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Ober-Mockstadt: Traumziel Berufsmusiker mit einem besonderen Instrument

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Hendrik Weiser aus Ober-Mockstadt hat für sich die Steirische Harmonika entdeckt, spielt sie mittlerweile recht erfolgreich und komponierte schon ein erstes eigenes Lied. © Ingeborg Schneider

Der 16-jährige Hendrik Weiser aus Ober-Mockstadt liebt Musik und spielt mehrere Instrumente. Seit einem Ski-Urlaub vor gut zwei Jahren kam auch ein hier eher ungewöhnliches Instrument dazu.

Er ist in einer musikalisch geprägten Ober-Mockstädter Familie groß geworden, hat die Leidenschaft für die Steirische Harmonika für sich entdeckt und kann sich durchaus vorstellen, die Musik zu seinem Beruf zu machen. Diese Zeitung sprach mit Hendrik Weiser, der, wenn es seinem Traum nachgeht, in den Startlöchern für seine ersten Studioaufnahmen und eine vielseitige Karriere steht.

Hendrik, erzählen Sie bitte zunächst etwas von sich selbst. Wie würden Sie sich vorstellen?

Ich bin Hendrik Weiser, 16 Jahre alt und wohne in Ober-Mockstadt. Zurzeit gehe ich in die 10. Klasse des Gymnasiums in Nidda. Mein Vater, meine Schwester und ich sind sehr musikalisch. Mein Vater spielt Klavier, Bass und Steirische Harmonika. Meine Schwester spielt Saxofon und ich selbst spiele, seit ich neun Jahre alt bin, Klavier, Klarinette, Kirchenorgel und nun ebenfalls die Steirische Harmonika. Neben meinem Hobby, der Musik, treffe ich mich viel mit meinen Freunden und engagiere mich bei unserer Freiwilligen Feuerwehr Ober-Mockstadt, wo ich auch im kommenden Jahr 2022 meinen Grundlehrgang absolvieren werde. Darauf bin ich sehr stolz.

Wie haben Sie die Steirischen Harmonika für sich entdeckt?

Als ich im Dezember 2019 für zwei Tage mit meinen Eltern am hohen Ifen im Kleinwalsertal Skifahren war, gingen wir auf die Alm zum Mittagessen. Dort waren fünf junge Männer, die eine kleine Steirische Harmonika dabei hatten und darauf spielten - einer besser als der andere. Ich war fasziniert, da ich volkstümliche Musik sehr mag und selbst Klavier, Klarinette und Kirchenorgel spiele. Schnell war mir klar, dieses für mich neue Instrument muss ich ebenfalls erlernen. Als wir wieder zu Hause waren, befasste ich mich regelmäßig mit der Steirischen Harmonika, die aus Österreich stammt und im gesamten Alpenraum bis hinunter nach Slowenien gespielt wird - und war immer noch sehr begeistert. Ich habe mich im Internet schlau gemacht, wo man das Instrument überhaupt kaufen kann und wie man lernt, darauf zu spielen.

Und wie ging es weiter?

Ich entdeckte den professionellen Musiker und Lehrer Hubert Fuchs aus Fieberbrunn in Österreich, auch genannt »der Ziachfuchs«, also »der Zugfuchs« - denn einer der volkstümlichen Spitznamen der Steirischen Harmonika ist »Zugorgel« oder in Österreich eben »Ziachorgel«. Hubert hat eine Website, mit deren Hilfe er Menschen auf der ganzen Welt das Spiel auf der Steirischen Harmonika beibringt. Zudem verleiht er gegen eine monatliche Gebühr Harmonikas von allen bekannten Herstellern. Am Anfang war ich sehr skeptisch, aber das legte sich schnell, als ich mich kostenlos auf der Website anmeldete. Die Website funktioniert mit Lernvideos. Hubert nimmt jeden Monat drei Lernvideos auf, man meldet sich an, und schon kann man ein neues Lied lernen oder am Lied weiterüben, bei dem man zuletzt aufgehört hat. Die Lieder sind in einzelne Bereiche unterteilt, die man nacheinander lernen kann. Das ist hilfreich und mittlerweile klappt mein Spiel sehr gut. Ich spielte schon bei einigen Geburtstagen, für die mich Leute buchten, und komponierte inzwischen auch ein eigenes Lied.

Speziell zum Instrument: Was unterscheidet die Steirische Harmonika vom »normalen« Akkordeon und was fasziniert Sie daran so besonders?

Den Unterschied zwischen Akkordeon und Steirischer Harmonika erkennt man dadurch, dass das Akkordeon Tasten wie bei einem Klavier besitzt. Die Steirische Harmonika hat dagegen ausschließlich Knöpfe. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Steirische auf Zug und auf Druck unterschiedliche Tonarten wiedergibt. Außerdem ist die Klangfarbe der Töne viel ausgeprägter als beim Akkordeon, was mich beim Spielen immer wieder fasziniert. Auf diese Weise kann man nämlich, wie ich finde, sehr viel mehr Gefühl in seine Lieder hineinbringen

Welche Stücke spielen Sie bevorzugt?

Auf der Harmonika spiele ich einfach alles, von Volksmusik bis zu modernen Pophits. Die modernen Lieder wie etwa »Despacito« oder den »Wellerman« bringe ich mir selbst bei. Das macht mir großen Spaß, da es mir sehr leicht fällt, Lieder vom Gehör her aufzunehmen und direkt zu spielen.

Wovon handelt Ihr selbstkomponiertes Lied?

Der Frühlingswalzer ist mit einer schönen Melodie im Kopf und der Vorstellung vom Frühling entstanden. Ich bin gerade sogar an meinem zweiten Song dran, der »Dreams« heißen wird. Mein Ziel ist, ein von ruhigeren zu schnelleren Melodien wechselndes Lied zu schreiben, zu dem man sich seine eigenen Gedanken machen und eben seinen »Träumen« nachhängen kann. In naher Zukunft sollen noch weitere Lieder folgen.

Wo sind Sie schon aufgetreten, auch zusammen mit Ihrem Vater Jens Weiser? Und welche Resonanz haben Sie erhalten?

Mein erster Auftritt fand beim Geburtstag eines Freundes statt, zu dem ich meine Harmonika mitgebracht hatte, da ihm diese Musik auch sehr gefällt. Da wurde ich dann gleich angesprochen, ob ich nicht auch für einen runden Geburtstag gebucht werden könnte. Ich habe zunächst überlegt, aber es hat mir ein sehr positives Gefühl gegeben, dass den Menschen meine Musik gefällt, und habe dann gleich angenommen. Daraufhin haben sich immer mehr Feierlichkeiten ergeben. Ich habe viele Anfragen für private Oktoberfeste und eine Kirbfeier bekommen, die ich natürlich ohne zu zögern ebenfalls angenommen habe. Mit meinem Vater zusammen bin ich bei einem Bayerischen Frühschoppen und einem Oktoberfest aufgetreten. Bei der Kirbfeier habe ich auf einer Bühne gespielt, was mir sehr großen Spaß gemacht hat, weil ich gesehen habe, wie die Menschen mich angeschaut und zu mir hochgelächelt haben. Im Dezember habe ich dann im Auftrag der Gemeinde Ranstadt auf der Weihnachtsfeier der Senioren im Seniorenzentrum Menetatis in Ranstadt gespielt. Das war sehr schön, da man den Bewohnern die Freude ansehen konnte. Normalerweise wären noch zwei weitere Weihnachtsfeiern für Senioren der Gemeinde dazugekommen, die, wie auch ein 60. Geburtstag, wegen Corona abgesagt werden mussten.

Können Sie sich vorstellen, die Musik einmal zu Ihrem Beruf zu machen?

Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen. Ich stehe noch am Anfang meiner Karriere, habe aber vor, mich sehr schnell weiterzuentwickeln, Erfahrungen im Musikbereich zu sammeln und mehr Social-Media-Präsenz zu bekommen. Vielleicht habe ich eines Tages sogar das große Glück, dass eine Plattenfirma auf mich aufmerksam wird und mich unter Vertrag nehmen möchte. Jetzt strebe ich erst einmal mein Abitur, meinen Führerschein, und den Grundlehrgang der Feuerwehr an und werde demnächst meine eigenen Songs auf Spotify hochladen.

Welche Rolle spielen die Sozialen Medien für Sie?

Die Sozialen Medien spielen eine sehr große Rolle. Ich finde, dass die Musik überall geteilt werden sollte, da sie verbindet und sehr gefühlvoll ist. Ich habe einen Instagram-Kanal, der »hendrikweiser« heißt, und einen Youtube-Kanal mit dem Titel »Hendrik Weiser | Volksmusik auf der Steirischen Harmonika«.

Wer sind Ihre wichtigsten Vorbilder und warum?

Zu meinen wichtigsten Vorbildern gehören Herbert Pixner und Melissa Naschenweng, die beide in ihrer Musikszene viel erreicht haben. Da ich selbst mehrere Stücke von Herbert Pixner auf der Harmonika spiele, werde ich so auch inspiriert, selbst emotionale und schöne Melodien zu komponieren. Melissa Naschenweng begeistert mich durch die vielen Hits, die sie herausgebracht hat und damit Millionen von Menschen erreicht. Das ist auch mein Traumziel: Kurzfristig möchte ich meine eigenen Songs auf allen gängigen Plattformen veröffentlichen und mit einer eigenen Band Konzerte spielen. Langfristig würde ich mich freuen, meine eigenen Songs in einem Tonstudio aufzunehmen, ein Label zu finden, das mich musikalisch unterstützt, und ganz bald auf weltweite Tour gehen zu können.

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