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Taktgeber seit 50 Jahren

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Von: red Redaktion

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Die Jugendarbeit ist sein Steckenpferd: Helmut Weitz und ein Schüler beim gemeinsamen Auftritt mit ihren Es-Hörnern. FOTO: HH © pv

Reichelsheim (hh). Die einen bezeichnen ihn schon mal als »Hansdampf in allen Gassen«, während seine Vorstandskollegen nicht mit Superlativen geizen: »Der Verein hat Helmut unendlich viel zu verdanken «, sagt Dirigent Andreas Schmidt. Gemeint ist Helmut Weitz, der vor 50 Jahren zum Vorsitzenden des Musikvereins Harmonie Dorn-Assenheim gewählt worden ist.

Ein Amt, das er seitdem ununterbrochen ausübt und für das er Wertschätzung weit über den Verein hinaus erfährt.

Gespür für Jugendarbeit

Andreas Schmidt dirigiert die Harmonie seit 2008, wurde ein Jahr zuvor Weitz’ Stellvertreter. Er vermittelt einen Eindruck davon, wie der kleine Verein unter der Regie des heute 72-Jährigen die stetigen Herausforderungen zu einem Erfolgsmodell formt.

Weitz ist ein Teamchef mit ausgeprägtem Gespür für die Jugendarbeit. Der zudem seine Musiker in den Mittelpunkt stellt und ihnen eine Bühne für den Applaus bietet. Schmidt erinnert ans 125-jährige Jubiläum 2013: »Helmut hat die Musiker eingebunden, ihre Ideen aufgegriffen und so zu einem attraktiven Fest gebündelt.« Sein Erfolgsrezept: andere am Erfolg teilhaben lassen.

Im selben Jahr wurde dem passionierten Waldhornisten auch der Ehrenteller der Stadt Reichelsheim verliehen. Es war die bis dato ranghöchste Auszeichnung, die zudem erstmals nicht an einen Kommunalpolitiker ging. Bürgermeister Bertin Bischofsberger sagte damals: »Erfolg ist, wenn man mit seinem Leben zufrieden ist und dennoch Zeit hat, für andere etwas zu leisten.«

Weitz’ musikalischer Steckbrief spricht Bände. Vereinsbeitritt 1964, Vorstandsarbeit ab 1968, Vorsitzer 1972 mit 22 Jahren. Zudem ist er Ausbilder an nahezu allen Instrumenten, gibt Blockflötenkurse, fungiert als Webmaster und führt immer wieder den Taktstock bei Jugend- und Stammorchester.

Kommunikation und der Austausch mit seinen Musikern sind ihm wichtig. Der Vorsitzende frage ihre Anliegen ab und akquiriere attraktive Auftritte, lobt Schmidt. So haben die Aktiven Spaß am Musizieren, und der Verein kann sich stets gut präsentieren. Während der Corona-Pandemie stellte er Stücke ins Netz, motivierte so die Aktiven zum Üben im Homeoffice und Videos davon zu posten.

Dabei zieht sich ein Aspekt wie ein roter Faden durch seine musikalische Vita. Es ist die Frage nach seinem Antrieb: »Ich mache gerne Musik mit Menschen jeglichen Alters. Das beginnt bei sechsjährigen Kindern und endet bei unserem ältesten Musiker.« Und der war damals 82 Jahre alt.

Musik soll Emotionen wecken

Weitz weiß um die Wirkung von Applaus auf die Motivation. Seine Erinnerung schweift ins Jahr 1964. »Es war mein erster Auftritt mit dem ersten Jugendorchester der Harmonie auf dem Musikfest in Echzell. Das einzige Stück, das wir konnten, war der Walzer »Man schwebt dahin«. Den haben wir mindestens dreimal gespielt. Der Beifall hätte uns fast von der Bühne gefegt.«

Ein prägendes Erlebnis. Seitdem sucht Weitz immer wieder nach Foren, wo selbst die Blockflötenbläser dem Publikum ihr Können vorführen. So konzipierte er eine altersübergreifende Übungsstunde. Hier proben Stamm- und Jugendorchester nicht nur gemeinsam, sie präsentieren das Gelernte auch gleich als Konzert im Kleinformat. Dabei gelingt es ihm immer wieder, junge Menschen trotz vermehrter und konkurrierender Freizeitangebote für die Blasmusik zu begeistern. Weitz spricht nicht ohne Stolz von einem dreistufigen Ausbildungskonzept mit musikalischer Früherziehung und Blockflötenunterricht, dem sich das gezielte Erlernen eines Instruments anschließt.

Ob Stammorchester oder Jugendkapelle - für Weitz soll Musik auch Emotionen wecken. Das gelte für einen irischen Stepptanz genauso wie für eine böhmische Polka. Die Zuhörer erwarteten heutzutage auch ein bisschen Show. Seine Einschätzung: »Erfolg hat letztendlich der, der den Puls zwischen Kapelle und Publikum in Einklang bringt.«

Obwohl Weitz seit Jahrzehnten in Nieder-Weisel wohnt, engagiert er sich unermüdlich für seinen Heimatort. Für die Veranstaltungen zum 700. Dorfjubiläum steuerte er Ideen bei, koordinierte, packte mit an.

Auf seine Initiative hin hängen seitdem Schilder an Gebäuden mit »Alten Hausnamen«. Gefragt, was denn auf dem Schild von Weitz’ Geburtshaus stehen sollte, antwortete ein Vereinsmitglied: »Taktgeber für ein halbes Jahrhundert Harmonie.«

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