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In Borsdorf: Sanierungsstückwerk zum Staunen

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Risse, Flickstellen und Aufbrüche sind an dem Abschnitt der Ortsdurchfahrt Borsdorf deutlich zu sehen. © pv

Der Straßenbelag der Ortsdurchfahrt Borsdorf wurde zum Großteil erneuert. Ausgespart blieb ein Teilstück in der Mitte: dort, wo die schlimmsten Schäden sind.

Man muss es nicht verstehen, aber wundern darf man sich trotzdem.« Hans-Peter Scherer aus Borsdorf richtet seinen Blick zu seinen Füßen, auf den Belag der Bundesstraße 455. Dort sind deutliche Risse und Schäden zu erkennen. Nichts Ungewöhnliches und zuhauf auf Hessens Straßen zu finden. Ihn erstaunt jedoch sehr, dass vor und nach diesen etwa 220 Metern die Straße eine Pediküre erhalten hat.

Im ersten Bauabschnitt im Sommer 2021 erhielt der Asphalt von der Ortsmitte Borsdorf bis zur Einmündung der B 457 eine Oberflächenbehandlung mit einem Kalteinbau. Der zweite Bauabschnitt erfolgt derzeit im gleichen Verfahren zwischen Borsdorf, Ortsausgang in Richtung Friedberg, und der Einmündung der K 195.

Es bleibt erst einmal eine Holperstrecke

Von der Ortsmitte bis zum Ortsausgang in Richtung Friedberg blieb die Holperstrecke. »Wo die Straßenschäden und Fahrbahnsenkungen am größten sind, zwischen Bahnübergang und Bushaltestelle, wird offenbar nichts unternommen«, ärgert sich Scherer.

Wie der Anwohner erzählt, sind dort seit Jahren Fahrbahnsenkungen und Unebenheiten in der Straße vorhanden, die sich durch den immer weiter zunehmenden Lkw-Verkehr und die nicht eingehaltenen Geschwindigkeitsbeschränkungen weiter verstärken.

Das Haus seiner Familie liegt in diesem Bereich und weist seit geraumer Zeit Risse in der Fassade auf. Diese führt er auf die Erschütterungen durch die vorbeifahrenden Lkw aufgrund der Fahrbahnunebenheiten zurück. »Das zeigt sich auch deutlich im Verlauf der Rissbildung von der Fahrbahn über den Bürgersteig bis zu unserem Wohnhaus.«

Wenn Hessen Mobil hier von Straßeninstandsetzung spreche, dann müsse man sich als Bürger jedoch fragen, warum dann »kaputte« Straßenabschnitte nicht instandgesetzt werden? Die Frage, auch zu den Schäden an seinem Haus, schickte er an die dafür zuständige Landesbehörde Hessen Mobil.

Hessen Mobil bestätigt das Auslassen der circa 220 Meter auf Anfrage des Kreis-Anzeigers. »Grund dafür ist, dass die auch von Herrn Scherer geschilderten Fahrbahnschäden nicht oberflächennah sind.« Die Schäden sind tiefer. Dafür seien deutlich umfangreichere Erhaltungsmaßnahmen notwendig. Das heißt, dass die Flächen mit den starken Rissen, Flickstellen und Aufbrüchen erst einmal liegenbleiben, die weniger großen Schäden zuvor beseitigt werden. Scherer spricht von einem Schildbürgerstreich.

Wie Hessen Mobil mitteilt, sei die Verkehrssicherheit auf dem genannten Streckenabschnitt jedoch gewährleistet. »Um die vorhandenen Defizite zu beseitigen, strebt Hessen Mobil als dauerhafteste Maßnahme eine Fahrbahndeckenerneuerung der Bundesstraße an. Diese wurde bereits entsprechend in unser mittelfristiges Bauprogramm aufgenommen«, entgegnet die Pressestelle der Straßenbehörde auf Anfrage. »Mittelfristig« bedeutet jedoch, dass ein konkreter Umsetzungszeitpunkt derzeit noch nicht genannt werden kann.

Scherer bedankt sich bei Hessen Mobil freundlich für die zeitnahe und ausführliche Antwort, vermisst jedoch eine Aussage zu den Schäden an seinem Haus. Der Anwohner will es nicht hinnehmen, »dass durch jahrelang vorsätzlich aufgeschobene Schäden in der Fahrbahn unser Wohnhaus weiterhin den sich dadurch ergebenden Erschütterungen ausgesetzt ist. Nur weil die Verkehrssicherheit gewährleistet ist«. Notfalls will er sich an den Präsidenten der Straßenbehörde wenden.’ INFO: Der Einbau von dünnen Schichten im Kalteinbau - kurz DSK genannt - ist eine besondere Bauweise für eine oberflächennahe Fahrbahnsanierung. Das Mischgut für DSK ist ein Asphalt, der aus Bitumenemulsion, feinkörnigem Mineralgemisch und Zement besteht. Dieses Mischgut wird auf kaltem Wege mit einer Spezialmaschine hergestellt und auch von dieser anschließend schichtweise auf die Fahrbahn aufgebracht. Die sanierte Straße kann nach einer kurzen Wartezeit für den Verkehr wieder freigegeben werden. Der geringe Splittüberschuss wird nach einigen Tagen aufgenommen.

Ein solches Verfahren, darüber informiert Hessen Mobil, empfiehlt sich zum Beispiel besonders, um Substanzverlusten und Porosität sowie einer verminderten Griffigkeit entgegenzuwirken. Zudem verursacht dieses Sanierungsverfahren vergleichsweise geringe Kosten. VON MYRIAM LENZ

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