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Im Schritttempo wälzt sich die Blechlawine der Winterausflügler durch Breungeshain.

Riesiger Andrang

Ein stressiger Wintertag im Hohen Vogelsberg

Wer einen Ausflug in die Wintersportzentren auf dem Hoherodskopf, an der Taufsteinhütte und am Taufstein unternehmen wollte, musste am Sonntag viel Zeit mitbringen.

Jede Menge los war am Sonntag in den Wintersportzentren des Vogelsberges. Prekär wurde die Situation besonders in Breungeshain, dem Nadelöhr schlechthin auf der kürzesten Anfahrtsstrecke in den Hohen Vogelsberg. Dort kommen nämlich auch noch die Ausflügler aus dem Main-Kinzig-Kreis dazu, die meist über das Niddertal anreisen.

Schon in den frühen Vormittagsstunden meldeten Anwohner ein hohes Verkehrsaufkommen. Es ging nur noch im Schritttempo vorwärts. Viele Fahrer hatten Mühe, nach dem Anhalten wieder anzufahren, da die Reifen kaum Grip auf dem glatten Schnee-Eis-Gemisch hatten. Die Folge war ein mehr oder weniger stehender Verkehr, der zu einem langem Rückstau führte.

Stillstand in der Ortsdurchfahrt

Bereits ab der Abfahrt nach Busenborn ging es kaum noch vorwärts. Viel Stillstand gab es dann auch in der teils sehr engen Ortsdurchfahrt von Breungeshain. Am Ortsausgang in Richtung Hoherodskopf das gleiche Bild. Die Blechlawine zog sich bis zur Taufsteinhütte. Wer es bis dorthin geschafft hatte, konnte sich dann auf die Parkplatzsuche auf den schon früh gefüllten Plätzen freuen.

Während der große Andrang durchaus zu erwarten war, kam der ergiebige Schneefall, der in der Nacht zum Sonntag einsetzte und bis in die Vormittagsstunden anhielt, einigermaßen überraschend.

Das hatte drastische Auswirkungen auf den Schneeräumdienst von Hessen Mobil. Bereits ab 2.15 Uhr waren sieben Schneepflüge der Straßenmeisterei Grebenhain im Einsatz. Insgesamt 335 Kilometer stehen auf dem Arbeitsplan. Die Straßenmeisterei ist für die Räumung von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen in der Großgemeinde Schotten sowie in Ulrichstein, Grebenhain, Herbstein und Freiensteinau zuständig. Ein kompletter Räum- und Streueinsatz im Basisnetz dauert mindestens drei bis vier Stunden.

»Entsprechend der gesetzlichen Vorgaben soll der Winterdienst von Hessen Mobil im Zuge der Verkehrssicherungspflicht Glättebildung nach Möglichkeit vermeiden«, sagt Cornelia Höhl, Pressesprecherin von Hessen Mobil in Schotten, am Montag. Allerdings gebe es bei anhaltend starkem Schneefall, wenn keine nachhaltige Wirkung erzielt werden könne, keine Verpflichtung zum Räumen und Streuen. »Dann kann auch erst nach dem Schneefall mit dem Einsatz begonnen werden - und selbst dann mit einem angemessenen Reaktionszeitraum«, erklärt Höhl.

Eine besondere Herausforderung war zudem der nasse Neuschnee, der sich in den Hochlagen auf fast 20 Zentimeter aufschichtete. Unter dem Druck der Autoreifen wurde der Schnee schnell zu einer spiegelglatten Fläche. Das machte sich mit gravierenden Folgen bemerkbar, berichtet Martin Caspari, der Bereitschaftsleiter der Schottener Bergwacht, am Montag. Bereits am Ortsausgang von Schotten in Richtung Michelbach hingen am frühen Morgen die ersten Autos fest, weil die Reifen durchdrehten.

Endstation in Breungeshain

In Breungeshain war am frühen Vormittag Endstation für die Schneepflüge von Hessen Mobil. »Es gab kein Durchkommen mehr. Durch das starke Fahrzeugaufkommen bildete sich eine nicht enden wollende Schlange«, schildert Cornelia Höhl.

Die Einsatzleitung habe sich daher entschieden, zunächst den Abschnitt zum Hoherodskopf aus dem Räumplan herauszunehmen. Alternativ wurde die Anfahrt über die Poppenstruth geräumt. Auch dort gab es zunächst durch liegengebliebene Fahrzeuge Probleme. Höhl: »Weiter oben hat sich die Lage glücklicherweise entspannt.«

Früh im Einsatz waren auch die Mitarbeiter des Naturparks Vulkanregion Vogelsberg. Sie hatten um 5 Uhr begonnen, die Waldparkplätze für den erwarteten Ansturm zu räumen. »Die Situation war extrem, da es weiter schneite«, sagt Geschäftsführer Rolf Frischmuth am Montag.

Der Service für die Ausflügler habe sich aber insofern gelohnt, weil bereits im Laufe des Vormittags alle vom Naturpark betreuten Stellplätze voll waren. »Einige Autofahrer waren mit der Situation und dem vielen Schnee allerdings überfordert. Das hat immer wieder zu Problemen geführt«, berichtet der Geschäftsführer.

Sehr problematisch war die Lage einmal mehr auf den großen Parkplätzen auf dem Hoherodskopf. Von der »üblichen Katastrophe« an solchen Tagen spricht Martin Caspari. »Da auch die Busspur komplett zugeparkt war, wäre dort kein Rettungswagen mehr durchgekommen«, erklärt der Leiter der ehrenamtlichen Rettungseinrichtung. Glücklicherweise habe es am Sonntag für die Bergwacht nur wenig zu tun gegeben. Caspari: »Bei Notfällen hätten wir die Patienten zu den Parkflächen ›Steinbruch‹ oder an der Taufsteinhütte bringen müssen, um sie zum Transport ins Krankenhaus übergeben zu können.«

»Unsitte« der Autofahrer

Auf eine »Unsitte« macht Jo Teichert aufmerksam, der den Kiosk »Zur schönen Aussicht« betreibt. »Manche Autofahrer bleiben mit ihren Fahrzeugen einfach auf der Straße stehen und warten, bis ein Parkplatz frei wird. Das kann dann Minuten dauern und führt zu einem völlig überflüssigen Stau der folgenden Fahrzeuge«, schildert er. Vielfach nutzten Ausflügler auch die Möglichkeit, ihre Anfahrt in Breungeshain zu beenden und sich in einer der Nebenstraßen eine Parkmöglichkeit zu suchen - nicht immer zur Freude der Anlieger.

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