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Fall Ayleen: 29-Jähriger in U-Haft - Über Fortnite gechattet

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Arno Englen (l.), Leitender Kriminaldirektor aus Freiburg, und Thomas Hauburger, Oberstaatsanwalt aus Gießen, bei der Pressekonferenz in Freiburg zum Tod der 14-jährigen Ayleen, die im Teufelsee bei Weckesheim gefunden wurde. © DPA

Die 14-jährige Ayleen ist tot im Teufelsee bei Reichelsheim gefunden worden. Jetzt sitzt ein 29-Jähriger aus der Nähe von Wetzlar in U-Haft. Eine Pressekonferenz in Freiburg hat am Montag Aufschlüsse gegeben, vieles ist aber noch unklar.

Sie sagte, sie wollte einem Freund einen Pulli bringen und kehrte nicht mehr nach Hause zurück. Die 14-jährige Ayleen aus Gottenheim bei Freiburg ist tot. Am Freitagabend wurde ihre Leiche im Naturschutzgebiet Teufelsee bei Weckesheim gefunden (diese Zeitung berichtete). Seit dem Wochenende sitzt ein Tatverdächtiger unter Mordverdacht in Untersuchungshaft, wie die zuständigen Ermittler aus Freiburg und Gießen am Montag bei einer Pressekonferenz in Freiburg mitteilten.

Der 29-Jährige, der in der Nähe von Wetzlar wohnt, ist für die Polizei kein Unbekannter. Wie Andreas Röhrig, Präsident des Landeskriminalamts Hessen, erklärte, habe der Tatverdächtige 2007 im Alter von 14 Jahren versucht, eine 11-Jährige zu vergewaltigen. Anschließend sei er für zehn Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht und 2017 daraus entlassen worden. Danach habe er fünf Jahre unter Führungsaufsicht in einem Programm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter gestanden. Dieses lief Ende Januar 2022 regulär aus.

Fall Ayleen: Dringender Verdacht auf Sexualdelikt

Laut der ermittelnden Staatsanwältin aus Freiburg, Franziska Scheuble, besteht aufgrund der Gesamtsituation der dringende Verdacht auf ein Sexualdelikt sowie der Verdacht des Mordes aus Verdeckungsabsicht. Viele Fragen sind aber auch für die Ermittler noch offen.

Thomas Hauburger, Oberstaatsanwalt aus Gießen, teilte mit, dass noch Freitagnacht - nach dem Fund einer weiblichen Leiche im Teufelsee - der Zahnstatus und die DNA des seit 21. Juli vermissten Mädchens aus der Nähe von Freiburg angefordert wurden. »Dann hatten wir die traurige Gewissheit: Es ist Ayleen.« Zur Todesursache könnten bislang keine Angaben gemacht werden, da das längere Liegen im Wasser die Obduktion erschwere.

Fall Ayleen: Über Fortnite mit dem Verdächtigen gechattet

Eine Auswertung der Handy-daten habe ergeben, dass sich beide in der Nacht zum 22. Juli länger an dem See aufgehalten haben.»Es spricht vieles dafür, wenn etwas passiert ist, dann in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli«, sagte Hauburger. Nun sollen unter anderem toxikologische Untersuchungen folgen. Fest steht laut des Freiburger Kriminaldirektors Arno Eng len aber, dass Ayleen und der Tatverdächtige sich aus dem Internet kannten und Chat-Kontakt hatten. So sollen die beiden seit mehreren Wochen Kontakt über das Online-Spiel »Fortnite« gehabt haben. »Wir müssen den Spuren nachgehen, weil es dort eine Chat-Funktion gibt«, sagte Englen am Montagnachmittag.

Der Mann soll das Mädchen in seinem Auto von Gottenheim rund 300 Kilometer in den Wetteraukreis gefahren haben. Ob und inwieweit Ayleen freiwillig mit dem Mann gefahren ist, ist noch unklar. Es gebe aber Hinweise, dass sie ihren Heimatort lebend verlassen habe.

Fall Ayleen: 29-Jähriger streitet ab und schweigt

Am Freitag seien bei der Durchsuchung der Wohnung des Mannes im Lahn-Dill-Kreis persönliche Gegenstände der 14-Jährigen gefunden worden. Noch am selben Tag sei der 29-Jährige in Köppern bei Rosbach festgenommen worden. Am Samstag wurde der Beschuldigte nach Freiburg gebracht, wo ihm beim Amtsgericht der Haftbefehl eröffnet wurde. Der Festgenommene habe die Vorwürfe abgestritten und von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Er befindet sich seither in Untersuchungshaft.

Die Auswertung der Daten und der gefundenen Gegenstände werde Wochen dauern, sagten die Ermittler. »Wir sind seit drei Tagen in diesem Ermittlungsverfahren und noch ganz am Anfang«, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer. Auf Polizei und Staatsanwaltschaft komme viel Arbeit zu.

Franz Semling, der Polizeipräsident aus Freiburg, sagte: »Es bleibt die Erkenntnis, dass wir nach allem, was wir derzeit wissen, leider keine Chance hatten, Ayleen rechtzeitig und lebend zu finden. Das ist bitter für alle, die alles gegeben haben, und muss erst verarbeitet werden.«

Info: Über 250 Hinweise

Laut des leitenden Freiburger Kriminaldirektors Arno Englen seien über 250 Hinweise aus der Bevölkerung zum Fall Ayleen eingegangen. Darüber hinaus gebe es »mehr als zehn Millionen digitale Spuren« auszuwerten. Zudem wies Englen auf die »Anonymität im Netz« hin - inwieweit Ayleen und der Tatverdächtige beim Chatten ihre Klarnamen benutzt hätten, sei bislang unklar. Eine Spur hingegen lief offenbar ins Leere: Zeugen wollen Ayleen am Tag ihres Verschwindens zwischen 19.30 und 20.30 Uhr auf einer Brücke am Freiburger Hauptbahnhof gesehen haben (diese Zeitung berichtete). »Wir wissen aber, dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht am Hauptbahnhof war«, sagte Englen in der Pressekonferenz am Montag.

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