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Das Neubaugebiet »Mockstädter Höhe« wurde in den 90er Jahren entwickelt, vor 20 Jahren realisiert und bietet inzwischen 150 Menschen generationenübergreifend eine neue Heimat. Rechts: der Erdaushub für die Zufahrt zum neuen Gewerbegebiet »Unter dem Ranstädter Weg«.

Gemeindeentwickung

Neuansiedlung mit Augenmaß: Ranstadt schreibt Erfolgsgeschichte

Geht es um den Bauboom in der Region, stehen häufig andere Kommunenim Fokus. Dabei ist die Entwicklung Ranstadts eine Erfolgsgeschichte, die gerne übersehen wird..

An der alten Gärtnerei gibt es neue Mietwohnungen für Singles ebenso wie für Senioren im betreuten Wohnen. Das in den 90er Jahren geplante Neubaugebiet »Mockstädter Höhe« wird generationenübergreifend von etwa 150 Menschen bewohnt. An der Bundesstraße 275 entsteht soeben ein neues, fünf Hektar großes Gewerbegebiet, und der Bau von Holzhäusern auf einer ehemaligen Industriebrache am Ortseingang fällt selbst Durchreisenden sofort ins Auge. Ranstadt hat seine Optik in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert.

Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel (SPD) und Udo Schädel, Fachsbereichsleiter Bau der Gemeinde, unterstreichen, dass gerade im Neubaugebiet »Mockstädter Höhe« bei weitem nicht so viele Menschen leben, wie allgemein angenommen. »Die Nachrichten, die uns zu dieser Siedlung wie generell zu neuen Bauprojekten erreichen, sind durchaus widersprüchlich«, berichten sie. »Während viele Einwohner die Neuzuzüge und die damit einhergehende Entwicklung von Infrastruktur und Zukunftsaussichten positiv bewerten, möchten andere am liebsten alles beim Alten belassen und neue Bauplätze nur für die eigenen Kinder reservieren.«

Gratwanderung für Gemeinde

Es sei eine Gratwanderung, gleichzeitig Neubau zuzulassen, aber auch die alten Ortskerne zu bewahren, den Leerstand neu zu beleben und den »ländlichen Charme« zu erhalten, den viele junge Familien, die vor den hohen Mietpreisen der Stadt fliehen, ja gerade für sich und ihre Kinder suchen.

»Werbung brauchen wir nicht zu betreiben - schon Wohnungen und Bauplätze in Bad Vilbel oder Dortelweil kann sich kaum einer mehr leisten«, erläutert Udo Schädel. Auch für innovatives Gewerbe sei die Kommune, unter anderem dank ihrer Verkehrsanbindung, reizvoll, das neue Gebiet an der Bundesstraße bereits belegt. »Unter den Firmen, die sich dort um Bauplätze bewarben, haben wir eine Vorauswahl getroffen und diese vom Gemeindevorstand bewilligen lassen«, erläutert Reichert-Dietzel. »Wir haben einheimischen und nachhaltigen Unternehmen den Vorrang gegeben, die Arbeits- und Ausbildungsplätze bieten und zudem Branchen repräsentieren, welche in der Großgemeinde noch nicht vertreten sind.«

Insgesamt berichten Schädel und Reichert-Dietzel von einem Umdenken in Sachen Wohnungsbau, das sowohl die modernen Lebensumstände als auch die veränderte Gesetzgebung widerspiegele. »Früher träumte jeder von seinem eigenen Häuschen mit Garten - eine Vision, die unser Neubaugebiet ›Mockstädter Höhe‹ realisiert hat«, sagt Reichert-Dietzel. Und Udo Schädel ergänzt: »Heute wohnen junge Familien wieder auf etwas engerem, aber auch angemessenerem Raum. Mehr kann und will man sich vielfach nicht mehr leisten - zumal meist beide Eltern arbeiten und die Pflege eines Hauses mit Grundstück, auch wenn es sich um einen Neubau handelt, viel Zeit erfordert. Von der Sanierung und Neubelebung eines Fachwerkhauses gar nicht zu reden.«

Auch ältere Menschen, vor allem Witwen, erwögen heutzutage viel eher den Verkauf ihres großen, vereinsamten Hauses und den Umzug in eine Mietswohnung inmitten einer Hausgemeinschaft - mit der langfristigen Perspektive im Seniorenwohnheim Menetatis vor Ort. »All diese Möglichkeiten hatten wir vor 20 Jahren noch nicht zu bieten«, so die Bürgermeisterin. Nicht zuletzt fördere und fordere der Gesetzgeber in Bund und Land stärker den Bau von viel Wohnraum auf kleiner Fläche, dies orientiert am Bedarf, an energetischen und klimatischen Herausforderungen.

Erst versiegelt, jetzt belebt

»Für letztgenannten Ansatz stehen unter anderem die neuen Holzhäuser im Quartier ›Im Wolfsgarten, die zunächst 23 nachhaltige Gebäude mit insgesamt 46 Wohneinheiten bereitstellen«, verdeutlicht Udo Schädel. Eine weitere Siedlung dieses Stils sei auf der Brache direkt an der Bahnlinie geplant. »Während einige Ranstädter die Bauweise und die Vielzahl der Wohnungen durchaus kritisch sehen, sind andere froh, dass auf der alten, jahrzehntelang versiegelten Industriefläche am Ortseingang neues Leben einkehrt.«

Neuansiedlung mit Augenmaß sei das gemeinsame Anliegen von Gemeindeverwaltung und Politik, betont Cäcilia Reichert Dietzel. »Wir müssen in großen zeitlichen Perspektiven denken, die Lebensqualität in unseren Dörfern beibehalten und ausbauen, auch die Infrastruktur mitwachsen lassen. Der Neuzuzug bedeutet große Herausforderungen für Kitas, Schulen, Vereine, die Versorgung mit Wasser und Energie, die Abwasser- und Abfallbeseitigung. Diese Aufgaben zu bewältigen und einen attraktiven Ruf Ranstadts für alle Generationen und das Gewerbe zu erhalten - daran arbeiten alle Mitarbeiter der Verwaltung und die Politik gemeinsam.«

Weitere Gebiete ausgewiesen

Ausgewiesen seien mittelfristig noch ein Neubaugebiet mit 14 Einheiten um die Ober-Mockstädter Eisenkaute sowie 25 Bauplätze in Dauernheim. »Die Ortsbeiräte wurden zudem gebeten, festzustellen, wo sie in ihrem Dorf in den nächsten zehn Jahren noch Bauperspektiven sehen. Nach diesen Wünschen soll eine Perspektivensatzung entstehen, die weiteren Bauvorhaben als Richtschnur dienen wird«, erläutern beide Ansprechpartner. »Wir müssen bleiben, wer wir sind, und streben keineswegs an, ins Unermessliche zu wachsen. Doch wir dürfen uns auch aus der Verantwortung für die Wohnraumbereitstellung nicht davonstehlen und nicht abgehängt werden. Wir müssen für junge Familien und ebenso für innovatives Gewerbe attraktiv bleiben.«

Die Holzhäuser im Quartier »Im Wolfsgarten« am Ortseingang von Ranstadt stehen für eine nachhaltige Bauweise.

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