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Im Kleinformat: Es dampft und schnauft

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myl_KlausVogel5IMG_6360__4c © Martin Ritter

300 Meter Schienen der Spur 2M im Kiesbett, 400 Meter Kabel, 22 Weichen auf 80 Quadratmetern - Klaus Vogel präsentiert in Bad Salzhausen Eisenbahnliebhabern ein besonderes Schmankerl.

Henriette, Henriette heißt die nette alte kleine Bimmelbahn - wer kennt sie nicht, die Geschichte in Reimen von James Krüss? Wer kennt nicht Jim Knopf und Lukas, die beiden Lokomotivführer von Michael Ende, und ihre Dampflok Emma? Klaus Jürgen Vogel aus Bad Salzhausen ist ebenfalls Liebhaber von Eisenbahnen. Zum Weihnachtsmarkt in Bad Salzhausen am Sonntag öffnet er wieder seinen Garten.

Wen fasziniert nicht die Kraft der Lokomotive, mit der sie die zahlreichen aneinander gereihten Waggons hinter sich herzieht? Damit im Einklang natürlich der Wunsch vieler Jungen und jung Gebliebenen, selbst diese Lokomotive zu bedienen und Herrscher über 8700 Pferdestärken zu sein. Kein Wunder, dass besonders viele Väter und ihre Söhne glänzende Augen bekommen beim Anblick der fast 20 Meter langen Maschinen, die trotz ihres Gewichts und ihrer Wucht mit hoher Eleganz über die Schienen gleiten. Und besonders zu Weihnachten wird diese Faszination auch wieder in viele Wohnzimmer gebracht, wenn so manche Modelleisenbahn unter dem Christbaum die Beschenkten in Jubelstürme ausbrechen lässt.

Der Bad Salzhäuser Klaus Jürgen Vogel ist Jahrgang 1954. Wenn man ihn und seine Eisenbahn in seinem Garten in der Kurstraße besucht, gerät er sofort ins Schwärmen, beschreibt die Umstände, wie er auf die Idee kam, auf einer Rasenfläche von 80 Quadratmetern seine Modelleisenbahn zu installieren.

Mit sieben den ersten Modellzug

Im zarten Alter von sieben Jahren bekam er den ersten Modell-Zug geschenkt. Als Kind war es stets ein Erlebnis, wenn ein Zug unter der Brücke vor Bad Salzhausen durchfuhr, auf der Brücke zu stehen und den Dampf der Lokomotive zu inhalieren. Und das ganz ohne Gewissenbisse, dass es gesundheitsschädlich sein könnte.

Später musste er sein Eisenbahnzimmer für seine Kinder räumen, und so entstand der Plan, die Märklin-Bahn einzumotten und im Garten eine neue Anlage zu bauen. Seine Frau Isolde erklärt lächelnd, dass sie nach dem ersten Schock dann doch bereit war, das Unterfangen mitzutragen. Die Reaktion von Tochter Sabine lautete lapidar: »Jetzt spinnt der Papa!«

Vogel ließ sich nicht beirren und verlegte 300 Meter Schienen der Spur 2M ins Kiesbett und 400 Meter Kabel, verbaute dabei 22 Weichen und begann, das Drumherum zu gestalten.

Einen besonderen Reiz übt auf den gelernten Elektriker der Bahnverkehr in den Alpen aus, weshalb er auch den Schweizer Glacier-Express in einer angedeuteten Bergwelt fahren lässt. Dazu eine Zahnradbahn, wie sie zum Beispiel auf die Zugspitze klettert. Natürlich hat Vogel sich auch Anreize bei den Originalen geholt, ist mit der Dampfeisenbahn auf den Brocken im Harz gefahren und hat die Reise mit dem Glacier-Express genossen. So konnte er schließlich, wie er erklärt, die Bergwelt zu sich nach Hause holen.

Auch den Hersteller der Bahn, LPG, hat Vogel besucht und erfahren, wie viel Handarbeit in den Produkten steckt. So werden beispielsweise Weichen nur teilweise von Maschinen produziert. Er selbst hat natürlich auch Hand angelegt und Lokomotiven umgerüstet, was dem Techniker nicht schwerfiel.

Auf die Frage, ob die Bahn fertiggestellt sei, antwortet Vogel mit einem Grinsen: »So eine Anlage ist niemals zu Ende gebaut«, sagt er. In der Mitte etwa ist noch eine recht große freie Fläche, dort könnte man eine Drehscheibe für die Lokomotive installieren. Die Alpenbahn soll weiter in die Höhe gebaut werden, ein Nebengleis eines Tages in den Keller führen. Hier könnten Wartungsarbeiten an den Zügen durchgeführt werden, bequemer, in Nähe des Werkzeugkastens und in der Wärme des Hauses.

Wenn am Sonntag, 4. Dezember, der Weihnachtsmarkt im Kurpark in Bad Salzhausen stattfindet, öffnet Klaus Jürgen Vogel wieder seine hintere Gartenpforte, um sein besonderes Hobby mit allen interessierten Besuchern des Marktes zu teilen. Die Züge werden ihre Runden drehen, sich auf der Strecke begegnen, der Bahnhof wird innerlich zum Leben durch die diversen Lichtspiele erwachen, die Vogel installiert hat. Wahrscheinlich werden vor allem Väter mit Söhnen das bunte Treiben auf den Gleisen beobachten. Passend zur vorweihnachtlichen Stimmung bieten Vogels heiße Getränke und Waffeln an.

Das Gedicht von James Krüss setzt sich fort mit der Bemerkung: Henriette fuhr noch nie nach einem Plan. Vogel jedenfalls benötigt ebenfalls keinen für die Fahrt durch den winterlichen Garten und die Besucher keine Fahrkarte.

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