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Leuchtende Augen in schweren Zeiten

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Die drei ehrenamtlich engagierten Frauen Rosi, Ines und Johanna aus dem Helferzelt »Hangahr-21« (vorne v. l.) mit dem Ranstädter Team Marion Dorn, Franco Saglimbeni und Joachim Weis als Weihnachtsmann. © Ingeborg Schneider

Die Eindrücke der Flutkatastrophe im Ahrtal ließen den Ranstädter Franco Saglimbeni nicht los. Mit Helfern stellte er eine Spendenaktion für Weihnachtsgeschenke für die Flutopfer auf die Beine..

M it einem Lächeln erinnert sich Jochen Weis, Teil des Ranstädter Helferteams »Licht der Hoffnung« um Franco Saglimbeni und Marion Dorn, an die ersten Minuten am Bestimmungsort der vielen liebevoll geschnürten Päckchen und Pakete für die Fultopfer im Ahrtal (diese Zeitung berichtete): »Kaum waren unsere zwei Transporter mit den 114 Geschenken auf Wunsch und 80 zusätzlichen Präsenten im Flutgebiet in Bad Neuenahr-Ahrweiler angekommen und durch viele helfende Hände geleert worden, da stellte sich schon die nächste Frage: ›Wie gestalten wir die Bescherung?‹ Wir waren sofort mit allen vor Ort per Du und Teil des Teams aus privaten und ehrenamtlichen Helfern des ›Hangahr21‹.« Weis zeigt den Anstecker mit seinem Vornamen und dem Logo des hangarähnlichen Helferzelts, das man ihm überreichte. »Mein weißes Haar und der Bart haben mich auf der Stelle für den Job des Weihnachtsmanns qualifiziert«, sagt Weis, der dank seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Berufsschullehrer, Jugendtrainer beim SV Ranstadt und ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer zudem über die notwendige pädagogische Erfahrung, das Einfühlungsvermögen, aber auch die Stimmgewalt verfügte. »All das war auch notwendig, denn die Bescherung am Sonntagnachmittag nahm zweieinhalb Stunden in Anspruch«, erzählt der hochgewachsene Mann, der, gekleidet in eine rote Baujacke mit passender Hose und Mütze, die vielen Päckchen und Pakete samt freundlichen, persönlichen Worten an den Jungen, das Mädchen und an einzelne Erwachsene brachte. »Die Freude war unbeschreiblich«, erinnert er sich. »Nachdem die ersten Geschenke überreicht und ausgepackt waren, musste ich immer wieder um Ruhe bitten, so groß waren der Jubel und der Überschwang.«

Einsatz schon vor der Bescherung

Es sei gut gewesen, dass sie als Ranstädter Team bereits am Samstag, also einen Tag vor diesem dritten Advent angereist seien und sich ein Bild von der katastrophalen Lage in einigen immer noch weitgehend zerstörten Orten des Ahrtals gemacht hätten, stellt Weis fest. »Wir hätten sonst den bitteren Unterton gar nicht verstanden, mit dem die Senioren sich beim samstäglichen Kaffee im Helferzelt über die verspätete Alarmierung und den weitgehenden Rückzug der Politik unterhielten. Man fragte laut, warum denn nicht die Bundeswehr, die im Ausland vielen zur Hilfe eile, hier, im Inland zum Einsatz gekommen sei und etwa 20 000 Mann zum generalstabsmäßigen Einsatz abgestellt habe. Wäre dies der Fall gewesen, wie es ja in Sachen Impfzentren und Krisenstab der neuen Bundesregierung auch möglich sei, dann hätte es mutmaßlich keine Organisations- und Verteilungspannen gegeben und man wäre jetzt, vor dem Weihnachtsfest schon unendlich viel weiter und wieder zu Hause - so lautete der Tenor der Gespräche.«

Im Rahmen der Bescherung traten die unvergessenen Ereignisse und deren Bewältigung aber vorübergehend in den Hintergrund, und die große Freude dominierte. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag hatten die Ranstädter geholfen, die Senioren aus jenen Häusern zu tragen, deren Aufzüge noch immer nicht intakt sind.

»Das Versprechen: ›Jedes Kind bekommt sein gewünschtes Geschenk!‹ konnte ich wahrmachen - jedenfalls zu 99,9 Prozent«, schränkt Jochen Weis schmunzelnd und zugleich bedauernd ein. »Valentina, ein sechsjähriges Mädchen, das wie eine kleine Balletttänzerin wirkte, war vollkommen in Tränen aufgelöst, als ich das letzte Päckchen vergeben hatte. Denn der Wunschzettel ihres Bruders ging nach Ranstadt und wir besorgten auch sein Geschenk. Ihr Wunsch jedoch - es handelte sich um ein Lese- und Vorlesegerät für E-Books - war an eine ganz andere Initiative nach Mannheim gewandert und durch weitere unglückliche Umstände hatte sie das Gerät zumindest bisher noch nicht erhalten.«

Die Zusage von Franco Saglimbeni, eine Lösung zu finden, ließ zunächst den Tränenstrom versiegen - und tatsächlich machte sich der Ranstädter, der vor Ort in der Gebäudesanierung tätig ist, am gestrigen Donnerstag, dem Tag vor Heiligabend, erneut auf den Weg ins Ahrtal, das Geschenk für die kleine, überglückliche Valentina im Gepäck.

»Nebenbei haben wir es auch noch geschafft, den Pizzaofen erneut anzuwerfen, eine Helferparty zu organisieren und allen zu danken, die dabei mitgeholfen haben, diese Aktion zu einem guten und glücklichen Ende zu bringen«, sagt Weihnachtsmann Jochen Weis, der sicher ist, dass dies nicht sein letzter Besuch im flutgeschädigten Ahrtal war.

Viele Helfer sorgen für den Erfolg

Zurückgekehrt mit vielen überwältigenden Eindrücken aus dem Ahrtal werden Franco Saglimbeni, Marion Dorn und Joachim Weis nicht müde zu betonen, das sie als Überbringer der Gaben nur Teil einer viel größeren Gruppe Ranstädter Privat- und Geschäftsleute sowie von Vereinen und Freien Wählern Ranstadt waren. So danken sie unter anderem allen »Wichteln«, die einen kindlichen Wunsch liebevoll erfüllt oder für einen Erwachsenenwunsch gespendet sowie am Stand auf dem Rewe-Parkplatz »an zwei Wochenenden Pizza für einen guten Zweck gegessen und mit einem Glas Glühwein einander zugeprostet haben«. Am Stand in Ranstadt halfen Claudia Pretsch, Tatjana Guck und Manuela Walter, Marion und Peter Stroh, Layla und Antonio, Laura und Laura, Patrick, Marlene, Vanessa und Tobias. Mit Geldspenden beteiligt waren die Firmen Variopack, Köhler Baudekoration und das Autohaus Rödling, wodurch die ehrenamtliche Arbeit vor Ort über den Winter hinaus ermöglicht werde, wie das Einsatzteam unterstreicht. Spielwaren kamen von Anneliese Suppes, vergünstigte Elektrogeräte von eStar Gießen, die Zutaten für das Pizzabacken von Mondo Italiano und den Freien Wählern, kostenfreie heiße Getränke und die Stromversorgung stellten Rainer Lapp und seinem Ranstädter Rewe-Team. »Der Sportverein Ranstadt unterstützte mit Zelten, Tischgarnituren und Gerätschaften zum Glühwein-Kochen und Pizza-Backen, Eric Bouma hat Flugblätter und Plakate gestaltet, gedruckt und den Kontakt zur Firma Milkana im Allgäu hergestellt«, berichten die drei Aktiven. »Milkana wiederum spendete nicht nur eine Paletten Frischkäse für das private Versorgungszelt, sondern auch 30 Playmobilbaumhäuser für Kinder, die keinen Wunschzettel abgegeben hatten.« Liebevoll verpackt wurden viele Geschenke im Lotto-Toto-Laden Petra Zepter. Thorsten Martin von der Firma ASM war für den Transport und den Aufbau des Pizza-Equipments nach Ahrweiler zuständig, denn auch dort trat Franco Saglimbeni als Pizzabäcker in Aktion. Letztlich wäre die Abholung der Senioren und ihre Einbeziehung in die Weihnachtsfeier mit Geschenkübergabe nicht möglich gewesen ohne einen Tragestuhl als Spende der Firma Wolff Krankenfahrten Friedberg.

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Alle Hände voll zu tun hat »Nikolaus« Jochen Weis bei der Übergabe der Geschenke. Doch die Begeisterung bei den kleinen und auch großen Beschenkten ist alle Mühen wert. © Ingeborg Schneider

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