1. Startseite
  2. Lokales
  3. Nidda

Zur Ruhe kommen und Kraft tanken bei Schwickartshausen

Erstellt:

cwo_MEZlieblingsplatz1_0_4c
cwo_MEZlieblingsplatz1_0_4c © Elfriede Maresch

Immer dann, wenn Marlies Fels Ruhe braucht und Kraft tanken muss, zieht es sie zu den drei Lärchen und Rullmanns Ruh zwischen Schwickartshausen und Lißberg - ihrem Lieblingsort.

Schwickartshausen (em). Man kann gut verstehen, warum Marlies Fels gerade hier zwischen Schwickartshausen und Lißberg ihren Lieblingsort gefunden hat und ihn nun in der gleichnamigen KA-Sommerreihe vorstellt: die drei Lärchen und der überdachte Sitzplatz Rullmanns Ruh, der an einen früheren Förster erinnert.

Aus der Feldflur um Schwickartshausen führt der Weg den Hügel hinauf. Vom Waldrand aus bietet sich noch ein schöner Blick auf das Dorf mit dem wuchtigen, mittelalterlichen Kirchturm und das Laisbachtal. Dann beginnt der Hochwald, selbst in der großen Sommerhitze in luftigen Schatten getaucht. Hier kreuzen sich Wanderwege aus dem Laisbach- ins Hillersbach- und ins Niddertal. Aber für Marlies Fels aus Nidda bedeutet Rullmanns Ruh mehr als nur ein lohnendes Ziel für Sommerspaziergänge.

Ein Ort der

Erinnerungen

Es ist für sie ein Ort der Erinnerungen. Fels wuchs in Schwickartshausen auf. Eltern und Großeltern betrieben eine kleine Landwirtschaft im Nebenerwerb. »Die oberhessischen Dörfern haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Ich kann mich gut erinnern, wie ich als kleines Mädchen mit den Großeltern auf dem Kuhfuhrwerk hier vorbeigefahren bin«, erzählt Marlies Fels. »Es ging zum Mähen und Heuwenden auf unsere Wiesen im Hillersbachtal. Wenn ein Gewitter aufzog, hatten wir gewaltig Zeitdruck. Wir mussten alles geben, um den Wagen schnell zu beladen. Es hing viel davon ab, das Heu noch trocken in die Scheune zu bekommen. Erleichtert saßen wir beim Essen, wenn wir das geschafft hatten und draußen der Regen niederrauschte.«

Fels erinnert sich auch an die enge Dorfgemeinschaft von damals: »Die Familien halfen sich gegenseitig bei großen landwirtschaftlichen Arbeiten, wenn auf der Hofreite etwas repariert werden musste oder jemand lange krank lag. Ich will die alte Zeit nicht idealisieren, es gab auch damals schwierige Leute, um die man eher einen Bogen machte. Aber ich denke, für die Kinder war es ein Plus, ganz selbstverständlich in die Jahresarbeit der Familie einbezogen zu sein. Der Sprung in den Beruf, ins Erwachsenenleben war leichter für sie.«

Marlies Fels war das einzige Schwickartshäuser Mädchen ihres Jahrgangs, das nach der Schule eine Berufsausbildung begann: »Ich machte bei der bäuerlichen Hauptgenossenschaft in Stockheim eine Lehre als Bürokauffrau, meine Mutter fuhr mich schon während meines letzten Schuljahrs jeweils an einem Abend der Woche in die Handelsschule nach Friedberg. Meine Eltern waren da recht fortschrittlich. Mädchen anderer Familien mussten sich für eine Berufsausbildung mehr durchsetzen, das war noch nicht selbstverständlich.«

Früh morgens

oder abends

Die kaufmännische Erfahrung kam Fels später sehr zugute. Von 1979 bis 1991 arbeitete sie in der Niddaer Stadtverwaltung. Später engagierte sie sich kommunalpolitisch, war Vorsitzende der örtlichen Freien Demokraten, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und des Kreisvorstands, dann eine Legislaturperiode lang im Magistrat.

Aber Rullmanns Ruh und die drei Lärchen sind für Fels nicht nur Anlass zu Erinnerungen, sondern auch ein Kraftort: »Hier kann ich zur Ruhe kommen!« Das tat gut in Zeiten besonderer Lebensaufgaben, die sie sehr forderten, oder in Krankheitsphasen. Marlies Fels bedauert: »Während der Corona-Zeit fielen manche soziale Projekte weg, die mir wichtig waren. Ich habe deutlich gemerkt: Ich brauche Orte, um wieder Kraft zu schöpfen und ich muss mir neue Aktivitäten suchen.« So engagiert sie sich jetzt im Seniorenbeirat der Stadt Nidda.

Die Rullmans Ruh und die drei Lärchen sind aber ihr vertrautes Ziel - das ganze Jahr über: »Am liebsten komme ich früh morgens oder gegen Abend, lasse mein Auto am Ortsrand stehen und steige herauf. Da trifft man keinen Menschen, während vor allem am Wochenende viele Radfahrer hier entlangflitzen. Ich kann gar nicht sagen, wie mir die Ruhe des Waldes wohltut. Der Ort hat seine Geheimnisse. So liegt an der Straße nach Unter-Lais der 12-Uhr-Stein. Der Sage nach steht er in der Silvesternacht auf und dreht sich. Was ich sehr bedaure: Ein paar Jahre lang gab es hier einen ausgewiesenen Rundweg von Schwickartshausen aus. Die Wanderstrecke pflegten Bürgerinnen und Bürger, sogar mit Anregungen auf Tafeln versehen. Inzwischen ist das leider in Vergessenheit geraten, die Seitenwege wachsen allmählich wieder zu - schade!«

cwo_MEZlieblingsplatz_06_4c
cwo_MEZlieblingsplatz_06_4c © Elfriede Maresch

Auch interessant