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Von E-Mobilität fasziniert

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Das Bild aus dem Archiv von Werner Rau zeigt den Eichelsdorfer, während er seinen Elektro-Testwagen im Zuge des Entwicklungsprojekts auflädt. © pv

Werner Rau, Ortsvorsteher von Eichelsdorf, kommt bereits in den 90er-Jahren in Kontakt mit E-Mobilität - beim sogenannten »Rügen-Test« im Auftrag des Bundesforschungsministeriums.

Werner Rau, Fachmann für die Einheit von Elektrochemie, -physik und -technik, ist von der Elektromobilität voll überzeugt - auch wenn es Kritik an der Produktion der Energiespeicher gibt. Der Eichelsdorfer fährt einen vollelektrischen Audi Q4 e-tron und lädt diesen größtenteils über seine Fotovoltaikanlage. Sein Fachwissen hat die IHK Friedberg-Gießen bereits genutzt, etwa, als er 2013 einen Vortrag vor dem Arbeitskreis Elektromobilität zum Thema »Elektromobilität - Realität oder Vision?« hielt.

Der heute 71-jährige Rau kam aber bereits viel früher in Kontakt mit dem Thema Elektromobilität - beim sogenannten »Rügen-Test«, der im Auftrag des Bundesforschungsministeriums stattfand. Von 1992 bis 1996 gaben der Staat und zahlreiche, meist deutsche Automobilhersteller während eines großen Projekts 60 Millionen Mark aus, um die Alltagstauglichkeit von Elektroautos zu untersuchen.

Das Interesse früh geweckt

Raus Interesse an Elektrotechnik reicht weit zurück. Bereits als Kind faszinierte ihn Elektrospielzeug. Ihm reichte es nie aus, dass das Spielzeug funktionierte. Rau wollte den Dingen immer auf den Grund gehen und dabei herausfinden, warum und wie etwas funktionierte.

Folgerichtig absolvierte er in der Papierfabrik Moufang in Ober-Schmitten (heute Glatfelter) eine Ausbildung und machte seinen Meister in Elektrotechnik. Danach zog es ihn nach Eschborn, wenig später nach Büdingen zur Akkumulatorenfabrik Sonnenschein.

Zukunftsweisend war dort die Entwicklung eines digitalen Ladegeräts in Zusammenarbeit mit der damaligen Fachhochschule in Gießen. Irgendwann sah Rau jedoch keine Zukunft mehr in einer weiteren Zusammenarbeit - und so machte er sich kurzentschlossen selbstständig und gründete die Firma Rau-Stromversorgungen GmbH.

Fortan entwickelte und vertrieb er erfolgreich unterbrechungsfreie Stromversorgungen für die Sicherheitstechnik. Führende deutsche Unternehmen und namhafte Institutionen gehörten zu seinen Kunden, denn die netzunabhängige Energieversorgung von sicherheitsrelevanten Geräten bekam eine immer größere Bedeutung. Aufgrund seiner Kontakte nahm er 1992 eine geschäftsführende Tätigkeit bei einer Firma in Aachen auf - und erhielt so die Möglichkeit, am »Rügen-Test« teilzunehmen.

Sein Ziel war es, die Batterien in den Elektrofahrzeugen so effektiv und schnell wie möglich zu laden. Als feste Größen galt es, Strom, Spannung, Temperatur und Zeit zu berücksichtigen und in die entsprechend richtige Verbindung zu bringen. In einem ausgefeilten Sicherheitskonzept mussten dabei die Gefahren, die von einem elektrochemischen Energiespeicher ausgehen, berücksichtigt und ausgeschaltet werden. Vor rund 30 Jahren arbeitete man in dem Großversuch mit Energiespeichertechniken aus Blei-Gel, Natrium-Schwefel und Nickel-Cadmium.

Der Techniker aus Eichelsdorf konstruierte und entwickelte die erste europäische Schnellladestation, die alle eingesetzten Batteriesysteme laden konnte. Später gab es auf Rügen sechs dieser Stationen. 1995 wurde auch eine Ladestation auf einer Aral-Großtankstelle feierlich eingeweiht. Die Reichweite der eingesetzten 60 Fahrzeuge betrug damals schon bis zu 100 Kilometer, mit Zwischenladungen schaffte man am Tag sogar rund 500 Kilometer.

Abschlussbericht verschwindet

Das Projekt wurde 1996 abgeschlossen, der Bericht 1997 vorgestellt. Er verschwand danach aber in der Schublade. Es wurden zwar wichtige Erkenntnisse über die Energiespeichertechnik und die Lademöglichkeiten gewonnen, doch es gab zu diesem Zeitpunkt noch keinen Markt für diese Art der Mobilität. Letztlich wollte auch kein Hersteller in dieser Zeit ein Risiko eingehen. Wegen der für die Autohersteller ernüchternden Ergebnisse wurde die Technologie in Deutschland in den nächsten Jahren nicht mehr intensiv weiterverfolgt. Erst seit 2007 wird unter dem Stichwort Elektromobilität wieder intensiver geforscht.

»Wir stehen noch am Anfang, Energie aus einer stationären Form in eine mobile Form zu übertragen«, resümierte der erfahrene Techniker Rau. »Dabei gilt es unter anderem, Energiequellen zu vernetzen und Energie zu speichern. Während die fossilen Energiequellen endlich sind, bieten Sonne und Windkraft ausreichend Energie, um eine unendliche Versorgung sicherzustellen.«

Als wichtige Voraussetzung, um die Wende zu schaffen, nennt der Eichelsdorfer die Berücksichtigung von Ökologie, Technik, Wirtschaft und Politik.

ZUR PERSON:

Werner Rau ist 71 Jahre alt und genießt seinen Ruhestand, engagiert sich aber intensiv als parteiloser Ortsvorsteher in Eichelsdorf. Das Vereinsleben in der Region war und ist ihm sehr wichtig. 16 Jahre lang spielte er in Ober-Schmitten Tennis und stand dem Verein vier Jahre lang vor. In Eichelsdorf führte er den Sportverein über vier Jahre und war Mitbegründer und Vorsitzender der Fußballspielgemeinschaft (FSG) der Fußballvereine von Ober-Schmitten, Eichelsdorf und Rainrod. VON ERICH ENGEL

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