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Mit den Leuten reden, ihnen zuhören und handeln

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Ideen und die Abfrage des Bedarfs sind Basis für eine nachhaltige Bürgerbeteiligung. © Myriam Lenz

Der Bürgerbeteiligung kommt in den Dörfern eine große Bedeutung zu. Während einer Online-Veranstaltung der Dorfakademie wurden Tipps gegeben, wie sie gelingen kann.

Ulfa und Ober-Schmitten hatten während des Forschungsprojekts Dorf und Du in der LEADER-Region Wetterau gezeigt, was durch eine rege Bürgerbeteiligung alles erreicht werden kann. Die Dorfakademie ist in der Folge entstanden. Projektmanagerin Sina Happel von der Wirtschaftsförderung Wetterau begrüßte 25 Teilnehmer eines Online-Workshops und vor allem die beiden Referenten André Haußmann von der Agentur Marketing Effekt und Dr. Ing. Andrea Soboth vom Institut für Regionalmanagement. Das Thema lautete: »Bürgerbeteiligung mit allen Generationen.«

Zielgruppe des Referates, bei dem Haußmannn und Dr. Soboth sich die Bälle gegenseitig zuspielten, waren Mitarbeiter und Vertreter der 17 LEADER-Kommunen, Ortsvorsteher, Dorfaktive und weitere Interessierte. Ziel des Dorfakademie ist es, die ländliche Region durch Partizipation der Dorfbewohner lebenswerter und attraktiver zu gestalten.

Ausgehend von der These: Region weiß am besten, was Region braucht, legte Haußmann zu Beginn den Fokus auf das Gebiet der Kommunikation als eine erste Phase des Prozesses. Dörfer, Städte und Regionen werden durch ihre Bürger geprägt. Daher sind ein modernes Verständnis von ländlicher Entwicklung und auch die Möglichkeit zur Gestaltung Voraussetzungen für Veränderungen.

Um eine Partizipation der Bürgerinnen und Bürger aufzubauen und ihr Vertrauen in das Projekt zu gewinnen, sei es notwendig, gut und umfassend zu informieren.

In dieser ersten Phase handelt es sich zunächst um Konsultation, Fragen stellen und Antworten geben. Die Planung kommt später. Auch können zu Beginn Wünsche, Anregungen und Meinungen geäußert werden, bevor gemeinsame Strategien, Konzepte und Ideen ausgearbeitet werden. So kommt es schließlich zur Mitwirkung der Bürger, weil zur Sprache gebrachte Bedürfnisse gemeinsam und auch nachhaltig umgesetzt werden können. Dr. Soboth erläuterte die Motivation der Aktiven: Wenn sich jemand direkt betroffen fühlt, ein persönliches Anliegen hat und merkt, wenn ich mich engagiere, kann ich auch etwas verändern. Und natürlich übergeordnet, das Interesse an der Entwicklung des Dorfes, der Stadt oder der Region.

Entscheidend für eine gemeinsame Umsetzung von Projekten ist aber vor allem das Zusammenspiel der Kräfte: Dorfaktive und Verwaltungen müssen miteinander wollen und auch können. Die Mitarbeiter in der Verwaltung, wirft ein Teilnehmer ein, müssten wirksame Instrumente an die Hand bekommen, um mit der Beteiligung umzugehen und dürfen nicht zum Hemmschuh der Entwicklung werden.

Dazu müssten aber auch die personellen und sächlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Und wenn auf der politischen Ebene Entscheidungen getroffen werden würden, die weitreichende Veränderungen beinhalten, dann sei eine Bürgerbeteiligung quasi im Nachhinein obsolet. Andererseits, fährt der Teilnehmer fort, dürften auch die Interessen der Aktivisten nicht egoistisch auf persönliche Ziele gerichtet sein, sondern müssten auch das Visionäre im Blick behalten.

Ein anderer Teilnehmer ergänzt: Da, wo Beteiligung Sinn macht, muss sie auch entsprechend honoriert werden. Er erläutert, dass es zu einer echten Beteiligung kommen müsse, man also nicht nur denkt, man sei beteiligt, und im Endeffekt werde doch nichts bewegt.

André Haußmann und Dr. Andrea Soboth zeigten abschließend an Beispielen, wie die Kommunikation mit den Beteiligungswilligen gestaltet werden könne, nennen Rahmenbedingungen für diese Prozesse. So sind etwa Dorfrundgänge nicht nur bei Sonnenschein sehr viel effektiver als eine Veranstaltung im Bürgerhaus mit künstlichem Licht und Powerpoint-Präsentation. Hier können zum Beispiel Personen im Rollstuhl oder mit einem Rollator die Probleme der fehlenden Barrierefreiheit direkt vor Ort aufzeigen.

Natürlich muss es auch eine spezielle Kinder- und Jugendbeteiligung geben. Kinder können ihre Probleme und Wünsche sehr präzise und pointiert formulieren.

So könnten Kinderparlamente etabliert werden, wo zum Beispiel der Bürgermeister regelmäßig in den Austausch mit Kindern geht. FOTOS: PRIVAT/HAURY

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