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Das Glück der Nachhaltigen aus Bergheim

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Röhren wie diese tragen in der neuen Solarthermieanlage dazu bei, dass Bergheim künftig auch in den Sommermonaten kostengünstig und effektiv mit Heizung und Warmwasser versorgt wird. © Oliver Potengowski

Mit zwei Jahren Verspätung weiht man in Bergheim eine Solarthermieanlage ein. Sie sorgt in Zeiten hoher Energiepreise für noch niedrigere Kosten bei Heizung und Warmwasser im Ort.

Bergheim (ten). Mit zwei Jahren Verspätung haben die Genossen des Energiedorfs Bergheim ihre Solarthermieanlage eingeweiht. Doch durch die Verzögerung wegen der Corona-Pandemie wird nochmals deutlich, wie weit das Projekt Nahwärmenetz und die aktuelle Erweiterung ihrer Zeit voraus sind. Denn angesichts explodierender Energiepreise können sich die Mitglieder der Genossenschaft seit zehn Jahren über konstante Kosten für Heizung und Warmwasser freuen.

Seit dem 30. September 2020 ist die Solarthermieanlage des Energiedorfs inzwischen in Betrieb. 1,3 Millionen Kilowattstunden Wärme habe man in diesen fast zwei Jahren erzeugt, so der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Genossenschaft, Hartmut Langlitz, bei der verspäteten Einweihung. Das entspreche eine Kostenersparnis von 50 000 Euro für Holzhackschnitzel, die man sonst in der Anlage hätte verfeuern müssen.

»Die Zahlen zeigen, dass unsere Erwartungen sogar noch übertroffen wurden«, freute er sich mit den Genossen. Das Jahresziel für 2022 habe man bereits Ende August erreicht. »Seit 13. Mai ist der Hackschnitzelofen aus«, sagte Langlitz. Der Wetterumschwung der vergangenen Tage sorgte für eine besondere Ironie zur Einweihung. »Ausgerechnet heute mussten wir ihn wieder anmachen«, lachte Langlitz.

Wärme günstig und effizient

Denn auch das ist ein Vorteil der verspäteten Einweihung. Im Unterschied zu anderen Projekten, die erst mit solchen Feiern in Betrieb gehen, kann Bergheim bereits konkrete Zahlen zur Effizienz der Solarthermieanlage nennen. An Sonnentagen erzeuge sie sechs Megawattstunden Wärme, erklärte Langlitz. Dass es keine Schönwetteranlage ist, zeigt der zweite Wert. Selbst an trüben Regentagen liefere die Anlage 500 Kilowattstunden.

Der wesentliche Grund für die Erweiterung des Nahwärmenetzes um die Solarthermieanlage lag aber zunächst nicht in der Reduzierung des Hackschnitzelverbrauchs. Er erweist sich angesichts der in den vergangenen Monaten ebenfalls stark gestiegenen Holzpreise aber als weiterer Vorteil. Vielmehr standen technische Überlegungen im Vordergrund. Der Holzofen, der 95 Prozent der Wärme für das Nahwärmenetz liefert, ist so ausgelegt, dass er auch im Winter 90 Prozent der benötigten Energie liefern kann. Das bedeutet aber auch, dass im Sommer nur ein Bruchteil der Kapazität benötigt wird, sagte Langlitz. »Die meiste Energie in den Sommermonaten benötigen wir dafür, das Netz immer auf Temperatur zu halten«, stellte er fest. Dieser Komfort ist allerdings relativ aufwendig. Denn von Mai bis September betrieb man den Ofen nur mit kleinster Flamme. So sei nicht nur der Wirkungsgrad deutlich schlechter gewesen. Auch der Arbeitsaufwand des Serviceteams für Holzbeschickung, Ascheentsorgung, Reinigung und Störungsbeseitigung sei im Vergleich zur benötigten Wärme relativ hoch gewesen.

Alternativen zur Solarthermie wie Biogas, Strom, Erdwärme oder ein Blockheizkraftwerk um den Wärmebedarf im Sommer zu decken, habe man geprüft aber verworfen. Im Juni 2019 beschloss man dann, die Anlage zu bauen. Es folgten Genehmigungsverfahren und Gespräche mit Banken zur Finanzierung des rund 900 000 Euro teuren Projekts. Ausdrücklich dankte Langlitz den Gremien der Stadt Ortenberg, die auch die Erweiterung durch eine Bürgschaft unterstützt haben.

Er stellte fest, dass es trotz der Herausforderungen eines Baubeginns zum ersten Lockdown und der damit verbundenen Schwierigkeiten ein Vorteil war, die Anlage damals zu bauen. So sicherte sich die Genossenschaft einen sehr günstigen, auf zehn Jahre festgeschriebenen Zinssatz. Und auch gestiegene Baupreise und der Fachkräftemangel seien kein Thema gewesen.

Ökologische Abrundung

Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring lobte, dass Bergheim durch die neue Anlage eine ökologische Abrundung bekommen habe. »Den Menschen, die dann doch noch ein Haar in der Suppe gefunden haben, haben Sie es jetzt gezeigt«, lobte sie. Dazu habe das Nahwärmenetz und die Gründung der Genossenschaft auch eine positive Wirkung für das Dorf. »Es hat Sie näher zusammen gebracht.«

Diese Gemeinschaft lobten auch ausdrücklich Bram Lernout, Projekttleiter der Firma Ritter XL, die die Solarthermieanlage lieferte und aufstellte, sowie Alexander Schneider, Projektleiter der Firma Herbert, die die Einbindung in die bestehende Hackschnitzelanlage übernahm. »Die Gastfreundschaft war überwältigend«, dankte Lernout. Schneider ergänzte, »Man hat immer Hilfe gehabt, wenn man sie gebraucht hat. Das war eher ein familiärer Umgang, das hat man sonst selten auf Großbaustellen.«

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Sieh haben gut lachen - die Bergheimer Energiegenossen. Mit der neuen, nun eingeweihten Solarthermieanlage sparen sie bei der Heizungs- und Warmwasserversorgung nun noch mehr und schonen dabei die Umwelt. © Oliver Potengowski

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