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Was früher Ski-Gang hieß, ist heute als Nordic-Walking bekannt. Der TV Nidda bietet seit langer Zeit und regelmäßig Kurse an. BILD: IHM_FAHLE

Sport in Vereinen

Mitglieder der Turnvereine halten die Treue

Der Januar ist der Monat der guten Vorsätze. Der Kreis-Anzeiger fragte bei den Vorsitzenden der Turnvereine in Nidda, Geiß-Nidda, Büdingen und Dauernheim um. Gibt es einen Ansturm?

Der Januar ist der Monat der guten Vorsätze. Die Motivation zur Gewichtsreduktion und sportlichen Betätigung ist allgemein groß. Angebote von Fitnessstudios und Vereinen erfahren in der Regel einen großen Zulauf. Eigentlich. Wie sieht das im zweiten Corona-Januar aus, wie wird das Sportangebot der Vereine angenommen?

»Einen besonderen Ansturm direkt nach Silvester können wir in unseren Kursen nicht feststellen«, konstatieren die Vorsitzenden der Turnvereine in Nidda, Geiß-Nidda, Büdingen und Dauernheim einstimmig. »Der Vereinssport setzt vor allem auf Kontinuität, auf das Gruppenerlebnis und die Bindung an unsere Übungsleiter und ihre fachliche Betreuung. Von daher gibt es keinen Ansturm nach dem Motto: ›In diesem Jahr muss ich mich unbedingt mehr bewegen oder abnehmen‹ - zumal wir in den Weihnachtsferien und unsere Hallen aktuell gar nicht nutzen konnten.« Von einem solchen Neujahrshoch profitierten eher die Sport- und Fitnessclubs, so der allgemeine Tenor. Im Verein gäbe es ganzjährig Ab- und Zugänge, nach den Ferien aber »freut man sich einfach darauf, dass es wieder losgeht.«

Auf ein breites Angebot setzen alle vier Vereine: Sowohl im TV 1859 Nidda als auch im TV 1907 Geiß-Nidda, in der Büdinger Turnerschaft 1861 und im TV Jahn Dauernheim bietet man Freizeit- und Breitensport wie auch die Förderung der Leistungssporttalente. Von Gymnastik und Tanz über Pilates und Yoga, Ball- und Fitnesssportarten, Kraft-Ausdauer-Angeboten bis hin zum Eltern-Kind-Turnen, dem Jugendsport sowie Reha-, Rücken- und Cardio-Stunden reicht eine breite Palette. Bei Weitem nicht alles ließ sich während der Pandemie in Youtube- oder Zoom-Kurse umsetzen, heißt es aus den Vorständen. Wo diese Möglichkeit realisiert werden konnte, wurde sie aber rege genutzt.

Viel Bürokratie für Hilfen der Verbände

»Bei uns sind alle das ganze Jahr über willkommen und finden die passende Sportart - vom Kleinkind- bis zum Seniorenalter, vom eher unsportlichen Anfänger bis zum ambitionierten Fortgeschrittenen«, unterstreicht Erich Eiser, Vorsitzender des TV Geiß-Nidda und betont, dass auch Übungsleiter und Ehrenamtliche jederzeit gebraucht würden. Wie alle anderen Gesprächspartner dankt er den Vereinsmitgliedern für ihre Treue zu Coronazeiten. »Ohne unsere treuen Mitglieder hätten wir nicht überlebt«, sagt Eiser. Hilfen vom Hessischen und vom Deutschen Sportbund seien geflossen, allerdings sei deren Beantragung mit erheblichem bürokratischen Aufwand verbunden gewesen.

Stolz auf ihre Mitglieder und erfreut über jeden Neuzugang ist auch Präsidiumsmitglied Isolde Kaufmann vom TV Nidda. Sie stellt gerade das neue Kursprogramm unter 2G-Regeln zusammen - eine Puzzlearbeit, die gleichzeitig Überblick über das vielfältige Vereinsangebot gibt. »Was wir händeringend brauchen, ist eine Lösung für das Thema Hallenbad«, sagt Kaufmann, die, wie viele ihrer Vorstandskollegen selbst als Übungsleiterin tätig ist. »Wir können uns kaum retten vor Anfragen von Eltern, die möchten, dass ihre Kinder schwimmen lernen.« Mehr Zuwendung zu den Bedürfnissen der Jüngsten wünscht sich Kaufmann von der Niddaer Politik in diesem Punkt - und wird ihre Schwimmabteilung vorerst trotz allem weiter aufrechterhalten.

Von der Treue der Mitglieder und sogar einigen Neueintritten zu Zeiten von Homeoffice und Homeschooling berichtet Winfried Artz, Vorsitzender der Büdinger Turnerschaft. »Ein- und Austritte haben sich während der Pandemie glücklicherweise die Waage gehalten«, sagt der rührige Mann an der Vereinsspitze.

Artz wünscht sich, dass auch die mittlere Generation verstärkt an sich selbst und ihre Gesundheit denkt. »Es ist ja verständlich, dass man zwischen 30 und 40 kaum Zeit für sich hat - der Job fordert alle Kräfte und die Kinder sind klein. Die Jungen werden von ihren Eltern gebracht, die Älteren ab 50 merken, dass sie mehr für die eigene Fitness tun müssen, wenn sie aktiv und unabhängig bleiben wollen. Doch gerade für die belasteten Väter und Mütter in der Mitte zwischen Jung und Alt wäre eine regelmäßige Auszeit bei uns ebenfalls empfehlenswert.«

Die Vorbildfunktion aktiver Eltern betont auch Helmut Michel, Vorsitzender des TV Jahn Dauernheim. Wie seine Kollegen sieht er die Gefährdung der kindlichen Mobilität nicht nur durch die Pandemie, sondern vor allem durch sitzende Tätigkeiten und übermäßigen Mediengebrauch - bei Eltern und Kindern. »Es liegt an den Eltern, ihre Kinder zu uns zu bringen und selbst aktiv zu werden«, sagt Michel. »Das Eltern-Kind-Turnen ist ein guter Anfang.« Mit Engagement und Fantasie hat sein Verein die Pandemie-Krise gemeistert. »Das Sportplatzgelände im Freien und die umgebende Natur boten uns tolle Möglichkeiten, unser Angebot in einem sicheren Rahmen aufrechtzuerhalten, wann immer das Wetter es zuließ«, freut sich der TV-Jahn-Vorsitzende.

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