Ausbau der Niddertalbahn gute Nachricht für die Region
Nicht nur das Vorhaben ist ambitioniert. Der Zeitplan, der im Raum steht, ist es noch viel mehr. Ausbau und Elektrifizierung der Niddertalbahn sollen bis Ende 2027 umgesetzt sein. Dieses Ziel nennt das hessische Verkehrsministerium.
Der Stockheimer Bahnhof. Mit dem Ausbau der Niddertalbahn sollen mehr Züge auf der Strecke fahren. Und umweltfreundlicher soll's werden. Foto: Schinzel
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GLAUBURG/ALTENSTADT - Nicht nur das Vorhaben ist ambitioniert. Der Zeitplan, der im Raum steht, ist es noch viel mehr. Ausbau und Elektrifizierung der Niddertalbahn sollen bis Ende 2027 umgesetzt sein. Dieses Ziel nennt das hessische Verkehrsministerium in einer Erklärung vom Dienstag. Das Land wird dafür die Planungskosten übernehmen. Genannt wird hier die Summe von 11,8 Millionen Euro. Das Projekt, so sieht es danach aus, nimmt also Fahrt auf. Glauburgs Bürgermeister Carsten Krätschmer (SPD), der als einer der (An-)Treiber gilt, will seine Freude überhaupt nicht verhehlen. "Das ist nach dem Beschluss zur Landesgartenschau-Bewerbung die nächste gute Nachricht für die Region, die sie in der Entwicklung voranbringen wird. Das ist sehr, sehr positiv. Eine tolle Nachricht", kommentiert Krätschmer. Der Ausbau der Bahnstrecke ist in seinen Augen eines der wichtigsten Themen für die Gemeinde Glauburg. Die Verbindung bis nach Frankfurt sei schließlich so etwas wie eine Lebensader fürs gesamte Niddertal.
Dass die Übernahme der Planungskosten durch das Land Hessen so kommt, damit hat der Glauburger Bürgermeister schon gerechnet. Schließlich sei der Schritt von einer Referentin aus dem Wirtschaftsministerium in der jüngsten Sitzung der AG Nahverkehr, in der die Anliegerkommunen der Niddertalbahn vertreten sind, bereits angekündigt worden.
Für die Übernahme der Planungskosten von knapp zwölf Millionen Euro hat das Land einen entsprechenden Finanzierungsvertrag mit der DB Netz AG, der DB Station & Service AG und der DB Energie GmbH abgeschlossen, wie Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in Wiesbaden mitteilt. "Wir wollen dringend die Kapazität der Strecke erhöhen, um mit einem besseren Angebot weitere Fahrgäste für den umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene zu gewinnen", sagt der Minister.
Die 31 Kilometer lange Niddertalbahn verbindet Bad Vilbel mit Stockheim und verknüpft damit auch die Bahnstrecken Frankfurt-Kassel (Main-Weser-Bahn) und Gießen-Gelnhausen (Lahn-Kinzig-Bahn). Wegen der wachsenden Fahrgastzahlen soll das aktuell stündliche Verkehrsangebot auf einen Halbstundentakt verdichtet werden. Zudem sollen mehr Züge als heute über Bad Vilbel hinaus bis nach Frankfurt fahren. In der Hauptverkehrszeit sind weitere Verstärkerzüge geplant, so das Al-Wazir-Haus. Die derzeit eingleisige Strecke soll dafür elektrifiziert sowie in den Abschnitten von Altenstadt nach Altenstadt-Höchst und von Schöneck-Büdesheim nach Schöneck-Kilianstädten zweigleisig ausgebaut werden. In einigen Abschnitten wird sie für eine höhere Streckengeschwindigkeit "ertüchtigt". Dazu müssten auch Brücken, Bahnübergänge und Verkehrsstationen angepasst und modernisiert werden.
Ziel ist es derzeit, den Ausbau bis Ende 2027 abzuschließen. Im Zuge der Planung werde dieser anspruchsvolle Termin überprüft. "Der laufende Betrieb soll während der Ausbaumaßnahmen weitestgehend aufrechterhalten werden", heißt es. Zeit- und abschnittsweise werde dann ein Schienenersatzverkehr eingesetzt. Auch Carsten Krätschmer findet, dass der genannte Zeitplan ambitioniert ist. Gleichwohl hofft er, dass er gelingen möge. Sieben Jahre - "das ist für den Otto-Normalverbraucher eine lange Zeit", sagt Krätschmer. Aber für ein Bahnprojekt wäre dieser gesteckte Rahmen schon sehr zügig.
"Mehr Züge, die zudem öfter zwischen Glauburg-Stockheim, Bad Vilbel und auch weiter Richtung Frankfurt unterwegs sind - das ist unser Ziel mit dem Ausbau der Strecke", sagt Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Infrastrukturprojekte Mitte der DB Netz AG. "Gleichzeitig tragen wir mit der Elektrifizierung der Strecke dazu bei, dass die Niddertalbahn umweltfreundlicher fährt."
Heute seien mehr als drei Mal so viele Fahrgäste wie 1985 mit der Niddertalbahn unterwegs, sagt Prof. Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) "Damit diese Erfolgsgeschichte auch in Zukunft fortgesetzt werden kann, muss die Strecke ausgebaut und elektrifiziert werden." Nur dann könne der RMV das Fahrtenangebot ausweiten und darüber zusätzliche Fahrgäste gewinnen. "Daher freue ich mich, dass das Land die Planungskosten für den weiteren Ausbau trägt und einen wichtigen Meilenstein für eine moderne Niddertalbahn setzt", sagt der RMV-Chef.
"Der Ausbau der Niddertalbahn ist mit dem Ausbau der S-Bahnstrecke 6 und der Reaktivierung der Horlofftalbahn das wichtigste Schieneninfrastrukturprojekt im Wetteraukreis", sagt Landrat Jan Weckler (CDU). "Der Niddertalbahn kommt bei der Stärkung der Ost-West-Verbindung in der Wetterau eine große Bedeutung zu. Der Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke sind gerade für die Pendlerinnen und Pendler im Wetteraukreis sehr wichtig, denn sie sorgen für eine bessere Anbindung des ländlichen Raums an die Metropolregion. Wir freuen uns, dass mit Unterstützung des Landes jetzt die Planungen beginnen können."
Im Ostkreis ist die Freude mindestens mal genauso groß: Man habe das Gefühl, so Bürgermeister Carsten Krätschmer, dass sich in der Region wieder etwas tue, dass es in der Entwicklung insgesamt aufwärtsgehe. Mit dem Ausbau der Niddatalbahn schaffe man mehr Attraktivität. Das wirke sich sicher positiv aus, auch was das Thema Wohnstandort anbelangt. Das ist nicht unbedeutend. Gerade auch deshalb, weil Platz im nicht weit entfernten Ballungsraum Rhein-Main knapp ist. Glauburg, wie auch Büdingen, Ortenberg und Nidda, werde im Regionalen Entwicklungskonzept als peripheres Impulszentrum genannt. Was bedeute, dass die Wohnbauentwicklung nicht mehr nur am eigenen Bedarf festgemacht wird, sondern mehr (Wachstums-)Potenzial ermögliche. Der Ausbau der Bahn könnte auch daher gerade recht kommen. Foto: Arnold/dpa
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Der Ausbau der Niddertalbahn ist Teil des Infrastrukturentwicklungsprogramms Frankfurt Rhein-Main plus, das von Bund, Land, Stadt Frankfurt am Main, Rhein-Main-Verkehrsverbund und DB AG vorangetrieben wird.