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Drei AKWs in Deutschland gehen vom Netz - doch große Probleme bleiben

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Von: Andreas Schmid

Die neuen Minister Robert Habeck und Steffi Lemke (Grüne).
Zuständig für die Energiewende - und auch Atommüll: Die neuen Minister Robert Habeck und Steffi Lemke (Grüne). © Frank Ossenbrink/www.imago-images.de

In Deutschland werden drei Atomkraftwerke abgeschaltet. 2022 sollen die letzten AKWs aus dem Betrieb genommen werden. Es bleiben aber Unklarheiten.

München - Der Atomausstieg in Deutschland rückt näher, mit dem Jahreswechsel erreicht er seine vorletzte Stufe. Zum 31. Dezember 2021 werden drei Atomkraftwerke in Deutschland die Stromeinspeisung beenden. Übrig bleiben drei AKWs - sowie nach wie vor offene Fragen über die europäische Linie sowie angehäuften Atommüll.

Atomkraft, nein Danke: Deutschland will bis 2022 alle AKWs abschalten

Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 nahm die damalige schwarz-gelbe Merkel-Regierung eine wenige Monate zuvor verabschiedete Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke wieder zurück und brachte den Atomausstieg auf den Weg. Die acht ältesten Reaktoren in Deutschland wurden umgehend abgeschaltet, die noch verbleibenden neun sollten bis 2022 schrittweise folgen. Das Unglück in Japan prägte die deutsche Energiepolitik maßgeblich. In den letzten Jahren setzt die Bundesrepublik auf Erneuerbare statt Kernenergie.

Aktuell werden mit 51,8 Prozent mehr als die Hälfte des Stroms auf diese Weise erzeugt, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Der wichtigste Energieträger ist dabei die Windkraft, die 2020 etwa ein Viertel der eingespeisten Strommenge darstellte. In den letzten zehn Jahren wurden mehr als 10.000 Anlagen in der Bundesrepublik installiert. Neben Wind nimmt auch der Photovoltaik-Anteil in Deutschland zu. Die Braunkohleförderung soll hingegen reduziert werden. Bis 2030 sollen 80 Prozent des deutschen Strombedarfs durch erneuerbare Energien gewonnen werden - ein ehrgeiziges Ziel*.

Atomkraftwerke in Deutschland

NameStandort(geplante) Abschaltung spätestens
Gundremmingen CBayern31. Dezember 2021
GrohndeNiedersachsen31. Dezember 2021
BrokdorfSchleswig-Holstein31. Dezember 2021
Isar 2Bayern31. Dezember 2022
EmslandNiedersachsen31. Dezember 2022
Neckarwestheim 2Baden-Württemberg31. Dezember 2022

Atomkraft: Deutschland dagegen, Frankreich dafür - Streit in der EU?

Die Abschaltung deutscher Atomkraftwerke birgt zudem europäische Brisanz. Denn die Europäische Union hat es bisher deutlich verpasst, eine einheitliche Position in puncto Atomkraft zu finden. Die Atomkraft ist in der EU ein regelrechtes Reizthema. Zwar gibt es einige Länder wie Österreich oder Belgien, die sich wie Deutschland von der Kernenergie abwenden wollen. Auf der anderen Seite spricht sich eine Staatengruppe um das einflussreiche Frankreich allerdings für einen Ausbau der Kernenergie aus. Die Franzosen liegen hinter den USA und China auf Platz drei der größten Produzenten von Atomstrom weltweit. Auch Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien, die Slowakei und Slowenien unterstützen eine Politik pro AKW.

Während Deutschland in einem Jahr alle Atomkraftwerke vom Netz haben will, plant Frankreich den Bau neuer Meiler. Vereinfacht gesagt gehen Frankreich und seine Unterstützer davon aus, dass die europäischen Klimaziele nur mit Einsatz von Atomreaktoren erreicht werden können, denn die Kernenergie verursacht geringe CO2-Emissionen. Frankreich übte zuletzt gar erheblichen Druck aus, um Atomkraft als umweltfreundliche Energie einzustufen. Deutschland lehnt das ab*.

Video: Frankreich - Atomkraft für den Klimaschutz

Atommüll in Deutschland: Auf der Suche nach dem Endlager

Die Bundesrepublik sowie die anderen Atomgegner verweisen vor allem auf die Risiken der Endlagerung von Atommüll. Der Atommüll müsse für eine Million Jahre sicher gelagert werden. Dafür brauche es allerdings auch ein Atommüllendlager, das man bislang noch nicht gefunden hat.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert, dass Atommüll aktuell deutlich länger als genehmigt an den Zwischenlagerstandorten in ganz Deutschland stehe. „Die Zwischenlager sind schon jetzt ein enormes Sicherheitsrisiko“, hieß es zuletzt von Holger Sticht, BUND-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen. „Es fehlt etwa an Reparatur- und Inspektionsmöglichkeiten, und der Schutz gegen potenzielle Terroranschläge ist unzureichend.“ Der BUND rief die Ampel-Koalition* auch dazu auf, eine gemeinsame europäische Lösung zu finden. Ob diese gefunden wird, ist allerdings fraglich.

Fest steht: Wenn Ende 2022 im letzten deutschen AKW die Lichter ausgehen, strahlt der über Jahrzehnte angehäufte Atommüll in großen Mengen weiter. Experten erwarten bis 2080 rund 10.500 Tonnen hoch radioaktiver Abfälle aus Brennelementen. Sie sollen irgendwann in einem Endlager ruhen, das offiziell bis 2031 gefunden sein soll. Bis es so weit ist, steht die Bundesregierung allerdings noch vor Herausforderungen. Maßgeblich verantwortlich für den Bereich ist das von den Grünen geführte Umweltministerium*, das offiziell Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz heißt. Welche Orte kommen überhaupt infrage? Eine erste Karte mit möglichen Endlagern sorgte im September bereits für Diskussionen. Wir haben für Sie alle wichtigen Daten, Grafiken und weitere Informationen zur Endlagersuche für atomare Abfälle zusammengestellt. (as) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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