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Inspiration zu entscheiden statt zu verschieben

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Markus Klimesch aus Nidda berichtet von der Nacht X, die ihn geprägt hat. © pv

Wie kann ein Aufschieber zum Entscheider werden? Davon handelt ein Buch. Markus Klimesch aus Nidda schrieb mit.

Dr. Johanna Dahm und Heiko Stahnke haben 31 Geschichten von Teilnehmern einer Speakers-Nacht gesammelt und im Bourdon-Verlag veröffentlicht: der Atlas der Entscheider. Der Untertitel lautet: Inspirationen für entschlossene Menschen und Macherinnen. Und diese scheinen nötig. Zukunftsforscher Sven Gábor-Jánszky hat dafür eine Erklärung, nennt sie multioptionale Orientierungslosigkeit. Weil sich unsere Möglichkeiten häufen und uns gleichsam lähmen. Weil wir unzählige Optionen, eigentlich alles haben, mehr als unsere Generationen zuvor, und trotzdem oft nicht entscheiden können. Wir schieben gerne auf und bleiben in Gedanken- und Verhaltensmustern hängen. Die Unentschlossenheit kostet oft mehr Energie als die Konsequenzen einer Entscheidung. Sie ermüdet, erschöpft und die Handlungsunfähigkeit nimmt immer mehr Besitz.

Der mühsame Weg zum Neuanfang

Über ihren Weg zur Entscheidung, zu den Neuanfängen, einem aktiven Handeln und ihren persönlichen 180-Grad-Wenden schreiben die Autoren. Das geschieht in einer sehr offenen Weise. Sie erzählen über Scheidewege beruflicher oder familiärer Natur, Momente, die das Leben auf den Kopf stellten, aussichtslos erschienen, Entscheidungen erst einmal gar nicht gefällt wurden oder der Kopf gegen den Bauch gewonnen hatte - mit zunächst fatalem Ausgang. Doch sie sind wieder aufgestanden, haben das Segel gehisst, sich langsam wieder in ein Leben gearbeitet, das anders ist: Die Prioritäten haben sich geändert.

Unter ihnen ist Markus Klimesch aus Nidda. Als Recruiting Stratege hilft er Unternehmen, das richtige Personal zu finden, legt ihnen ans Herz, ihre Kandidaten doch wie Kunden zu behandeln. Beim internationalen Speaker Slam in Wiesbaden vor zwei Jahren war Markus Klimesch mit dabei (diese Zeitung berichtete). Der Speaker Slam ist ein Rednerwettstreit. So wie bei den beliebten Poetry Slams um die Wette gereimt wird, messen sich bei Speaker Slams Redner miteinander. Und das in einer vorgegebenen, meist kurzen Zeit. Inhalte müssen auf den Punkt gebracht und überzeugend dem Publikum vermittelt werden.

Für das Buch hatte Markus Klimesch etwas mehr Zeit und drei Seiten Raum, um über seine »Nacht der Entscheidung« zu schreiben. Die war 1992. Er war jung, der Wehrdienst nahte, er wollte zu den Fallschirmjägern, Action erleben. Als er jedoch zu den Panzergrenadieren sollte, verweigerte er und absolvierte seinen Zivildienst beim Malteser Hilfsdienst. Er beschreibt traurige und schockierende Erlebnisse während des Rettungsdienstes, erhielt seine Action, beschreibt sie detailliert, vielleicht eine Spur zu viel.

In der Nacht X wurden die Sanitäter in eine Gaststätte gerufen. Ein Mann mit Atemnot saß am Tisch, war nicht ansprechbar. »Kein Puls, keine Atmung und seine Gesichtsfarbe war blau.« Sie starteten mit den Wiederbelebungsmaßnahmen, versuchten zu beatmen. Mit einer speziellen Zange entfernte Klimesch schließlich ein großes Stück Fleisch aus dem Rachen, das den Weg zur Luftröhre versperrte. Der Notarzt kam hinzu, der Mann konnte wieder ins Leben zurückgeholt werden.

»Dieser Glücksmoment, wenn du durch dein Tun nicht nur das Leben eines Menschen verbessert hast, sondern es ihm wieder geschenkt hast, ist unbeschreiblich und lässt sich mit keinem Geld der Welt aufwiegen.« In dieser Nacht habe er die Entscheidung seines Lebens getroffen. Egal, welchen Beruf er zukünftig ausüben würde, es sollte etwas Sinnstiftendes sein, was das Leben anderer Menschen verbessere. Und die Arbeit müsse Spaß machen.

Geschichten über neue Wege

Und so folgen zahlreiche Schilderungen der Mitautoren, prägnant erzählt. Und bei manch Erlebten hätte man sich etwas Ausführlichkeit gewünscht.

Der »Atlas der Entscheider« erzählt die Geschichten derer, die ihre Wege entschlossen gehen, die Entscheidungskriterien für sich gefunden haben und die Lesern ermutigen möchten, vorwärts zu gehen. Damit sich zu den rational guten Entscheidungen auch das gute Gefühl gesellt.

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