 Millionen Euro. Davon soll der Bund 22,5 Millionen, das Land Bayern 5 Millionen und die Stadt München 500.000 Euro tragen.

Laut Regierungssprecher Hebestreit nehmen nach der Einigung die Vertreter der Angehörigen an der für Montag in München geplanten Gedenkfeier teil, mit der an das Attentat von 1972 erinnert wird. Die Regierung sehe „nun einem würdigen Gedenken gemeinsam mit den Angehörigen bei der Veranstaltung am 5. September 2022 entgegen“. In den vergangenen Wochen war der Konflikt mit den Hinterbliebenen eskaliert, sie hatten daraufhin die Teilnahme an der Gedenkfeier zunächst abgesagt.

Reaktion auf Einigung: „Ermöglicht würdige Gedenkfeier“

Der Anwalt der Hinterbliebenen äußerte sich zufrieden, dass die Einigung noch vor der geplanten Gedenkfeier erzählt werden konnte. „Die Vereinbarung ermöglicht auch eine würdige Gedenkfeier am 5. September in Anwesenheit der Präsidenten Izchak Herzog und Frank-Walter Steinmeier und vor allem in Anwesenheit der Hinterbliebenen, die sich unter den neuen Umständen bereit erklärt haben, an der Feier teilzunehmen“, erklärte Baum. Die Vereinbarung enthalte nicht nur materielle und immaterielle Anerkennungsleistungen. „Ebenso wichtig ist den Angehörigen die Aufarbeitung des damaligen Geschehens - jetzt unter Offenlegung aller Quellen“, so der Anwalt der Angehörigen weiter.

Auch Ankie Spitzer, die Witwe des Fechtmeisters Andrei Spitzer, einem der ermordeten Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft, zeigte sich erleichtert über die erzielte Einigung. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) reagierte ebenfalls „sehr erleichtert“ auf die Übereinkunft mit den Hinterbliebenen. „Nach dem Olympia-Attentat von 1972 sind quälende Fragen viel zu lange offen geblieben - dem sind wir uns als heutige Bundesregierung sehr bewusst und haben deshalb gehandelt“, erklärte sie.

Ein palästinensisches Terroristenkommando war vor 50 Jahren in das Münchner Olympiagelände eingedrungen und hatte Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln genommen. Bei der Geiselnahme und einer fehlgeschlagenen Befreiungsaktion starben elf israelische Sportler und ein deutscher Polizist (AFP/dpa).

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