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Kilometer durch Hessen für die Flutopfer

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Von: Stefan Weil

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Freude über einen Spendenscheck in Rudingshain: Fred Loos, Matthias, Marvin und Maximilian Seip sowie die Hessenwanderin Sandra Köhler (v.l.). © Stefan Weil

Drei Wochen hat sich Sandra Köhler Zeit für ihr Projekt genommen. Die 48-jährige Kriminalhauptkommissarin aus Bensheim befindet sich auf einer 415 Kilometer langen Wandertour durch Hessen.

Durch die anderen aktuellen Ereignisse wie dem Krieg in der Ukraine oder die Energiekrise sind die Geschehnisse im Sommer vergangenen Jahres in den Hintergrund geraten. Aber es gibt immer noch Menschen im Ahrtal, die bis jetzt nicht wieder in ihre Wohnungen oder Häuser zurückkehren konnten. Das berührt mich sehr«, sagt die Wanderin »aus Leidenschaft« am Ende der Freitag-Etappe im Schottener Stadtteil Rudingshain.

Begonnen hat sie ihre Tour, mit der sie sich auch einen Jugendtraum erfüllt, vor gut zwei Wochen in Darmstadt. Für den 26. September ist die Ankunft in Kassel geplant.

»Viele haben im Ahrtal das Gefühl, vergessen worden zu sein«, sagt Sandra Köhler weiter. Sie hat kürzlich einen Bekannten im Katastrophengebiet besucht und mit eigenen Augen gesehen, wie viel Hilfe dort noch nötig ist. Mit ihrer Wanderung will sie Aufmerksamkeit für die Opfer schaffen.

Immer wieder Begleitung

Am Freitag hatte sie besonderen Grund zur Freude. Sie hatte Begleitung bei ihrer rund 19 Kilometer langen Etappe von Ettingshausen bis in den Vogelsberg. Neben Fred Loos, einem gebürtigen Rudingshainer, hatte sich Matthias Seip mit seinen beiden Söhnen Maximilian und Marvin zu ihr gesellt. Nicht nur aus Freude und Spaß am Wandern, sondern auch mit einem »dicken« Scheck im Rucksack. Matthias Seip ist Präsident des Lions Clubs Bergstraße-Bensheim und übergab den Betrag von 2000 Euro an die Wanderin. Sandra Köhler war sichtlich erfreut - auch darüber, dass ihre Aktion eine so große Resonanz findet. »Es beteiligen sich viele Menschen, die ich überhaupt nicht kenne, mit Spenden. Sie wollen auch ein Teil der Aktion sein. Ich bin bis jetzt noch keine Etappe alleine gelaufen. Ich hatte immer Begleitung. Und viele Kollegen rufen mich an und sagen, dass sie ebenfalls Geld überweisen werden.«

Auf ihrer Wanderung berührt Sandra Köhler auch Regionen, die für sie bisher unbekannt waren. So auch der Vogelsberg, auf den sie sehr gespannt gewesen sei. Vor dem Vulkangebirge hatte sie etwas Respekt, als sie vor rund einem Jahr begann, die Strecke zu planen. Mithilfe einer Wander-App suchte sie eine attraktive Route aus. Nach dem Taunus-Höhenweg und dem Bonifatius-Weg sind der Vogelsberg und die Kasseler Berge besondere Herausforderungen. »Bisher war das Profil der Etappen meistens relativ flach, aber heute ging es schon kräftig bergauf«, berichtet sie am Backhaus im Rudingshain.

Tolle Aussichten als Entschädigung

Als kleine Entschädigung locken beeindruckende Aussichten. »Gestern gab es einen herrlichen Blick auf den Taunus. Heute sind wir kurz vor Rudingshain über die Platte gelaufen. Da hatten wir auch eine tolle Fernsicht.«

Auf ihrer Hessentour hatte sich Sandra Köhler, wie sie erzählt, besonders mit viel Rückentraining vorbereitet. Die anfänglichen Wehwehchen, wie beispielsweise die schmerzhaften Blasen, hat sie inzwischen ›weitergereicht‹. Körperliche Probleme habe sie keine mehr. Sie habe sich an den Wanderalltag gewöhnt. »Laufen, Duschen, Schlafen - das wird zur Routine«, sagt sie. Dazu kommt natürlich noch essen und trinken. Auf der Rudingshain-Etappe habe sie ein Kollege aus Südhessen überrascht. »Wir haben uns getroffen, und er hatte ein leckeres Mittagessen dabei sowie mehrere Umschläge mit Spenden«, zeigt sich Sandra Köhler beeindruckt. Zum Übernachten quartiert sie sich meistens in einem Hotel ein. »In dieser Woche bin ich zweimal bei einem Kollegen untergekommen, der mich eingeladen hatte. Das hat mich besonders gefreut«, erzählt die Wanderin.

Von ihrem Arbeitgeber, der hessischen Polizei, bekommt sie ebenfalls viel Unterstützung. Drei Tage wurde Sandra Köhler von ihrem Dienst freigestellt. Für die anderen Tage ihrer Wanderaktion hat sie ihren Jahresurlaub genommen.

Am Samstag führte ihr Wanderweg von Rudingshain entlang der Nidda zu den Forellenteichen und weiter zum Hoherodskopf. Zum Etappenziel in Nieder-Moos ging es dann überwiegend bergab.

Sandra Köhler lädt Interessierte ein, sie zu begleiten, auch wenn es nur für ein paar Kilometer sein sollte. Man kann ihre Aktion auch in den Sozialen Medien verfolgen. Unter ihren »Wanderherz«-Accounts bei Facebook und Instagram veröffentlicht sie Neuigkeiten von ihrer ungewöhnlichen Reise. Wie der Empfang in Kassel in gut drei Wochen aussehen wird, weiß sie noch nicht. »Da lasse ich mich überraschen.« Ihr Mann wird auf jeden Fall dort sein.

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