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Zur Entspannung: Einmal richtig unter die Haut atmen

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Fantasievolle Entspannung in der Salzkiste in Bad Salzhausen: Trainerin Julia Astor mit einer Kindergruppe. © Detlef Maresch

Nur wer ausgeglichen ist, kann auch aufmerksam sein. Achtsamkeitsübungen und Atemtraining können viel bewirken und sind Teil des Programms in der Entspannungsgruppe in Bad Salzhausen.

Handtücher, die auf dem Salz liegen, bilden einen Kreis. Jedes Kind findet seinen Platz. Ein Sockel steht in der Mitte des Kreises, darauf eine kleine Keramikfigur in entspannter Haltung. Yogi haben die Kinder ihn genannt und weder Yogi, die Lotosblume davor noch die Figur der Sternenfee dürfen fehlen.

Kleine Lichter heben diese Kreismitte hervor. Nach der Begrüßung und dem intensiven Hören auf eine Klangschale beginnt die Entspannungsstunde. Die Schale wird von Kind zu Kind weitergegeben, es geht vom Hören zum Fühlen des Klanges.

Ventil für Gefühle und Sehnsüchte

Die beiden Entspannungstrainerinnen Julia Astor und Marion Frank richten vor jeder Stunde den Raum so her, dass die Fantasie der Kinder angesprochen wird. Es soll den Vier- bis Achtjährigen leichtfallen, ihre Aufmerksamkeit auf das Angebot zu richten.

Die Salzkiste in der Justus-von-Liebig-Therme in Bad Salzhausen hat mit der vernebelten Sole, den Spielmöglichkeiten im Salz gesundheitsfördernde Wirkung. Nachgefragt sind die Entspannungsgruppen auch bei den jungen Familien im Kolping-Feriendorf Herbstein.

Jede Stunde hat ein Thema, das durch Symbolgegenstände ausgedrückt wird: »Herbst« etwa durch eine Schale mit bunten Blättern, in die die Kinder Wind hineinblasen, »Plätzchen backen« durch Formen, die von Hand zu Hand weitergegeben werden, »Schnee« durch das Rieseln des Salzes aus der hohlen Hand. Immer geht der Gegenstand von Hand zu Hand, jedes Kind hat dabei die Zeit, eigene Einfälle dazu zu sagen. Da spielt auch mal Ungeduld eine Rolle: »Wann ist endlich Weihnachten?«. Oder Vorfreude: »Morgen gehe ich zu meiner Freundin zum Verkleiden«. Manchmal auch Sehnsucht: »Ich wünsche mir so sehr, dass wir einen kleinen Hund hätten«.

Schwerer fällt es den Kindern, Trauriges auszudrücken, einen Streit im Kindergarten etwa. Aber das Aussprechen des Erlebten schafft ein wenig Distanz.

Auch bei eher schweigsamen Kindern beobachten die Trainerinnen, was sie emotional bewegt und gehen im weiteren Angebot darauf ein. Julia Astor: »Es gibt kein richtig oder falsch. Auch die größeren, wortgewandteren Kinder lernen, sich zurückzuhalten, bei den Jüngeren nicht hineinzuplatzen. Einander achten, bei sich selbst sein, auf den andern hören, auch wenn er kleiner und unbeholfener ist - das sind die Gruppenregeln.«

Es folgen taktile Angebote, etwa das Pizzabacken auf dem Rücken des Partners, die Massage mit Igelbällen. Wichtig sind Atemübungen.

Tut gut: Atmen wie ein Holzfäller

Wenn die Kinder Spannung mit in die Stunde bringen, ist die Holzfälleratmung angesagt. Mit hochgehobenen Armen atmen sie tief ein, lassen beim Ausatmen die Arme nach unten fallen, als ob ein Holzklotz gespalten werden muss, und rufen dabei »Ho!« Das darf richtig laut sein, Spannung wird dabei kraftvoll nach außen gepustet.

Die Lokomotivenatmung ahmt das Keuchen einer Dampflok nach und regt die Durchblutung an. Beliebt ist die Kuscheltieratmung, die Kinder liegen auf dem Rücken, haben ein Kuscheltier auf dem Bauch und sehen, wie es sich mit ihrer ruhigen tiefen Atmung auf und ab hebt.

Die Blumenatmung im Fersen- oder Schneidersitz, bei der die Arme geöffnet werden wie eine wachsende Blüte, regt die Koordination an. Solche Themenvorgaben orientieren sich an den Asanas des Kinderyoga. Auch Elemente der progressiven Muskelentspannung und des autogenen Trainings fließen in den Stundenablauf ein. Ebenso werden auch speziell abgestimmte Wellnessangebote für Senioren geboten und die beiden Entspannungstrainerinnen stellen bei Elterngesprächen in Kindergärten ihr Konzept vor.

Bewusst haben die 60 Minuten-Einheiten der Entspannungsgruppe auch einen Freispiel-Anteil und enthalten Fantasiereisen. Zu den Abenteuern eines Lebkuchenmannes, eines Schmetterlings, eines Baumes, in dem Tiere leben, fällt den Kindern viel ein und sie lernen immer mehr, ihre Ideen in Worte zu fassen, die Aufmerksamkeit der Gruppe zu finden.

Freiräume sind wichtig

Dazu Marion Frank: »Der Alltag vieler Kinder ist selbst bei den Freizeitangeboten extrem verplant. Wir wollen die Eltern im Gespräch auf die Wichtigkeit von Freiräumen aufmerksam machen, sie dazu einladen, die Fantasie ihres Kindes zu fördern als Quelle des Wohlbefindens und der Konfliktbewältigung.« Julia Astor ergänzt: »Körper- und Atemübungen, die im wahrsten Sinne des Wortes ›unter die Haut« gehen, werden nach und nach von den Kindern selbstständig eingesetzt, wenn sie sich unter Spannung fühlen oder abends besser zur Ruhe kommen wollen. Wir orientieren uns in unserer Arbeit an der zentralen Botschaft der Montessori-Pädagogik: Hilf mir, es selbst zu tun.«

Julia Astor kommt aus einem anderen Berufsfeld und hat sich zur Entspannungspädagogin weitergebildet. Sie ist Mutter einer fünfjährigen Tochter. Sehr wichtig ist ihr der Dialog mit ihrer Mutter Marion Frank, die als ausgebildete Erzieherin 30 Jahre Erfahrung aus der Kindergartenarbeit und aus entsprechenden Weiterbildungen mitbringt. Infos zu den Kinder- und Seniorenangeboten gibt es unter Juma-Auszeit@web.de oder telefonisch 01 76/31 34 93 39.

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