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Von: Christian Berg

Zukunftsgestalter - das kann man in Gedern und Hirzenhain werden. Voraussetzung ist, dass man mitdiskutiert, dass man sich einbringt, wenn es darum geht, wie sich die beiden Nachbarn im Oberen Niddertal für künftige Herausforderungen aufstellen. Zwei Zukunftswerkstätten - eine in Gedern, eine in Merkenfritz - boten dafür jetzt Gelegenheit. Damit ging die Bürgerbeteiligung in die zweite Runde, die Teil einer Machbarkeitsstudie über Möglichkeiten einer noch engeren Zusammenarbeit der beiden Kommunen ist.

Im Kern geht es um die Fragen, wie eine funktionierende kommunale Infrastruktur der Zukunft aussieht, wie Dienstleistungen der Verwaltung und die Daseinsvorsorge gesichert und die Ansprüche der Bürger erfüllt werden.*Die Resonanz? Nun ja, sie hätte besser sein können. Gut zwei Dutzend Teilnehmer waren es in Gedern, etwa 20 in Merkenfritz. Darunter zahlreiche Kommunalpolitiker. Klar, das sind auch Bürger, nicht falsch verstehen. Aber im Grunde genommen erwartet man ja, dass sie wegen ihres Mandats oder Amts an solchen Veranstaltungen teilnehmen.*Sascha Pröhl, Projektleiter des von Gedern und Hirzenhain mit der Machbarkeitsstudie beauftragten Weinheimer Unternehmens GE/CON, ist dennoch zufrieden. Man sei auf dem richtigen Weg, sagt er. Dass man vor der Zukunftswerkstatt noch zu einem sogenannten "Echoraum" eingeladen habe, quasi zur Vorbereitung, habe sich bewährt. Dafür wurden in beiden Kommunen Multiplikatoren angeschrieben, beispielsweise Lokalpolitiker oder Vereinsvertreter - weil die sich eben vor Ort gut auskennen. Jeweils 15 nahmen dann in beiden Kommunen am "Echoraum" teil. "Das hat der Zukunftswerkstatt gutgetan. Wir hatten tolle, konstruktive Diskussionen", bilanziert Pröhl. Die waren in der Tat lebhaft, getragen auch von der Verbundenheit zum Ort, in dem man lebt. Dennoch werde man sich Gedanken darüber machen, wie man eine noch größere Beteiligung erreichen könne, kündigt Pröhl an.*Der Projektleiter weiß: "Das Thema ist sehr komplex und abstrakt." Es geht eben nicht um ein besonderes Leuchtturmprojekt, eine große (Bau-)Maßnahme mit Strahl- und Anziehungskraft, eine neue Attraktion. Sondern darum, wie sich die beiden Verwaltungen für die Zukunft aufstellen. Verwaltung - das klingt halt erst einmal auch ein wenig dröge. Umfasst aber auch beispielsweise Öffnungszeiten von Bürgerbüros und Kindertagesstätten - nicht ganz unwichtig für Berufstätige und Pendler -, aber auch Fragen zu Sicherheit, Ordnung und einem gepflegten Ortsbild, wie sie während der Diskussion in Merkenfritz aufkamen. Ein weites Feld also...*Dazu kommt: Die Zukunftstrends - die Auswirkungen des demografischen Wandels, der Individualisierung, der neuen Arbeitswelt oder der digitalen Transformation - sind zwar von großer Bedeutung, aber eben (noch) nicht direkt greifbar. Auch deshalb bringt es Pröhl auf eine einfache Formel: "Es geht darum, auf welche Art und Weise wir künftig leben wollen." *Die Machbarkeitsstudie soll die Vertiefung der interkommunalen Zusammenarbeit, die Bildung eines Gemeindeverwaltungsverbandes sowie die Fusion zu einer Einheitsgemeinde prüfen. Dabei soll sie sowohl die Vor- als auch die Nachteile darstellen. Die Ergebnisse der Zukunftswerkstätten sollen in der Studie berücksichtigt werden, die schlussendlich den parlamentarischen Gremien in Gedern und Hirzenhain als Diskussions- und Entscheidungsgrundlage dienen soll. Kommt die Sprache auf eine Fusion, egal in welchem Bereich, geht es meist ruckzuck um Identität beziehungsweise den Verlust derselben. Mal ganz abgesehen davon, dass viele den Begriff Identität, wie auch den Begriff Heimat, für sich persönlich sehr unterschiedlich definieren und mit Inhalt füllen: Die Identität eines Dorfes ändert sich nicht per se, wenn ein anderer Kommunen-Name auf dem Ortsschild steht. Die bestimmen unter anderem Menschen, die nicht nur dort wohnen, weil sie es schon immer tun oder weil sie sich dort ein Dach über dem Kopf gebaut beziehungsweise gemietet haben. Sondern die sich engagieren, einbringen, Vereinsangebote nutzen, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. * Bürgerversammlungen und Zukunftsforen werden im kommenden Jahr in Gedern und Hirzenhain folgen. Noch genug Zeit also, sich Gedanken zu machen. Um dann mit zu diskutieren. Gederns Stadtverordnetenvorsteherin Birgit Appel hatte recht, als sie feststellte: "Die Fragen, die wir heute gestellt haben, müssten eigentlich in jedem Haushalt besprochen werden." Eines ist klar: Wer sich nicht interessiert, mit der Tüte Chips auf der Couch vor sich hin netflixt und denkt "Sollen die anderen mal machen" - der darf sich hinterher nicht beschweren.

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