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RKI-Chef Wieler warnt vor „exotischen Krankheiten“ in Deutschland – kehrt sogar Malaria zurück?

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Von: Patrick Mayer

In Deutschland gibt es immer mehr Mücken und Zecken, weswegen die Gefahr exotischer Infektionen laut RKI steigt. Lothar Wieler nennt konkrete Beispiele. Darunter ist Malaria.

München/Berlin – Laut Lothar Wieler könnten exotische Infektionskrankheiten auch in Deutschland bald häufiger auftreten. Grund dafür sei die Klimaerwärmung, erklärte Wieler der Funke Mediengruppe. „Der Klimawandel führt in Deutschland zu einer Ausdehnung der Lebensräume für Mücken und Zecken“, sagte er in dem Interview und schilderte: „Viele Mücken- und Zeckenarten können virale, bakterielle und parasitäre Infektionserreger übertragen.“

Viren in Deutschland: RKI-Chef Lothar Wieler warnt vor Rückkehr der Malaria

Die aktuell steigenden Temperaturen erhöhten das Risiko dafür, erklärte der Chef des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI), das dem Bundesgesundheitsministerium von Karl Lauterbach (SPD) unterstellt ist. Als Beispiele nannte Wieler das Zika-Virus, Dengue-Viren, das West-Nil-Virus sowie die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). „Auch ist eine Rückkehr der Malaria möglich“, meinte er. Der RKI-Chef forderte deshalb, dass Ärztinnen und Ärzte in der Bundesrepublik dafür sensibilisiert werden sollten. „Dies ist auch ein wichtiges Anliegen des RKI“, sagte der 61-Jährige.

Wie der Spiegel schreibt, sterben laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich mehr als 400.000 Menschen durch Malaria. Dies betreffe vor allem Kinder in armen Gegenden der Erde. So würde die überwiegende Mehrheit der jährlich rund 230 Millionen Infektionsfälle in Afrika registriert, wo laut dem Bericht 2021 anpassungsfähige Malariamücken festgestellt wurden. Malaria-Erreger werden durch den Stich von Mücken übertragen, die in Gewässern brüten, zum Beispiel in Pfützen oder in Sümpfen.

Malaria in Deutschland? Infektionskrankheit gilt in Europa seit 1974 als ausgerottet

Malaria auch in Deutschland? Eigentlich galt die Infektionskrankheit in Europa seit 1974 als ausgerottet. Ein hohes Fieber mit Schüttelfrost und Schweißausbrüchen sind typische Krankheitssymptome. Das kann bis zum Koma führen. Teils sind auch Organe betroffen, zum Beispiel in Form eines Lungenödems.

RKI-Chef und Bundesgesundheitsminister: Lothar Wieler (li.) und Karl Lauterbach (SPD) bei einer Pressekonferenz.
RKI-Chef und Bundesgesundheitsminister: Lothar Wieler (li.) und Karl Lauterbach (SPD) bei einer Pressekonferenz. © IMAGO/Chris Emil Janssen

In einigen Regionen Ostfrieslands soll laut einer wissenschaftlichen Dissertation der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Jahr 1826 jedes zweite Kind am Marschenfieber (Malaria tertiana) erkrankt gewesen sein. Einer Form der Malaria, die damals in Deutschland vorkam. Nachdem Sümpfe trocken gelegt worden waren, nach und nach Kanalisationen gebaut wurden und die Ströme von Flüssen reguliert wurden, war laut MDR die Malaria Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend aus Deutschland verschwunden. Denn: Durch die Maßnahmen wurden die Brutstätten der Mücken zerstört.

Kehrt Malaria nach Deutschland zurück? Letztmals nach dem Zweiten Weltkrieg festgestellt

Dem Bericht zufolge flammte die Malaria unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in den extrem feuchtwarmen Sommern 1945 und 1946 regional nochmal auf. Die Mücken fanden in verwüsteten Städten Brutplätze – zum Beispiel in Bombentrichtern. Kehrt Malaria wegen der Klimaerwärmung und den steigenden Temperaturen nun wieder nach Deutschland zurück? (pm)

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