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Mit Beharrlichkeit zum Erfolg in Sachen Radwegausbau an der B275

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Kein Durchkommen derzeit auf dem direkten Weg zwischen Ranstadt und Selters; wegen Sanierungsarbeiten ist die B275 aktuell gesperrt. Lange kam man auch in der Frage eines Radwegbaus entlang der Strecke nicht weiter. Das soll sich nun aber ändern. FOTO: SCHNEIDER © Ingeborg Schneider

Jahrzehntelang ist er schon ein Thema, aber die Realisierung blieb bislang aus - der Radweg entlang der B275 zwischen Ranstadt und Selters. Doch nun kommt Bewegung in die Sache.

B erufspendler, die auf der B275 unterwegs sind, müssen sich seit April und noch bis in den August hinein im Bereich Ranstadt und Ortenberg wegen Straßensanierungsarbeiten auf Änderungen in der Verkehrsführung und damit auch auf einen weiteren Weg zur Arbeit im Rhein-Main-Gebiet einstellen. Laut Hessen Mobil saniert man diesen vier Kilometer langen Streckenabschnitt, um größere Schäden zu vermeiden, heißt es. In den Anliegerkommunen besteht seit langem der Wunsch nach einem sicheren und guten Fahrradweg zwischen Nidda- und Niddertal. Diese Zeitung sprach mit Ranstadts Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel (SPD) unter anderem darüber, warum man im Zuge der aktuellen Arbeiten nicht zeitgleich den ersehnten Radweg realisiert.

Frau Reichert-Dietzel, mehrfach haben Sie betont, wie anstrengend und gefährlich es bereits für Sie in Ihrer Jugend war, etwa mit dem Rad von Ranstadt ins Ortenberger Freibad und zurück zu kommen. Schülerschaft und Lehrerkollegium der Konradsdorfer Schulen klagen bis heute über die gleichen Probleme. Welche Vorteile brächte eine sichere Radwegverbindung entlang der B275 mit sich?

Ein ausgebauter und sicherer Radweg ermöglicht auch jüngeren Schülerinnen und Schülern, die noch kein Auto haben, sich in ihrer Freizeit nach der Schule miteinander zu treffen. Aber wir müssen auch an die Nachhaltigkeit dieser und anderer regionaler Radwegeverbindungen denken: Bei hohen Spritpreisen und der Umwelt und dem Klima zuliebe besteht mit jedem sicheren Radweg auch die Chance, dass sämtliche Generationen aufs Rad umsteigen.

Gelegentlich hört man, dass es ja von Bellmuth aus durchaus einen Rad- und Wanderweg nach Effolderbach gäbe. Welche Bedeutung messen Sie dieser Alternative bei?

Diese Strecke ist landschaftlich reizvoll. Sie bietet mit einem entsprechenden geländegängigem Fahrrad oder E-Bike auch ein besonderes Fahrereignis mit ein wenig alpinem Feeling. Eine durchaus touristische Attraktion. Allerdings ist diese Strecke nicht unbedingt alltagstauglich und in der Dämmerung unwegsam, abgelegen und daher nicht ganz ungefährlich.

Die Verkehrsplanung liegt auf dem jetzt gesperrten Abschnitt der B275 in den Händen von Hessen Mobil. Dort sind Sie seit Jahren präsent, um die Radanbindung zwischen Niddatal und Niddertal zu erreichen. Wer sind Ihre Ansprechpartner und was antwortet man Ihnen?

Wir hatten immer Hessen Mobil und vorher das Straßenbauamt des Landes Hessen als Ansprechpartner; unterschiedliche politische Akteure gaben sich auf der Strecke ein Stelldichein mit viel Presserummel. Erstmals erleben wir - das sind vor allem Ortenbergs Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring und ich mit unseren Teams - allerdings seit etwa zwei Jahren eine hohe Dynamik, die mit dem Zuschlag zur Interkommunalen Landesgartenschau noch an Fahrt aufgenommen hat. Aktuell sind unsere Planer bei Hessen Mobil sehr kooperativ und auch willig, die Maßnahme zügig voranzubringen. Man stellt in Aussicht, dass wir vor der Landesgartenschau 2027 zu einem vorläufigen Bauende gelangen, dann mit dem lang geplanten Radweg. Fachliche Fragen, wie das Problem gefährlicher Querungen der Bundesstraße, konnte man inzwischen alle lösen: Es würde eine sichere Unterführung für den Radweg entstehen. Auch darf man die Unfallhäufigkeit auf der freien Strecke im Bereich der Kreuzung nach Effolderbach und nach Konradsdorf mit seinen Schulen nicht unterschätzen. Wir sind daher froh, dass man die Bedenken von Frau Pfeiffer-Pantring und mir zu den Querungsdetails in den Plänen nunmehr berücksichtigt hat.

Unverständnis herrscht in der Bevölkerung darüber, dass Hessen Mobil augenscheinlich nicht zeit- und kostensparend vorgeht: Hätte es sich nicht angeboten, parallel zur Fahrbahnsanierung auch gleichzeitig den Radweg zu bauen?

Das stimmt, aber leider waren die Vorbereitungen für den Bau noch nicht abgeschlossen. Die Planungen müssen ja ein Planfeststellungsverfahren durchlaufen, wobei es auch darum geht, Grundstücke zunächst ins Eigentum des Landes oder der Gemeinden zu bringen, das heißt anzukaufen. Um dies zu initiieren, muss wiederum die exakte Strecke feststehen. All das nimmt viel Zeit in Anspruch und in 40 Jahren arbeitete man bei Hessen Mobil nicht immer mit hoher Priorität an diesen Plänen. Ich stehe zwar nicht neben dem Schreibtisch des Sachbearbeiters, aber der Druck hat in den vergangenen Jahren durch die Bevölkerung, die Radfahrinitiative und viele Akteure an der Gesamtschule Konradsdorf zugenommen. Das hat auch geholfen. Die Oberhessen geben ja bekanntlich nicht so schnell auf.

Welche Resonanz erreicht Sie aus der Bevölkerung bezüglich der durch die viermonatige Sperrung nötigen Umwege?

Es nervt die Menschen schon sehr. Mich auch, weil ich diese Strecke auch beruflich oft fahre. Und der Umweg kostet enorm viel Zeit. Aber ich sage immer: Auch diese Erhaltungsmaßnahmen sind notwendig, und zwar im Sommer. Der ist kurz. Leider gibt es die »Siemens-Lufthaken« eben nicht für solche Maßnahmen. Geduld ist etwas, das man bei solchen Projekten durchaus mitbringen muss. Ich mache aus der Not eine Tugend: Die idyllische Fahrt von Nieder-Mockstadt über Gut Leustadt nach Stockheim verzückt mich immer wieder, ebenso wie meine nun oft gewählte Heimfahrt über Selters, Wippenbach, Bobenhausen und Bellmuth. Unsere Heimat ist so herrlich, dass diese Umwege ein wenig entschädigen.

In der Vergangenheit machten sich bereits verschiedene Parteien auf Kreisebene, die angrenzenden Kommunen sowie lokale und überregionale Mobilitäts- und Fahrradintiativen für die Anbindung stark. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesen Kooperationen, auch innerhalb Ihres Kollegenkreises gemacht? Was ließ sich erreichen?

Ich konnte mich auf meine Kolleginnen und Kollegen der östlichen Wetterau stets verlassen und hoffe, dass das so bleibt. Wir haben in der Wetterau ein gutes, kollegiales Verhältnis, unterstützen uns auch bei den Radwegeverbindungen. Jedoch setzt man immer wieder Prioritäten hin zum Rhein-Main-Gebiet, um etwa die berechtigte Forderung nach Radschnellwegen zu erfüllen. Unsere Region wird nur bedacht, wenn wir »sehr laut« rufen. Das kommt nicht immer gut an, nützt aber. Denn letztlich erhielten wir eben wegen unserer charmanten, aber konsequenten Haltung den Zuschlag zu einem der größten Landesprogramme - der ersten Interkommunalen Landesgartenschau in Hessen. Diesen Kraftakt konnten die elf beteiligten Städte und Gemeinden nur mit ihrem gemeinsamen Willen und der nachhaltigen Idee einer starken Region stemmen. Wir werden diesen Garten gemeinsam »einsäen« und ihn auch zusammen »ernten«.

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Cäcilia Reichert-Dietzel FOTO: REICHERT-DIETZEL © pv

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