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Nach 12 Jahren ins große Wasser: Tüftler zeigt Meisterwerk

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Karl-Heinz Drumm aus Nidda (Wetteraukreis) und sein Katamaran warten auf ihren Start und die große Reise.
Karl-Heinz Drumm aus Nidda (Wetteraukreis) und sein Katamaran warten auf ihren Start und die große Reise. © Myriam Lenz

In Nidda (Wetteraukreis) steht ein riesiges Boot und wartet auf seine große Fahrt. Die Marke Eigenbau hat einen begeisterten Erfinder – und der will los segeln.

Nidda – Wuchtig und zugleich sportlich wirkt der weiße Koloss. Über elf Meter ist er lang, 6,50 breit. Der selbst gebaute Katamaran von Karl-Heinz Drumm steht in Nidda in Warteposition. Drumm kennt jeden Zentimeter des Katamarans. Er hat das Gefährt quasi mitkonstruiert und Stück für Stück entstehen lassen. Seit zwölf Jahren bastelt er an dem Typ Wilderness 1100. In diesem Herbst, davon geht er aus, wird er fertig.

Am Anfang war nichts als die Idee, dann hielt er einen Plan in der Hand: eine Bauanleitung einer australischen Werft, die er 2010 für 6500 australische Dollars kaufte, sechs Monate studierte, bevor er sie verstand. Seite für Seite sind kleinste Details gezeichnet und beschrieben. Die Anleitung wirkt, auch wenn auf Englisch geschrieben, mit seinen rätselhaften Zeichnungen wie Chinesisch für Fortgeschrittene. Wer die ersten Seiten betrachtet, würde nicht im Traum auf die Idee kommen, dass aus den Strichen, Segmenten und Winkeln ein Boot entstehen könnte.

Spaß am Segeln im Vogelsbergkreis: Vom Stausee in Schotten raus in die Welt

Den Spaß am Segeln hatte der gebürtige Pfälzer zunächst auf einem Sechs-Meter-Boot, einer Konrad 600, auf dem Schottener Stausee gefunden. Es sei ein gutmütiges Boot gewesen, sagt er. Vielleicht etwas zu ausgeglichen für Drumm. Der Stausee wurde ihm zu eng. Künftig sammelte er bei Ausbildungstörns Seemeilen, machte etliche Lizenzen bis zum Sportküstenschifferschein. Das ist die Mindestanforderung für das eigenständige Schippern und Führen von Yachten mit Motor oder Segel in Küstengewässern.

Mit einem Katamaran, kurz Kat genannt, hat das eine eigene Qualität. Die Boote liegen stabil auf dem Wasser, haben einen flachen Tiefgang und sind mit ihren zwei Rümpfen sehr geräumig. Dazu gleiten sie pfeilschnell, nutzen auch eine mäßige Brise, um fast geräuschlos Zeit und Raum hinter sich zu lassen.

Schiffsbastler aus Nidda (Wetteraukreis): Verständnis für Material und Kräfte

Seine Frau Christa hatte zuerst nicht daran geglaubt, dass er diese fixe Idee auch umsetzen würde. „Lass ihn mal träumen“, hatte sie immer wieder gesagt.

Drumm ist zwar kein gelernter Schiffsbauer, aber Werkzeugmachermeister, früher mit einer großen Halle, unzähligem Werkzeug und dem Verständnis für Material und Kräfte. Er zeigt auf den Plan: „Da wiederholt sich nichts, es gibt immer neue Anforderungen und man macht viele Fehler.“ Und etliche Erfahrungen, dass der eingeschlagene Weg nicht immer der einfachste ist. Wie bei einer, wie er sagt, recht simplen Sache wie das Laminieren einzelner Elemente. Da habe er zu Beginn tagelang geschliffen, bis er auf einer Messe von einem jungen Bootsbauer erfuhr, wie es einfacher geht. „Man muss viel fragen und mit den Augen klauen“. Es gebe für alles eine Lösung, auch wenn man diese nicht gleich parat habe.

Segel vom Cockpit aus steuern: Boot der Marke Eigenbau nimmt Formen an

Drumm hinterfragte jeden Schritt und veränderte einiges. Für den Korpus verwendete er das feine Balsa-Holz, auf dessen Lieferung er schon mal vier Monate warten musste. Es gibt keinen Baum zum Trimmen des Segels, das Großsegel läuft über einen Traveller. Der Mast, immerhin von 14 Meter Länge, sieht aus wie eine Astgabel. Er ist ebenfalls Marke Eigenbau, mit einem Gummischlauch im Innern. Der wurde aufgepumpt und dann mit Kohle- und Glasfasern umwickelt.

Auch eine Drummsche Erfindung: Um die Segel zu verändern, muss er nicht an Deck, sondern er steuert das vom Cockpit aus. Und als ob es nicht schon kompliziert genug wäre, hat er die Höhe des Verdecks um zwölf Zentimeter angehoben, damit er bequem stehen kann. Auch die Konstruktion des Ruders veränderte er. Denn nach dem Plan hätte er bei Problemen erst an Land segeln müssen, um es aus dem Wasser zu holen. Jetzt ist das von Bord aus möglich. Zudem war das Boot für einen Dieselantrieb konzipiert, der 67-Jährige hat zwei Akkubänke für den Elektromotor im Innern des Schiffs eingebaut.

Schiffsliebhaber aus Nidda: „An Bord lernt man, sparsam mit Energie und Wasser umzugehen“

Auch wenn im Innern noch Werkzeuge liegen, es noch nicht unbedingt behaglich aussieht, befindet er sich auf der Zielgeraden. Anschlüsse sind verlegt, der Kühlschrank, sanitäre Anlagen müssen nur noch angeschlossen werden. In der einen Kufe ist das Bad inklusive Dusche, in der zweiten eine separate Toilette. Auch das Bett befindet sich in einer der Kufen. „Hier an Bord lernt man, sparsam mit Energie und Wasser umzugehen.“

Durch welches Meer das Schiff gesteuert wird, steht für Karl-Heinz Drumm aus Nidda (Wetteraukreis) noch nicht fest.
Durch welches Meer das Schiff gesteuert wird, steht für Karl-Heinz Drumm aus Nidda (Wetteraukreis) noch nicht fest. © Myriam Lenz

Der Innenraum ist, so sagt er, fast fertig. Hier noch ein bisschen Elektrik, da noch die Verteiler anschließen. Es hört sich so an, als würde Drumm von einem kleinen Modellflugzeug sprechen, dass er zusammenbaut. „Es war kein Hexenwerk, sondern mehr Fleißarbeit.“

Die meiste Zeit habe er damit verbracht, verschiedene Situationen durchzuspielen. Was wäre, wenn? Wie reagiert das Material? Das Boot wiegt jetzt etwa 3,5 Tonnen. Wenn es fertig ist, werden es vermutlich fünf sein. Zehn Knoten wird der Katamaran dann schaffen, da ist er sich sicher. Drumm wirkt zwar gemütlich, freut sich aber über Geschwindigkeit. Da passt es, dass auf seinem Poloshirt der Namenszug Albatros eingestickt ist.

Donaukanal ist das ideale Gebiet: Die Zeit für Tests ist gekommen

Es wird nicht mehr lange dauern, dann geht es los. Drumm hat in Senheim an der Mosel einen Liegeplatz gefunden, wo das Schiff auch im Winter im Wasser sein kann. Am Main gab es keinen Platz mehr, zudem müssen im Winter dort alle Stege aus dem Wasser.

In welche Richtung er und seine Frau segeln, ist noch nicht entschieden. Der Donaukanal sei zunächst das ideale Gebiet zum Probieren, bevor er aufs Meer segele. „Es gibt noch viele Fragezeichen, ich muss alles testen.“ Sein Wunschziel wäre das Mittelmeer, Kroatien, Griechenland oder die Sporaden, die nicht so überfüllt seien.

Mast zur Probe: Bootstaufe und letzte Vorbereitungsschritte stehen kurz bevor

Jetzt muss der Mast zur Probe aufgestellt werden, um die Dimension des Segels festzulegen. Das geht allerdings nicht auf diesem Platz. Drumm wartet dringend auf die Genehmigung, den Kat circa 400 Meter auf das ehemalige Kahle-Industriegelände zu stellen. Dort soll auch die Bootstaufe stattfinden.

Für diese läppischen 400 Meter braucht es jetzt schon über drei Wochen. Im Verhältnis zur Strecke liegt das gar nicht in der Zeitrechnung eines künftigen Weltenbummlers.

Immer mehr Menschen möchten ein eigenes Boot und sind damit auf dem Main unterwegs, doch das führt auch zu Problemen.

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