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In Niddas Kirche ist der Pharao los

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21 Kinder und Jugendliche spielten beim Musical »Israel in Ägypten« mit. Und der neunjährige Darsteller spielt die Rolle des starrsinnigen Pharao sehr eindringlich. © Elfriede Maresch

Mit einem jungen, 21-köpfigen Ensemble hat Dekanatskantorin Katrin Anja Krauße ein Kindermusical über Israels Auszug aus Ägypten einstudiert. Die Aufführung in Niddas Kirche begeisterte.

Nidda (em). Es ist nicht leicht, ein Publikum mit sehr jungen Kindern eine Stunde lang zu fesseln. Dem jungen Ensemble in Niddas Stadtkirche gelang es beim Kindermusical »Israel in Ägypten« von Thomas Riegler aber spielend, viele junge Familien und kleine Geschwister in Bann zu ziehen.

Das war nicht die erste Riegler-Aufführung in Nidda: Schon öfter entschied sich Dekanatskantorin Katrin Anja Krauße für Stücke des Kirchenmusikers aus Bad Neustadt/Saale. Sie schätzt die eingängige Musik und die Umwandlung komplexer biblischer Texte in kindgerechte, spannende Spielszenen. Das trifft auch für dieses Musical um die Befreiung des Volkes Israel aus ägyptischer Sklaverei zu, die im 2. Buch Mose des Alten Testaments erzählt wird. Die Stationen der Handlung werden durch einstimmige Chöre und Solopartien mit Instrumentalbegleitung vertieft.

Intensive

Vorbereitung

Es gehörte viel Fantasie, Geduld und Detailarbeit dazu, die Vorstellung vorzubereiten. Katrin Anja Krauße gewann 21 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 15 Jahren aus den Niddaer Chören sowie aus Büdingen, Schotten, Mücke und Bad Berka zum Mitmachen. Dazu gab es eine Probenwoche in der Jugendherberge am Hoherodskopf. Man lernte Texte, übte Chöre und Szenen ein und bastelte Requisiten und Kulissen. Aber auch ein Besuch der Sommerrodelbahn und eine Nachtwanderung standen auf dem Programm. Eine große Hilfe für Krauße waren die Teamer Franziska Kessel, Kristin Brunow und Lorenz Krauße. Bei der Hauptprobe in der Stadtkirche waren schon die Musiker Florian Troitsch (Posaune) und Lorenz Krauße (Violine) dabei. Katrin Anja Krauße begleitete am Klavier und hatte die Gesamtleitung.

Ein Hauch Pharaonenzeit brachten die selbst gestalteten Kulissen in die Kirche. Gespannte Stimmung lag über der Gemeinde. Mit dem Bericht einer Erzählerin beginnt die Handlung: Das Volk Israel, während eine Dürre nach Ägypten geflohen, wird nach und nach zu harter Sklavenarbeit gezwungen. Das wird in einer Pantomime dargestellt, aber zum ersten Mal formiert sich ein Chor des Widerstands: »Wir sagen Nein, es wird zu schwer« - in rebellischen Synkopen klingt der Widerstand an. Doch der Pharao verschärft die Unterdrückung. Alle neugeborenen Jungen des Volkes Israel sollen getötet werden. Mutter und Schwester des kleinen Moses setzen ihn im Schilf aus, um ihn zu retten. Die Tochter des Pharao findet den Korb mit dem Baby, ein Wiegenlied erklingt und man übergibt das Kind seinen eigenen Eltern zur Pflege.

Die nächste eindrückliche Szene folgt: Mose, inzwischen erwachsen, zog sich nach einem tödlich endenden Streit in die Wüste zurück und erschrickt über einen brennenden Dornbusch, aus dem er Gottes Stimme hört. Noch mehr wehrt er sich gegen den Auftrag: Er soll sein Volk in die Freiheit führen, sein Bruder Aaron wird ihm helfen. Mose fühlt sich überfordert, weigert sich, findet dann aber den Mut, vor den Pharao zu treten. Der sitzt königlich gekleidet, recht einschüchternd zwischen Wedelträgern auf seinem Thron und lehnt Moses Anliegen ab. Die sprichwörtlichen ägyptischen Plagen nehmen ihren Lauf, die Instrumentalbegleitung wird dissonant, und alle Plagegeister - Frösche, Fliegen, Mücken, Heuschrecken und Krankheiten - tauchen auf, erläutert in pfiffigen Chorsätzen. Bewusst stellt man im Musical existenzielle Katastrophen als lösbare Probleme mit Situationskomik dar, um die Kinder nicht zu überfordern. Und immer wieder reizvolle musikalische Details, etwa Dämpfer in der Posaune, um Froschquaken zu imitieren oder Swingelemente, wenn es um die Verschonung des Volks Israel geht.

Dramatische

Zuspitzung

Mose hat die Fäden in der Hand und lässt im Freiheitskampf für sein Volk nicht nach. Auch für ihn kommt die Bewährungsprobe. Unterwegs scheint sein Volk in der Falle zu sitzen: Vor ihm das Rote Meer, dicht hinter ihm die ägyptischen Soldaten. Die eigenen Leute wenden sich gegen Mose: »Was hast du getan!« Dramatisch erklingt die Musik, klagend die Geige, gefasst hält Mose dagegen: »Vertraut auf Gott!« Tatsächlich teilen sich die Wellen, Mose und sein Volk entkommen. Zeit für Jubel und Dank: Moses Schwester Miriam gibt den Rhythmus auf einer Handpauke vor und alle stimmen ein in den fröhlichen Schlusschor »Lobet den Herrn«. Mit langem, lebhaftem Beifall dankten die Zuhörer. »Eine Inszenierung mit viel Fantasie und Spielfreude, von den Kindern sehr konzentriert dargeboten« hieß es im Nachgespräch.

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