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Yvonne Taddeo vor dem linken Flügelbild des berühmten Ortenberger Altars, das 1986 die Weihnachtsbriefmarke der Deutschen Bundespost zierte. Die evangelische Marienkirche schätzt die Autorin besonders, weil sie stets für Gäste offen ist und Menschen dort jederzeit willkommen sind.

Buchvorstellung

Ortenberg auf literarische Weise neu entdecken

Bekannt wurde Yvonne Taddeo aus Ortenberg mit ihrer Romanreihe »Keltâ«, in der sie Historisches der Region mit keltischer Mystik verbindet. Jetzt hat sie ein Sachbuch geschrieben.

D ie »Keltâ«-Reihe und Kurzgeschichten aus der Wetterau bildeten bislang den schriftstellerischen Schwerpunkt der Arbeit der Ortenberger Autorin Yvonne Taddeo. Bereits vor zwei Jahren beschritt sie aber mit dem Buch »Die Stadtteile der Großgemeinde Nidda« einen neuen Weg, mit dem sie liebenswerte und besondere Aspekte der Gemeinde sammelte und vorstellte. Nun hat sie sich anlässlich des 50. Jubiläums der Großgemeinde Ortenberg im kommenden Jahr an ein ähnliches Projekt für ihren Heimatort gemacht. Mit dem Kreis-Anzeiger sprach sie nun über die Hintergründe des Buchs, das es jetzt zu kaufen gibt.

Frau Taddeo, wie kam es dazu, dass Sie anlässlich des Jubiläums »50 Jahre Großgemeinde Ortenberg« ein Stadtporträt geschrieben haben?

Bereits als ich 2019 in den letzten Zügen zum Niddaer Stadtporträt steckte, kam die Überlegung dazu auf. Ich hatte so viel Interessantes und für mich auch Neues in den einzelnen Niddaer Stadtteilen erfahren, da war ich neugierig was es wohl über Ortenberg zu erfahren gibt.

Hatte die Arbeit an diesem Buch eine besondere Bedeutung für Sie, Sie leben ja in Ortenberg?

Es gibt verschiedene Stellen im Buch, die eine besondere Bedeutung haben. Wenn ich etwas erfuhr, das ich nicht kannte und das vielleicht auch viele andere nicht kennen. Zum Beispiel welche seltene Pflanze in Bergheim wächst oder was es mit dem Pariser-Eck in Gelnhaar auf sich hat. Besonders liegt mir jedoch das Gebäude am Herzen, in dem sich einst eine Synagoge befand. Ich finde, das Haus erlebt derzeit ein bemerkenswertes Revival. Wo früher Futtermittel verkauft wurden, wird heute Tiernahrung angeboten, und wo früher gebetet und gelehrt wurde, werden heute Seminare abgehalten. Die Seite alemannia-judaica hat meine Rekonstruktionszeichnung in ihre Beschreibung zur Synagoge aufgenommen, was mich sehr gefreut hat (www.alemannia-judaica.de/ortenberg_synagoge.htm)

Sie haben bereits verschiedene Romane mit historischem und lokalem Bezug geschrieben, dazu auch schon ein ähnliches Buch über Nidda und seine Ortsteile, wie Sie bereits erwähnten. Wie wichtig sind Ihnen die Themen Geschichte und Region für Ihre Arbeit?

Sehr wichtig. Ich erlebe immer wieder, dass man vieles aus der eigenen Region nicht kennt. Nach dem ersten Roman hatte ich unter anderem das Feedback, dass viele nach dem Lesen zum ersten Mal an der Schafskirche bei Lißberg waren, ja teils nicht einmal davon wussten. Es ist schön, Interesse für lokale Sehenswürdigkeiten zu wecken und mit dafür zu sorgen, dass sie im Gedächtnis bleiben.

Was erwartet die Leserin/den Leser in Ihrem neuen Buch?

Porträts der einzelnen Stadtteile. Dabei habe ich immer versucht wiederzugeben, was aus der Sicht der Einwohner wichtig ist. Die Ortsbegehungen mit Ortsbeiräten oder einfach interessierten Mitmenschen waren da sehr hilfreich.

Gibt es eine Geschichte/ein Thema im neuen Buch, das Sie in besonderer Weise gefesselt hat? Wenn ja, welches ist es und was war so beeindruckend?

Nun, es sind oft Märchen und Sagen, die mich fesseln. Überlieferungen, die man meist nur lokal kennt. Die entfesseln meine Fantasie. Für meine Buchreihe »Kurzgeschichten aus der Wetterau« entstanden während der Recherche zum Stadtteilebuch die Geschichten »Wie ein Dorf zum Namen kam« über Gelnhaar sowie »Eines klugen Mannes Trick« über Eckartsborn. Wenn ich so eine Überlieferung höre, dann frage ich mich, wie kam die zustande? Was könnte dahinter stecken?

Wenn man Ihr neues Buch mit dem zum Niddaer Stadtjubiläum vergleicht, war die Herangehensweise ähnlich oder mussten Sie das Konzept ganz neu erarbeiten?

Ja, sehr ähnlich. Im Grunde erarbeitete ich es auf die gleiche Weise. Ich nahm Kontakt mit Ortsbeiräten und Ortskundigen auf, erkundigte mich auch im Internet und formulierte das Erfahrene aus .

Wie verlief die Arbeit an Ihrem neuen Buch und wann haben Sie damit begonnen?

Ich begann bereits Ende 2019. Der erste Lockdown verursachte eine lange Pause. Mal lag es daran, dass meine Gesprächspartner zu Risikogruppen gehörten, mal an einer einfachen Erkältung, die man lieber erst auskurierte. Gerade zu Beginn der Pandemie waren die Leute sehr vorsichtig. Von daher gab es einige Unterbrechungen.

Und das Ergebnis? Lassen sich die beiden Bücher miteinander vergleichen?

Hmmm... gute Frage. Ich würde sagen, ja. Ich habe den gleichen Aufbau gewählt, zum Beispiel erst ein ausformuliertes Kapitel und dann nochmal alles kurz und knapp auf einen Blick hinten dran.

Haben Sie bereits Pläne für Ihre nächste schriftstellerische Tätigkeit? Wenn ja, welche wären das?

Ja, Pläne gibt es. Im Frühjahr möchte ich mit einem Buch über die Ortsteile der Gemeinde Ranstadt beginnen. Darauf freue ich mich schon sehr. Gewiss wird dabei auch wieder die eine oder andere Kurzgeschichte entstehen. Und dann, wer weiß: Der Wetteraukreis ist groß. Es gibt noch viel zu entdecken und niederzuschreiben.

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